Flüchtlinge im Mittelmeer
1000 Euro für die Fahrt in den Tod

Sie rufen um Hilfe. Dann kentert das Fischerboot vor der Küste Libyens. Hunderte Menschen ertrinken. Das Entsetzen in Europa ist groß, obwohl das Drama nicht das erste ist. Fragen und Antworten zum Unglück in Mittelmeer.
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RomEs ist mitten in der Nacht, die Flüchtlinge in dem voll besetzten Fischerboot sind verzweifelt. Sie haben um Hilfe gerufen, ein portugiesischer Frachter nähert sich. Die Migranten wollen die Retter erreichen und klettern auf eine Seite des Bootes. Daraufhin kentert ihr Schiff, Hunderte Menschen stürzen ins Meer und ertrinken. So rekonstruieren die Einsatzkräfte die erneute Flüchtlingstragödie im Mittelmeer, bei der bis zu 950 Flüchtlinge vor der Küste Libyens ertrunken sein könnten.

Als die Retter am Sonntag am Unglücksort nördlich der libyschen Küste eintreffen, können sie kaum noch etwas tun. Küstenwache und Marine suchen mit Dutzenden Booten und Hubschraubern hektisch nach Überlebenden. Doch die Einsatzkräfte können nur noch Leichen bergen, 24 tote Körper haben sie bis Sonntagabend aus den Fluten gefischt. Das Wasser hat 16 Grad, die meisten der Flüchtlinge konnten zudem wohl nicht schwimmen.

Das Entsetzen in Italien und Europa ist groß. Die EU steht in der Kritik, Hilfsorganisationen werfen ihr Untätigkeit vor. Am Montag kommen die EU-Außenminister zu einem Krisentreffen in Luxemburg zusammen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wie viele Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Europa?
Wegen gewaltsamer Konflikte wie in Syrien, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen machen sich immer mehr Menschen auf den Weg nach Europa, wo sie sich Schutz und Hilfe erhoffen. Nach Angaben der EU-Grenzbehörde Frontex gab es 2014 rund 278.000 illegale Grenzübertritte - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. 170.000 Menschen kamen dabei von Libyen aus über das Mittelmeer. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR starben vergangenes Jahr 3500 Menschen bei dem Versuch, über den Seeweg nach Europa zu gelangen.

Wie viele Flüchtlinge werden dieses Jahr erwartet?
Frontex-Chef Fabrice Leggeri rechnet mit einer neuen Rekordzahl von Flüchtlingen. „Unsere Quellen berichten uns, dass zwischen 500.000 und einer Million Migranten bereit sind, Libyen zu verlassen“, sagte Leggeri Anfang März. Vor dem Unglück vom Wochenende hat es bereits 900 Tote gegeben. An Bord des in der Nacht zum Sonntag gekenterten Schiffs waren nach unterschiedlichen Angaben zwischen 700 und 950 Menschen - nur wenige konnten gerettet werden.

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Die Lage? Chaotisch!

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Das schmutzige Geschäft

Kommentare zu " Flüchtlinge im Mittelmeer: 1000 Euro für die Fahrt in den Tod"

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  • Herr Knoll,
    dass Problem ist, dass die Menschen in den Entwicklungsländern immer mehr werden. Wussten Sie, dass alleine Afrika jedes Jahr 20 Millionen Menschen mehr beherbergt? Und dass die Entwicklung in vielen arabischen Ländenr (auch Syrien) ähnlcih ist? Unter diesen Umständen - an denen Deutschland wohlgemerkt nicht schuld ist - wird es IMMER auf eine Situation hinauslaufen, bei der Menschen massenhaft hungern, sich bekriegen, oder eben auswandern. Anderes ist gar nicht möglich, denn das Land ist endlich.

    Die wohlhabenden Länder könnten diesen Bevölkerungsüberschuss eine Zeit lang aufnehmen, aber nicht lange. Überlegen Sie mal, wie man 20 Millionen Menschen jährlich aufnehmen wollte, selbst wenn sie über Europa verteilt werden.

    Daher Fazit: Das humanitäre, hilfsbereite Denken Europas funktioniert nicht, wenn man es mit Gesellschaften zu tun hat, die ihre Zahl permanent vergrößern und die ihr eigenes Leid schneller vermehren, als es irgendeiner lindern könnte. Mit offenen Grenzen gegenüber der 3. Welt verzögert man die Probleme dort nur um kurze Zeit um den Preis, dass das eigene Land die gleichen Probleme bekommt und überrannt wird. Ist des das wert? Der Humanität halber? Ich finde Nein.

  • Das hat nichts mit Unmenschlichkeit zu tun, - sondern mit Rationalität, Logik und Verstand.

    An einem ideologisch, überbordenden Humanismus geht die zivilisierte Welt zugrunde. Wir - alle - werden dessen gewahr. Zumindest denjenigen, die sich vor der Wirklichkeit nicht ideologisch wegschließen und in Wolkenkuckucksheim nächtigen.

    Und die penetrante und aufgezwungene "Anteilnahme" durch den Medienterror geht bereits sehr vielen auf die Nerven.

    Tote Flüchtlinge ? - Nein, - wir sind nicht betroffen. Überhaupt nicht !

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