Flüchtlinge in Asien
Der langsame Tod auf dem Meer

Thailand, Indonesien und Malaysia riskieren mit ihrer Flüchtlingspolitik Tausende Menschenleben. Nun wächst der Druck auf Myanmar – den Verursacher der Krise. Augenzeugen berichten von brutalen Kämpfen auf den Booten.
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Bangkok/JakartaAls dann doch ein bisschen Hilfe eintrifft, gibt es kein Halten mehr. Noch während der thailändische Militärhubschrauber seine Fracht ins Meer rund um das Flüchtlingsschiff abwirft, stürzen sich die Menschen ins Wasser. Einige wollen ihre ergatterte Nahrung nicht mit den Anderen an Bord teilen. Wie TV-Bilder zeigen, schlingen sie das Essen noch hinunter, während sie sich an den Rumpf des Schiffes krallen.

Noch immer treiben Schätzungen zufolge rund 6.000 Menschen auf dutzenden Schiffen im Indischen Ozean. Sie sind gefangen im Meer, denn kein Anrainerstaat will sie aufnehmen. Indonesien, Malaysia und Thailand haben den Flüchtlingen deutlich gemacht, dass sie bei ihnen nicht willkommen sind – und schicken die Schiffe zurück in die Wellen. Auch dieses Wochenende wies Thailand wieder ein Boot ab.

Eine Lösung ist nicht in Sicht: Erst am 29. Mai wollen sich die Asean-Staaten treffen, um eine Lösung für die Flüchtlingskrise zu beraten. Doch bis dahin könnten viele Menschen sterben. „Wenn nicht unmittelbar gehandelt wird, könnte sich die Andamanensee in ein Seegrab verwandeln”, kritisiert John Sifton von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. „Und wenn das passiert, liegt die Verantwortung unmittelbar bei jenen, die hätten helfen können, aber es nicht getan haben.” Immerhin werden sich kommende Woche die Außenminister von Thailand, Malaysia und Indonesien treffen.

Über die Situation auf den Booten gibt es schockierende Berichte. Von Fischern gerettete Flüchtlinge erzählten der indonesischen Polizei, dass die Menschen in ihrer Verzweiflung mit Messern und Stöcken aufeinander losgingen. Die Toten werden über Bord geworfen. Journalisten, die es bis zu den im Meer treibenden Booten schaffen, filmen wimmernden Kinder, die an der Reling stehen.

Doch nicht nur Thailand, Indonesien und Malaysia sind für die Flüchtlingskrise verantwortlich. Auslöser der Krise ist Myanmar, das nun immer stärker unter internationalen Druck gerät. Viele der Flüchtlinge gehören der dort unterdrückten muslimischen Rohingya-Minderheit an. 1982 wurde ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt. 2012 und 2013 kam es in dem streng buddhistischen Land zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Minderheit. Rund 140.000 Rohingya leben dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge in Camps. Viele beginnen von dort ihre Flucht – und verhandeln von dort mit den Schleppern, die sie ins Ausland bringen sollen. In den vergangenen zwei Jahren haben mehr als 100.000 das Land verlassen.

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„Berichte wurden ignoriert“

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  • Warum beschweren sich diese "Gläubigen" ist doch dieser "Kultuir" jeder zweite Satz: "Es ist Allahs Wille", oder: "So Allah will,"
    Ihre jetzige Situation ist dann eben sein Wille, und gut ist, wo ist denn da noch ein Problem und wenn das so ein grausamer Kasper ist, nicht das Problem der Weltgemeinschaft sollen sie sich doch an ihn wenden.

  • Den Medienberichtetn zu folge sind es meist Islamgläubige. Wer will schon "Mörder" (Tötet Andersgläubige) in sein Land holen, außer Deutschland???

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