Flüchtlingskrise am Tunnel
Uno kritisiert Frankreich und Großbritannien

Wegen der Situation der Flüchtlinge am Kanaltunnel rüffeln die Vereinten Nationen Paris und London. Deutsche Fuhrunternehmen sehen ihr Geschäft bedroht. Großbritannien hat schon einen Notfallplan entworfen.
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CalaisDas Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat Paris und London für die Flüchtlingskrise am Kanaltunnel mitverantwortlich gemacht. Frankreich und Großbritannien hätten größere Aufnahmekapazitäten abgelehnt, ohne andere Lösungen vorzuschlagen, sagte UNHCR-Europadirektor Vincent Cochetel am Freitag in Genf. Mit lediglich 3000 Migranten sei die Situation in Calais lösbar.

Stärkere Sicherheitsmaßnahmen hält das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen für ungeeignet zur Bewältigung der Krise. „Zäune lösen das Problem nicht“, sagte Cochetel. „Sie fordern die Menschen nur heraus, größere Risiken auf sich zu nehmen.“ Tunnelbetreiber Eurotunnel hatte zuvor berichtet, die Zahl der Versuche von Flüchtlingen, auf das Gelände zu kommen, sei unter Kontrolle gebracht worden. Eurotunnel begründete das unter anderem mit neuen Zäunen.

In Calais campieren Tausende Flüchtlinge in der Hoffnung, illegal nach Großbritannien zu kommen. Sie erwarten sich dort einfachere Bedingungen bei Arbeitssuche oder Asylantrag. Deutsche Fuhrunternehmen sehen ihr Geschäft bedroht.

„Die Fahrer sind völlig genervt, haben Angst und wollen nicht mehr nach England fahren“, sagte Horst Kottmeyer vom Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung dem „Focus“. Nach Angaben des Deutschen Speditions- und Logistikverbands haben einige Fuhrunternehmen ihre Transporte eingestellt. „In der Wartezone herrschen unhaltbare Zustände“, sagte ein Sprecher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch Branchenverbände in Frankreich und Großbritannien hatten in den vergangenen Wochen die Lage in Calais kritisiert und Unterstützung gefordert.

Großbritanniens Regierung erwägt nach einem Zeitungsbericht, den Tunnel notfalls nachts zu schließen, sollte sich die Flüchtlingskrise in Calais wieder verschärfen. Weder Last- noch Passagierzüge dürften dann nachts den Tunnel passieren, berichtete der britische „Telegraph“ unter Berufung auf Regierungskreise. Ein britischer Regierungssprecher sagte, man ziehe weiterhin „alle möglichen Handlungsoptionen“ in Erwägung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Gerade wegen der Gefahr der Überfremdung wollten die Briten seinerzeit den Tunnel nicht.
    Nun haben die Skeptiker von damals Recht bekommen - und man erwägt, den Tunnel wirksam zu schließen. Schiffe lassen sich auch besser kontrollieren, wie auch Flugzeuge, sogar, wenn´s die eigenen sein sollten.

    Immerhin scheint sich Frankreich besonnen zu haben, den Befürchtungen seiner Bevölkerung Rechnung zu tragen - wie schon lange es die englische Regierung macht.

    Es bleibt abzuwarten, wann es der deutschen Regierung endlich einfallen wird, die Interessen seiner Bevölkerung, ihrer Arbeitgeber nämlich, wahr zu nehmen.

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