Flüchtlinge in Europa Österreichs neue Grenzkontrollen kosten Milliarden

Österreich und die Balkan-Staaten wollen den Flüchtlingsstrom bremsen. Die Länder vereinbaren eine stärkere Zusammenarbeit. Schon jetzt klagen österreichische und deutsche Firmen über die Kosten der Grenzkontrollen.
Update: 24.02.2016 - 15:12 Uhr 52 Kommentare
Kontrollen an den Grenzen halten nicht nur Flüchtlinge fern – sondern auch Touristen. Quelle: dpa
Grenzkontrollen

Kontrollen an den Grenzen halten nicht nur Flüchtlinge fern – sondern auch Touristen.

(Foto: dpa)

München/WienMit einem gemeinsamen Vorstoß wollen Österreich und die Westbalkan-Staaten den Andrang der Flüchtlinge auf der Balkanroute verringern. Die zehn Teilnehmer-Länder eines Treffens in Wien verständigten sich am Mittwoch unter anderem darauf, sich durch die Entsendung von Polizisten in besonders betroffene Grenzgebiete zu unterstützen. Außerdem sollen die Kriterien für die Zurückweisung von Flüchtlingen und ihre Registrierung vereinheitlicht werden. Ein „Durchwinken“ der Migranten auf dem schnellstmöglichen Weg nach Mitteleuropa müsse ein Ende haben, sagte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP).
Ohne die von allen gewollte gesamteuropäische Lösung müsse mit nationalen und regionalen Maßnahmen Druck gemacht werden, sagte die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). „Wir wollen eine Kettenreaktion der Vernunft“, sagte die Ministerin. Einen Tag vor dem EU-Innenministerrat in Brüssel wollten die Innen- und Außenminister unter anderem von Slowenien, Kroatien, Albanien, Bosnien, Serbien und Mazedonien mit einem gemeinsamen Auftritt auch ein politisches Zeichen setzen.

Österreich hat bereits eine Obergrenze von 37.500 Asylbewerbern im Jahr beschlossen und setzt auf einen Domino-Effekt restriktiver Maßnahmen entlang der Balkanroute. Griechenland, das einen Flüchtlingsrückstau befürchtet, als auch die EU-Kommission hatten die Konferenz im Vorfeld kritisiert.
Mit Sorge dürfte auch die Wirtschaft die Beratungen in Wien verfolgt haben. Schon jetzt verursachen die seit Freitag verschärften Grenzkontrollen Österreichs an der Südgrenze für die Wirtschaft in Tirol und Bayern Milliardenkosten. Nach Einschätzung der Wirtschaftskammer in Wien entsteht für die Unternehmen allein in Österreich ein Schaden von mindestens 1,2 Milliarden Euro, sollte längerfristig lückenlos an den Außengrenzen kontrolliert werden. Sollten die Grenzkontrollen an allen Autobahngrenzen in Österreich wieder eingeführt werden, gehen die Experten in Wien, von jährlichen Kosten von 2,1 Mrd. Euro aus.

„Die langen Wartezeiten führen zu höheren Transportkosten und höheren Lagerkosten. Der dadurch entstehende Preisanstieg wird an die Kunden weiter gegeben“, sagte Thieß Petersen, Makroökonom bei der Bertelsmann-Stiftung, dem Handelsblatt. Die Bertelsmann Stiftung hat eine Prognos-Studie veröffentlicht, die bei einer dauerhaften Rückkehr zu Grenzkontrollen in der EU von einer 470 Milliarden Euro niedrigeren Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2025 ausgeht. Für Deutschland würden sich die Wachstumsverluste im gleichen Zeitraum auf mindestens 77 Milliarden belaufen.

Bei einer Abkehr vom Schengen-Abkommen drohen Bayern nach Einschätzung von Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW), bis zum Jahr 2025 Wachstumseinbußen von mindestens 25 Milliarden Euro. „Jede Verzögerung kostet Geld.“ Bereits die derzeitigen Kontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze stellten für viele Unternehmen eine Belastung dar.

Für vorübergehende Grenzkontrollen „als zeitlich begrenzte Notmaßnahme“ zeigte VBW-Hauptgeschäftsführer Brossardt Verständnis. „Sie müssen aber eine zeitlich kurz befristete Ausnahme bleiben und umgehend wieder an die EU-Außengrenzen verschoben werden.“ Die bayerische Wirtschaft sei stark exportorientiert.

