Flüchtlingsdrama vor Lampedusa
„203 vom Meer verschluckt“

Vor Lampedusa sind mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Schnell äußern Politiker Kritik an dem Flüchtlingsprojekt „Triton“. Doch die EU war es, die sich geweigert hat, das alte Programm mit zu finanzieren.
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RomDas jüngste Flüchtlingsdrama forderte wahrscheinlich mehr als 200 Tote ein. Das erklärte Carlotta Sami, Sprecherin des UN-Flüchtlingswerkes UNCHR am Mittwoch. Insgesamt seien drei Schlauchboote unterwegs gewesen, auf einem waren zu Beginn der Woche 29 Menschen erfroren. Auf zwei weiteren Boote seien insgesamt mehr als 210 Menschen gewesen. „Von diesen überlebten nur neun“, sagte Sami. „Sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen 203 hat das Meer verschluckt.“ Sie bezeichnet es als „schreckliche und enorme Tragödie“.

Die süditalienische Insel Lampedusa ist nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten im Oktober 2013 zum Sinnbild für Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer geworden. Danach hatte Italien die Rettungsmission „Mare Nostrum“ ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. Diese wurde vergangenes Jahr von der EU-Grenzschutzmission „Triton“ abgelöst. Das UN-Flüchtlingshilfswerk kritisierte das Programm erneut als unzureichend.

Nach dem Vorfall ist Kritik an dem EU-Grenzschutzeinsatz „Triton“ laut geworden. Das eigentliche Flüchtlingsprogramm „Mare Nostrum“ wurde im vergangenen Jahr eingestellt. Es sei zu teuer gewesen, lautete der Grund der italienischen Regierung damals. „Mit Mare Nostrum wäre es möglich gewesen, diese Leute an einen warmen und trockenen Ort zu bringen und ihnen schnell Essen zu geben“, sagte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio di Giacomo.

Die anderen EU-Staaten hatten sich zuvor geweigert, einen Teil der Kosten von „Mare Nostrum“ von monatlich neun Millionen Euro zu übernehmen. Die neue Mission dient vorwiegend der Sicherung der EU-Außengrenzen und nicht der Rettung von Flüchtlingen. Sie beschränkt sich vorwiegend auf die Hoheitsgewässer der EU-Staaten, während das Einsatzgebiet von „Mare Nostrum“ sich bis vor Nordafrika erstreckte. Dabei waren nicht nur Patrouillenboote, sondern auch Kriegsschiffe mit einer eigenen Krankenstation und Helikoptern im Einsatz. Damit konnten die Kranken schneller an Land gebracht werden als jetzt.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Auf dem Weg ins gelobte Land ...
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    ... kommen immer mehr "Flüchtlinge" ums Leben. Sie kommen trotz Kälte und hohen Wellen in seeuntüchtigen Schlauchbooten zu uns.
    Sie bezahlen den Schleppern 6.000 bis 8.000 Dollar für die Überfahrt und lassen sich dann kurz vor der Küste "retten".
    Wenn dabei einige ums Leben kommen sind das halt "Kollateralschäden". Aber die "Flüchtlinge" wussten worauf sie sich einließen.
    Sie wollen nach Deutschland, weil hier die Sozialleistungen so hoch sind.
    Hier erhalten sie Hartz IV, Wohnung und das Recht auf Familiennachzug für ihren gesamten Clan.

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