Flüchtlinge in Griechenland
Kälte, Angst, Verzweiflung

Rund 10.000 Flüchtlinge kampieren an der griechisch-mazedonischen Grenze. Die Zustände sind katastrophal: Es fehlt schon jetzt an Zelten und Essen. Und doch kommen jeden Tag noch mehr Flüchtlinge an.

IdomeniEin Sandwich, noch ein Sandwich, eine Suppe, eine Orange. Viel hat Kadr Jussef in letzter Zeit nicht gegessen. Sorgen macht sich der 25-jährige Iraker aber nur um seine kleine Tochter, die sechs Monate alte Irene. Zwar verteilt eine Hilfsorganisation im Flüchtlingslager Babynahrung. „Aber ob das ausreicht?“, fragt sich Kadr. Zusammen mit tausenden anderen Flüchtlingen sitzt der Vater am griechisch-mazedonischen Grenzübergang Idomeni fest.

Seit Österreich und mehrere Balkanländer ihre Grenzen für die Flüchtlinge weitgehend dichtgemacht haben, harren die Menschen auf der griechischen Seite der Grenze zu Mazedonien aus. In Idomeni drängen sich nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen inzwischen mehr als 9000 Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Babys und kleinen Kindern. Die Hilfsorganisation Save the Children geht davon aus, dass in den Zelten mindestens 2500 Kinder hausen.

„Wir wachen jeden Morgen auf und fragen uns, wie wir es heute schaffen werden“, sagt Jean-Nicolas Dangelser von Ärzte ohne Grenzen, der für die Essensausgabe im Zeltlager zuständig ist. Denn in Idomeni kommen weiterhin jeden Tag mehr Flüchtlinge an, als Mazedonien einreisen lässt. Die Grenze öffnet sich nur für wenige von ihnen und immer nur stundenweise: In der Nacht zum Mittwoch duften rund 170 Flüchtlinge über die Grenze.

Die 16-jährige Sahraa Alschibli, die mit ihrer Familie aus dem Irak geflohen ist und seit zehn Tagen in Idomeni festhängt, hatte eigentlich gehofft, bald weiterreisen zu können – immerhin hat sie die Registriernummer 196. Doch als sich das Grenztor öffnete, hat sie geschlafen. „Wir wussten von nichts“, klagt Sahraa, die mit ihren Eltern und Geschwistern nach Schweden will.

Die Helfer von Ärzte ohne Grenzen verteilen in Idomeni mittlerweile 30.000 Essensportionen am Tag. Weil es nur 6500 warme Mahlzeiten gibt, können oft nur Sandwiches ausgegeben werden, wie Dangelser berichtet. Mehr warmes Essen kann die Hilfsorganisation momentan nicht auftreiben, zumindest nicht zu einem akzeptablen Preis. Die Warteschlange ist Tag und Nacht mehrere hundert Meter lang.

Griechische Medien berichteten am Mittwoch, verzweifelte Migranten hätten in der Nacht an den Türen der rund 100 Einwohner des Dorfes von Idomeni geklopft und um Lebensmittel und Milch für ihre Kinder gebeten. Im Februar sind nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) insgesamt mehr als 55 000 Migranten in Griechenland angekommen.

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Die Angst vor der Zukunft

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