Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer
Kapitän des Flüchtlingsschiffs soll vor Gericht

Nach dem Untergang des Flüchtlingsschiffs im Mittelmeer mit 800 Toten hat die italienische Polizei den Schiffskapitän und ein Besatzungsmitglied festgenommen. Ihnen wird mehrfache fahrlässige Tötung vorgeworfen.
  • 0

RomNach dem Schiffsunglück im Mittelmeer mit vermutlich 800 Toten sind der Kapitän und ein Besatzungsmitglied festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft in der sizilianischen Stadt Catania wirft dem tunesischen Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung, Herbeiführen eines Schiffbruchs und Begünstigung illegaler Einwanderung vor.

Der syrische Seemann muss sich nur wegen letzterem Vorwurf verantworten. Die mutmaßlichen Schleuser seien von Überlebenden identifiziert worden, sagte Staatsanwalt Giovanni Salvi in der Nacht zum Dienstag.

Bei dem Unglück am Wochenende vor der libyschen Küste kamen nach neuen Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR etwa 800 Menschen ums Leben oder werden vermisst, darunter viele Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Syrien. Die Staatsanwaltschaft erklärte, an Bord seien rund 850 Menschen gewesen. Die italienische Küstenwache hat bisher 24 Leichen geborgen, die in Malta bestattet werden sollten. 28 Menschen überlebten.

Die beiden Festgenommenen sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa 27 und 25 Jahre alt. Sie waren unter den 27 Überlebenden, die mit dem Schiff „Gregoretti“ der italienischen Küstenwache am späten Montagabend im Hafen von Catania eintrafen. Dort empfing sie Verkehrsminister Graziano Delrio. Ein verletzter Überlebender aus Bangladesch war schon vorher nach Sizilien gebracht worden.

Wie viele Menschen bei dem wohl schlimmsten Flüchtlingsunglück auf dem Mittelmeer gestorben sind, wird wohl nie endgültig feststehen, da die Suche nach Vermissten bisher ergebnislos blieb und das Boot gesunken ist. Nach Aussagen von Überlebenden waren viele Menschen vermutlich im Laderaum eingesperrt.

Seite 1:

Kapitän des Flüchtlingsschiffs soll vor Gericht

Seite 2:

Jeden Tag müssen Hunderte Menschen gerettet werden

Kommentare zu " Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer: Kapitän des Flüchtlingsschiffs soll vor Gericht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%