Flüchtlingskrise: 20 Millionen Euro zur Sicherung des Eurotunnels

Flüchtlingskrise
20 Millionen Euro zur Sicherung des Eurotunnels

Im französischen Calais harren tausende Flüchtlinge aus Krisenstaaten aus. Ihr Ziel: Durch den Eurotunnel nach Großbritannien. Nun zahlt London Paris zusätzliche Millionen – damit die Flüchtlinge nicht rüber kommen.

In der Flüchtlingskrise in Calais wird Großbritannien Frankreich nach Angaben der Regierung in Paris weitere 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Geld sei für weitere Sicherheitsmaßnahmen am Hafen von Calais und am Eurotunnel, für den Kampf gegen Schleuserbanden und für Aufnahmezentren für Flüchtlinge in Frankreich bestimmt, sagte der französische Europastaatssekretär Harlem Désir am Donnerstag dem Radiosender RFI.

Bislang liege der britische Beitrag bei mehr als 60 Millionen Euro, sagte Désir vor französisch-britischen Regierungskonsultationen in der nordfranzösischen Stadt Amiens. „Es wird rund 20 Millionen zusätzlich geben.“

In der nordfranzösischen Hafenstadt Calais harren tausende Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Sudan aus. Die meisten von ihnen wollen nicht in Frankreich Asyl stellen, sondern mit Fähren oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien gelangen, wo sich sich mehr Chancen auf ein besseres Leben ausrechnen.

In Abkommen mit Großbritannien hat Frankreich sich verpflichtet, die Flüchtlinge von einer Überfahrt über den Ärmelkanal abzuhalten. Im Gegenzug beteiligt sich Großbritannien an den dafür anfallenden Kosten. Bereits im Sommer hatte London die Finanzmittel für Paris erhöht, nachdem immer wieder hunderte Flüchtlingen versucht hatten, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Frankreich hat Großbritannien für den Fall eines EU-Austritts vor einem Flüchtlingsstrom über den Ärmelkanal gewarnt. „An dem Tag, an dem sich diese Beziehung löst, werden Flüchtlinge nicht mehr in Calais sein“, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron der „Financial Times“ mit Blick auf die Flüchtlingslager auf französischem Boden. Bei einem sogenannten Brexit würden die Abkommen mit Großbritannien aufgelöst, nach denen die Flüchtlinge in Frankreich gehalten werden. Dann würde die gesamte Energie der Staaten darauf gerichtet sein, die bestehenden Verbindungen und Abkommen abzuwickeln, nicht aber neue zu schaffen. Macron betonte, umgekehrt seien Banken-Mitarbeiter aus der Londoner City nach einem Brexit in Frankreich willkommen. Der Finanzplatz London gilt als Profiteur der EU-Mitgliedschaft.

Großbritannien entscheidet in einer Volksabstimmung im Juni über den Verbleib in der EU. Premierminister David Cameron hatte zuletzt ein EU-Reformpaket mit den anderen Mitgliedsstaaten ausgehandelt, das seinem Land mehr Freiheit etwa bei Sozialleistungen für andere EU-Bürger gibt. Auf Basis dieser Reformen wirbt er nun für eine weitere EU-Mitgliedschaft seines Landes. Er hat aber auch in der eigenen Partei Widersacher, die sich für einen Austritt starkmachen.

Frankreichs Staatschef François Hollande trifft am Donnerstag in Amiens den britischen Premier David Cameron. Die Flüchtlingskrise in Calais dürfte dabei eines der zentralen Gesprächsthemen sein.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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