Flüchtlingshilfe im Mittelmeer (Teil 5) Die „Aquarius“ rettet 20 Menschen in Seenot

Einsatz für die „Aquarius“: Auf dem Mittelmeer müssen 20 Menschen aus einem Boot gerettet werden. Auf Hilfe der libyschen Küstenwache hätten die Menschen vergeblich gewartet, berichtet unserer Reporterin Anna Gauto.
30 Kommentare

„Ohne Rettungsschiffe werden weiter Menschen sterben“

„Ohne Rettungsschiffe werden weiter Menschen sterben“

Das Rettungsschiff „Aquarius“ hat am Montag 20 Menschen auf dem Mittelmeer gerettet. Unter den Geretteten, alle libyscher Herkunft, sind drei Kinder und drei Frauen. Die Geflüchteten waren nach Angaben eines Betroffenen am Morgen von Libyen aus in See gestochen. Sie waren demnach mehrere Stunden auf dem Wasser, ehe sie die Crew der „Aquarius“ etwa 25 Seemeilen vor der libyschen Küste aus einem Glasfaserboot barg. Es konnten alle an Bord gebracht werden, einige Geflüchtete befinden sich seither in medizinischer Behandlung.

Der Rettung vorangegangen waren einige Unstimmigkeiten, wer den Einsatz durchführen sollte. Die für die Seerettung in internationalen Gewässern zuständige Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) wies die „Aquarius“ per Telefon an, die Rettung auf Basis internationalen Seerechts durchzuführen. Es verpflichtet, jeder Person, die auf See in Lebensgefahr angetroffen wird, so schnell wie möglich zu Hilfe zu eilen. Demnach hätte die „Aquarius“, die sich in internationalen Gewässern befand, die Rettung sofort durchführen können.

Zugleich informierte die MRCC die Crew aber darüber, dass die libysche Küstenwache (LCG) unterwegs sei und die „Aquarius“ mit ihr kooperieren solle. Nachdem die Crew auf Weisung der MRCC mehrfach vergeblich bei der LCG angerufen hatte und das Boot der Küstenwache, das innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein sollte, auch nach 30 Minuten nicht eingetroffen war, begann die Evakuierung. Zunächst brachten die Rettungsboote der „Aquarius“ gesundheitlich beeinträchtigte Menschen vom Flüchtlingsboot an Bord, zuletzt alle anderen.

„Das Boot befand sich klar in Seenot. Es beförderte mehr Personen als zugelassen. Es war auch viel zu klein, zu instabil und hatte nicht genug Benzin an Bord, um die Überfahrt nach Europa zu schaffen“, sagte Madeleine Habib von SOS Mediterranée, der Organisation, die die Rettung leitete. „Das Boot hätte jederzeit kentern können.“ Auch war in das Boot bereits Wasser eingedrungen.

Im August hatte die westlibysche Regierung eigenmächtig eine 74 Seemeilen breite „Such- und Rettungsregion“ ausgerufen, die bis weit in internationales Gewässer ragt. In dieser Zone beansprucht Libyen seither Hoheitsgewalt, droht privaten Hilfsorganisationen und erklärt sich allein zuständig für Seenotrettungen. Dadurch häufen sich Situationen, in der NGO-Rettungsboote direkt vor Booten in Seenot schwimmen, aber nicht eingreifen können, da sie auf Meldungen der LCG oder der MRCC warten müssen. Mitte September bat die LCG die „Aquarius“ erstmals ausdrücklich um Hilfe und überließ ihr einen kompletten Rettungseinsatz.

Die EU unterstützt Libyen und die Küstenwache mit Ausrüstung, Geld und Ausbildung, um Menschen an der Überfahrt zu hindern. Ärzte ohne Grenzen und Geflüchtete berichten derweil von Folter, Vergewaltigung und erbärmlichen Zuständen in libyschen Internierungslagern, in denen Migranten festgehalten werden.

Ein 31-jähriger geretteter Libyer sagte dem Handelsblatt an Bord der „Aquarius“: „Wir mussten Libyen verlassen, weil es dort nicht mehr sicher ist. Leute werden erschossen, die Situation ist sehr gefährlich. Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert wir waren, als wir das Rettungsschiff sahen.“

SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen haben mit der „Aquarius“ allein zwischen Januar und August 2017 über 9000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Nach UN-Angaben starben bei dem Versuch der Überfahrt im Mittelmeer seit Jahresbeginn mehr als 2300 Menschen. Erst vergangene Woche war ein Boot westlich von Tripolis gekentert; dabei kamen die meisten der etwa 130 Bootsinsassen ums Leben.