Pro Jahr führen die Firmen im Freistaat Waren im Wert von rund 179 Milliarden Euro aus. „Umgekehrt sind für unsere Unternehmen die Vorleistungen aus dem Ausland wesentliche Bestandteile des Bayernmodells“, sagte Brossardt. Die arbeitsteilig organisierten Wertschöpfungsketten seien auf einen reibungsfreien Warenverkehr über Ländergrenzen hinweg angewiesen.

„Grenzsicherung ist eine Frage der Vernunft“
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52 Kommentare zu "Flüchtlinge in Europa: Österreichs neue Grenzkontrollen kosten Milliarden"

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  • Das hat sie bis Ende 2014 praktiziert....und 110.000 Syrer nach Deutschland eingeflogen. Diese haben anschliessend "Attraktive Selfies" in die Heimat geschickt !

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion

  • das Handy ist für die "Facharbeiter" das "Wichtigste" um sich in der neuen Heimat "zurechtzufinden".

    Das geht in keinem Fall "verloren"........

  • << Grenzsicherung ist eine Frage der Vernunft“ >>

    Grenzsicherung ist eine Frage des Gesetzes, des Rechtes !

  • Sie leben also davon, dass Sie als Trader Ihren Gewinn machen... Womit Sie handeln weiß ich zwar nicht, aber eines ist sicher, Leute wie Sie, haben an der negativen Entwicklung der Marktwirtschaft einen maßgeblichen Anteil.

    - Manipulation der Aktien- und Währungskurse, der Rohstoffpreise
    - Verbriefung von Forderungen (so komplex und pervers, dass selbst Profis nicht mehr durchblicken)
    - Verschleierung von Gewinnen zwecks Steuerhinterziehung

    usw.

    Es gibt keine ehrlichen Trader, denn alle Händler schauen nur auf ihr eigenes Portemonnaie und das um JEDEN Preis. Sie vergessen immer wieder, dass es neben der Wirtschaft und den Arbeitnehmern auch das Kapital geben muss, sonst funktioniert das Konstrukt nicht. Und weil Gier und Neid stets präsent sind, wissen Sie und ich, wohin die Reise geht... Die Schere zwischen reich und arm wird immer größer.

  • Der Europagipfel Anfang März zur Flüchtlingskrise verspricht interssant zu werden.

    Kommt es zu einer Frontstellung Wien/Berlin mit sehr unterschiedlichen Konzepten, wobei das Berliner Konzept einer Quasi-Auslieferung in die Entscheidungsfindung des Herrn Erdogan mehr als fragwürdig ist, oder wird in einem gesamteuropäischen Rahmen versucht, die Krise durch Verteilmechanismen
    zumindest teilweise zu entschärfen.

    Fakt ist, Deutschland steht mit seiner Merkel-Politik weitgend alleine da, Frankreich will in den nächsten 2 Jahren 30.000 Personen als Obergrenze setzten, Österreich hat ebenfalls eine Obergrenze, Dänemark/Schweden schließen die Grenzen. Von UK müssen wir in diesem Zusammenhang überhaupt kein Wort verlieren.

    Merkel hofft indessen unverdrossen weiter auf Her Erdogan, der allerdings schon angekündigt hat, keine Flüchtlinge zurück zu nehmen, die auf der Passage zu den griechischen Inseln von der Nato "gerettet" wurden.

  • << Die Bertelsmann Stiftung hat eine Prognos-Studie veröffentlicht, die bei einer dauerhaften Rückkehr zu Grenzkontrollen in der EU von einer 470 Milliarden Euro niedrigeren Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2025 ausgeht. Für Deutschland würden sich die Wachstumsverluste im gleichen Zeitraum auf mindestens 77 Milliarden belaufen. >>

    Diese Prognose kann sich die besagte Bertelsman-Stiftung in ihren Allerwertesten stecken !

    An den Haaren herbeigefuehrte Luegenpropaganda !

  • Ich gehe doch davon aus, dass Frau Merkel ihre Gäste direkt aus Afrika abholt.

  • Komisch, um den Herrn Orban aus Ungarn ist es in letzter Zeit sehr ruhig geworden. Da werden doch jetzt nicht etwa der Herr Faymann und seine Minister als Buhmänner und ~frauen aufgebaut?

  • na ja, bei der Infrastruktur kann man nicht mehr viel kaputt machen, die müsste man sowieso mal in Angriff nehmen - aber dazu "fehlt" leider das Geld - oder sollte man sagen, der politische Wille was für die eigenen Leute zu machen, die schließlich auch die ganzen schönen Steuern und Abgaben bezahlen.....

    !!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

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