Flüchtlinge in Griechenland
Wie Aktivisten die Stimmung anheizen

Konfrontation und es bewegt sich nichts: Aktivisten ermuntern Flüchtlinge in Griechenlands Aufnahmelagern zu Demonstrationen und Blockaden. Die Situation an den Grenzen droht zu eskalieren.

AthenDie Proteste von Migranten in den wild errichteten Lagern Griechenlands entwickeln sich für den linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zu einer enormen Herausforderung. Griechische Medien rechnen damit, dass die Regierung bald gezwungen sein wird, ihre Politik der Nichtanwendung von Gewalt aufzugeben, um Krawallmacher unter Kontrolle zu bringen. Die Nerven von Anwohnern wild errichteter Flüchtlingslager wie in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien liegen blank. Rechtsextremisten reiben sich die Hände.

Die Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge und das Abkommen der EU mit der Türkei hat die Lage in der Flüchtlingskrise grundlegend geändert. Emotionale Bilder an den Grenzzäunen, wütende Proteste und das Ausharren in Zelten unter katastrophalen Zuständen haben an diesem politischen Kurswechsel nichts geändert.

Linke Aktivisten aus Griechenland und anderen EU-Staaten ermuntern Flüchtlinge weiter zur Konfrontation, obwohl sich seit Wochen nichts mehr bewegt. Sie bewegen sich in den wilden Lagern in Idomeni und im Hafen von Piräus und haben Rat für Migranten. Wohin sollen sie gehen und wohin nicht. Wie, wo und wann sollen sie demonstrieren.

Welche Straßen und Eisenbahntrassen sollen sie sperren, um auf ihr Problem und ihre immer gleiche Forderung „Öffnet die Grenzen“ aufmerksam zu machen. Nur wenn alle Flüchtlinge zusammen blieben und die Welt ihr Elend sehe, hätten sie eine Chance, gehört und von anderen, reicheren Staaten als Griechenland aufgenommen zu werden, wird geraten.

„Das wird kein gutes Ende haben“, warnt die Gewerkschaft der griechischen Beamten der Küstenwache und fordert die Staatsanwaltschaft zur Intervention auf. So schnell wie möglich müssten die wilden Lager aufgelöst werden. Aktivisten organisieren Demonstrationen von Migranten im Zentrum Athens. Die erste Demonstration fand vergangene Woche statt. Die Plakate waren in perfektem Griechisch geschrieben: „Nieder mit den Deportationen (aus Griechenland in die Türkei) und dem rassistischen EU-Türkei-Flüchtlingspakt“. 

Schlimmere Szenen haben sich in Piräus abgespielt: Sekunden, nachdem die Behörden rund 5.000 dort versammelte Migranten aufriefen, friedlich das wilde Lager entlang der Kaimauer und in Lagerhallen zu verlassen und in organisierte Lager zu gehen, stürzten wütende Migranten auf die Straße. Vor laufenden Kameras hob ein Migrant ein Kleinkind in die Luft.

Unter den Anwesenden entstand der Eindruck, er wolle das Kind auf die Beamten der Küstenwache schleudern. Andere Anwesenden nahmen das Kind an sich und gaben es an die Mutter zurück. Allerdings: Auf die Aufforderung von Journalisten, sie solle so etwas nicht erlauben, antwortete sie: „Macht ihr erst die Grenze auf“. 

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Der Mikrokosmos der Aktivisten

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