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  • "In Offenbach am Main gibt es über 150 Nationen."

    Super - dass ist doch der ideale Wohnort für unsere "grünen" Spitzenolitiker.

    Wo findet man denn solch ein internationales Flair?

    Wie sind denn in diesem heimlichen Juwel so die Kauf- Mietpreise?

    Kann man die sich als Domizil noch leisten oder sind die Preise noch höher als in München?

  • Herr Günther Heck

    "Mit welchem Recht eigentlich, wenn für diese alten Pensionäre es auch die Hälfte tun würde."

    Zumal die ganz sicher auch noch eine höhere Lebenserwartung haben, als diejenigen, die 45 Jahre lang irgendwie ihre Beiträge in die RV gezahlt haben.

  • In Offenbach am Main gibt es über 150 Nationen. Die werden nichts dagegen haben weitere Menschen aufzunehmen.

    Das könnte man eigentlich machen. Stattdessen streut man sie auf die Fläche und stattet sie mit einem Fahrrad aus damit sie wenigstens mobil sind. Ein Handy haben sie wenigsteh schon.

    So mit 20.000 monatlich sollten wir weiter rechnen. Obergrenzen gibt es auch mit der Jamaika nicht.

    Weiter so, Merkel will das schaffen. Ein paar neue Nachbarn würden ihr bestimmt auch gut stehen.

    Die Poltiker/-innen sollten mal voranschreiten und ihre Türen zu ihren Häuser für diese Menschen so langsam öffnen. Vor allem die Christlichen, die Grünen, die Linken und die Sozis zahlen den die monatlichen Kosten, denen die Summe gegenwärtig klar ist. Und auch die in Zukunft, die sie scheinbar nicht auf ihrer Agenda haben.

    Aber das machen ja bekanntlich die Steuerzahler. Die Babyboomer fallen aber sukzessive als Zahler immer mehr aus und dürfen ihre 1000 bis 1500 Euro Rente monatlich genießen.

    Und die dafür verantwortlichen Politker erhalten das 10-fache. Mit welchem Recht eigentlich, wenn für diese alten Pensionäre es auch die Hälfte tun würde.






  • Herr Holger Narrog,

    vielen Dank.

    Ich muss aber leider einräumen, dass ich meinen Kommentar nach dem Lesen der hier stattfindenen Diskussion geswchrieben habe.

    Den Artikel selbst habe ich überhaupt nicht gelesen, da ich gleich die Kommentare direkt aus der Übersicht aufgerufen habe. Frau Gauto habe ich deshalb als "Kommentatorin" gesehen.

    Durch die überaus sachliche Kritik des Herrn Berger hat sich mir dann der Sachverhalt erschlossen.

  • @Gauto und andere
    Zum Höhepunkt der "Flüchtlingskrise" wurde auch ab und zu über die Aktivitäten der "Aktivisten" berichtet, die Flugblätter verteilten, in dem sie zwar nicht zum illegalen Grenzübertritt aufriefen, aber eine Handlungsanleitung schrieben.

    Wenn ich mir jetzt die Aussagen des Mannes durchlese, dann ist das 1zu1 aus dem Handbuch, wie man es schafft ein Aufenthaltsverfahren in Europa zu starten: Asyl kommt aus rechtlichen Gründen nicht in Frage, Schutz aufgrund der Flüchtlingskonvention auch nicht. Da bleibt der subsidiäre Schutz (also Gefahr für Leib und Leben), und genau die Geschichte erzählt er halt dann auch. Der ist ja nicht doof!
    Und dann gibt es die Migrations-Lobby, die daraus ein Rechtsverfahren macht (und selbst dabei verdient), in dem der Staat angeblich dem Migranten nachweisen muss, dass er nicht in Lebensgefahr ist (bei allen anderen staatlichen Leistungen ist es zwar anders herum...). Und das ist reiner Unsinn. Selbst seit Beginn des syrischen Bürgerkrieg (!) hat man seit dessen Ausbruch eine Überlebenswahrscheinlichkeit von ungefähr 97%! Und da sind alle Kämpfer mit eingerechnet!

    Und ich bleibe dabei: solche Artikel machen nur Sinn, wenn dann nicht an den entscheidenden Stellen, einfach die Propaganda kolportiert wird!

