Flüchtlingsdebatte in Frankreich
Sarkozy straft fremdenfeindliche Genossin ab

Rassistische Kommentare der Ex-Ministerin Morano verärgern ihre Genossen. Parteichef Sarkozy entzieht ihr sogar den Listenplatz. Doch das Problem ist damit nicht gelöst – Partei und Gesellschaft rücken weiter nach rechts.

ParisDrei Tage hat Ex-Präsident Nicolas Sarkozy gezögert, dann kam die Sanktion: Seiner früheren Ministerin Nadine Morano entzieht er die Kandidatur zu den Regionalwahlen im Dezember. Morano, die auch Europaabgeordnete ist, hatte am Sonntag zur besten Sendezeit eine sehr eigenwillige Definition von Frankreich zum Besten gegeben: „Damit es einen nationalen Zusammenhalt gibt, muss ein Land im Gleichgewicht bleiben, seine kulturelle Mehrheit erhalten. Wir sind ein jüdisch-christliches Land weißer Rasse, das ausländische Personen aufnimmt.“ Sie habe „keine Lust, dass Frankreich muslimisch wird.“

Ihren Parteifreunden von „Die Republikaner“, früher UMP, deren Chef Sarkozy ist, stieß Moranos „weiße Rasse“ übel auf. Sie forderten die Politikerin zunächst sehr vorsichtig auf, ihre Aussagen zu korrigieren. Nur eine Mit-Republikanerin, Nathalie Kosciusko-Morizet, die bis 2012 mit Morano zusammen in der Regierung war, sprach Klartext: „Weiße Rasse, das ist nur abstoßend“.

Morano zeigte aber keinerlei Einsicht. Am Mittwoch nahm sie für sich in Anspruch, „nur das zu wiederholen, was General de Gaulle gesagt hat.“ Bei den Republikanern gebe es „eine Gedankenpolizei“, die sie kontrollieren wolle. Weiß, blond und blauäugig stellte Morano sich als Opfer dar, das angegriffen werde, obwohl „meine Rechtschaffenheit und Ehrenhaftigkeit beispielhaft sind“. Sie habe keinerlei Anlass, irgendetwas zurückzunehmen und wisse nicht, „welchen Prozess mir meine Partei denn machen sollte“.

Das auftrumpfende Gehabe der Ex-Ministerin, die sich bislang stets als Stütze von Sarkozy gegeben hatte, legt die Vermutung nahe, dass sie den Konflikt bewusst in Szene gesetzt hat. Ihrem Parteichef jedenfalls reichte es am Mittwochmittag: In einem dürren Kommuniqué ließ er mitteilen, auf Bitte der Kandidaten in der Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine werde der zuständige Ausschuss einberufen mit dem Ziel, Morano die Kandidatur zu entziehen. „Ihre jüngsten Aussagen entsprechen weder dem, was Frankreich ist, noch den Werten der Republikaner“.

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