  • @Berger

    Ich kann es echt auch im 2. lesen nicht fassen, wie Sie sich als "Vernünftiger" darstellen!
    Nochmal:
    die Überlebenswahrscheinlichkeit auf einem kleinen Boot ohne Benzin auf dem Mittelmeer ohne Rettungsboote (NGOs und Küstenwache) ist 0%.
    die Überlebenswahrscheinlichkeit auf einem kleinen Boot ohne Benzin auf dem Mittelmeer mit Rettungsbooten (NGOs und Küstenwache) ist vielleicht 10%. Aber die Küstenwache macht keinen Sinn, weil man da ja wieder da ankommt, wo man losgefahren ist! Dann geht man das Risiko doch nicht ein! Und dann der nächste Kniff der Propaganda: offensichtlichen Blödsinn behauptet man nicht selbst, sondern zitiert Studien! (vgl Frau Gauto hier).
    Überlebenswahrscheinlichkeit in Libyen (wenn man nicht direkt bei Kampfhandlungen mitmischt): weit über 99,999... %

    Herr Berger, Sie sollten Ihre "Vernunft" nachjustieren!

  • Hallo Herr Berger, "Warum muss man Frau Gauto erst mal beleidigen?"

    Wenn ich die Kommentare durchsehe, sehe ich viele kritische Äusserungen, einschliesslich meiner Kommentare, jedoch keine Beleidigungen. Die Äusserungen der Fr. Gauto sind teils erstaunlich und wenig plausibel und so denke ich dass eine kritische Position naheliegend ist.

  • @Berger

    doch Herr Berger, als vernünftiger Mensch müssen Sie genau das tun! Zumindest den ersten Teil meines Arguments haben Sie verstanden! Ja, die Wahrscheinlichkeit in Europa erschossen zu werden ist verschwindend! Und man muss diese Risiken zu den ganzen anderen Restrisiken zusammenzählen und damit einfach leben.

    Aber genauso dumpf ist es, in einem Land wie Libyen anzunehmen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit 0% ist! Und wenn man nicht damit argumentieren kann und zu lächerlich wird, dann findet man irgendeinen Ort, an dem es ganz schrecklich ist, und Vergewaltigungen ganz üblich sind.

    Man kann zu jedem Land der 3. Welt eine Beschreibung abgeben, die die dortigen Verhältnisse als menschenunwürdig darstellt! Das ist ganz einfach!

    Aber am Ende ist es eben so, dass die Verhältnisse in einem Land, das Ergebnis der dortigen Gesellschaft sind. Und Ihr schwarz-weiss Denken keine reale Basis hat (es sind eben nicht die braven Flüchtlinge, die Opfer sind gegenüber den bösen Tätern, die dort bleiben), sondern es ist ganz einfach viel grau... und dieses grau sitzt auch in den Booten! (und hat das Boot auch finanziert! Mit den Finanzmitteln kann man in Libyen eine Weile sehr gut leben!)

    Und am Ende des Tages bleibt es einfach so: Überlebenswahrscheinlichkeit in Libyen bei 0% ist einfach eine Propagandalüge! Nichts weiter! Da hilft auch nicht ihre missglückte Selbstüberhöhung als angeblicher Vernünftiger! Die angeblich aufgeklärte Presse rechtfertigt sich immer sie würde, Informationen einordnen... diese Schlagzeilen sind aber nur Propaganda! Nichts weiter!

    Noch zu ihrer Information: nach europ. und deutscher Rechtslage, sind die Insassen dieses Bootes nach Libyen zurückzubringen! Und diese Rechtslage gibt es in Deutschland auch nach einer rot-grünen Regierung und niemand kam bisher vor ein paar Jahren auf die Idee, dass da irgendetwas unmenschliches daran wäre...

  • Es war nicht beabsichtigt, den Kommentar hier einzustellen.

    Solche Sachen passieren leider bei einem Angehängten. Ich hoffe, ich habe meine beiden Kreuze am Sonntag tatsächlich dort gemacht, wo ich es vorhatte. Hab mir leider keine Kopie geben lassen. Na ja ...

  • Da die Petry glatt meine Prognose aus 2013, nachdem ich der nach ihrem Sturz von Prof. Lucke mithilfe der Rechten eine Zukunft als Provinzfürstin (Sachsen) zur Fehlspekulation werden lassen.

    Politisch ist die in der AfD, nach allem was zu lesen war, eh durch gewesen – inkl. Landesverband.

    Nun setze ich darauf, dass der Petry ebenfalls eine Fehlspekulation unterlaufen ist, die da wäre, die nächsten 4 Jahre mit Geschick den noch maximalen Profit aus Diäten, Aufwandsentschädigungen und was es sonst noch so an Annehmlichkeiten gibt zu schlagen.

    Kommt es nämlich zu Neuwahlen, wovon ich ausgehe, dann hat die Petry nur mal kurz im BT ihren Sessel angewärmt und darf dann wieder zur Familie.

    Das würde ich dieser machtbesessenen Intrigantin mehr als gönnen.

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