Flüchtlingskrise
Berlin und Ankara wollen stärker kooperieren

Eine deutsch-türkische Arbeitsgruppe soll die Kooperation der beiden Länder voranbringen. Unterdessen könnte auf Deutschland ein neuer Flüchtlingsstrom zukommen. Auch Sonderzüge aus Salzburg sollen weiterhin fahren.

New York/BerlinDeutschland und die Türkei wollen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise enger zusammenarbeiten. Das vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu bei einem Treffen in New York. Die Flüchtlingsbewegung Richtung Europa hielt an: Im Mittelmeer wurden mit Beteiligung der deutschen Marine rund 500 Flüchtlinge gerettet, 17 ertranken am Sonntag vor der türkischen Küste, nach Kroatien gelangten binnen zehn Tagen 65.000.

Eine deutsch-türkische Arbeitsgruppe werde die Kooperation in den nächsten Wochen „in konkreter Weise“ voranbringen, teilte ein Sprecher der Bundesregierung mit. Auch Griechenland könnte in die Bemühungen eingebunden werden. Merkel traf sich mit Davutoglu am Rande des Uno-Nachhaltigkeitsgipfels.

In ihrer ersten Rede vor den Vereinten Nationen seit 2010 hatte die Kanzlerin zur Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Vertreibung aufgerufen. Die Türkei hat rund zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen, die Syrien wegen des Bürgerkriegs verließen. Sie ist ein bedeutendes Transitland für Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Europäische Union.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Vor der türkischen Küste kamen 17 syrische Flüchtlinge ums Leben, als ihr Holzboot sank und sie nicht rechtzeitig aus der Kabine entkamen. 20 weitere Flüchtlinge gelangten nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan mit Rettungswesten an die Küste. Das Boot hatte in der türkischen Küstenstadt Bodrum abgelegt und sollte zur griechischen Insel Leros gelangen.

In einer Bilanz der Rettungseinsätze im Mittelmeer vom Sonntag teilte die italienische Küstenwache mit, innerhalb von 24 Stunden seien 500 Menschen in Sicherheit gebracht worden. An den Einsätzen war auch das deutsche Versorgungsschiff "Werra" beteiligt, das am Samstag vor der libyschen Küste 140 Flüchtlinge an Bord nahm. Darunter waren 42 Frauen und zwei Kinder, wie ein AFP-Fotograf berichtete. An dem Einsatz war auch ein Schiff der Organisation Ärzte ohne Grenzen beteiligt. Die Flüchtlinge kamen vor allem aus Nigeria, Ghana, Senegal und Sierra Leone.

Auf Deutschland könne auch ein neuer Andrang von Flüchtlingen aus Afghanistan zukommen, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Als ein Grund wurde die Ausgabe elektronisch lesbarer Pässe durch die Regierung in Kabul genannt, mit denen eine Ausreise in den Iran möglich ist. Zudem hätten Schleuser in Afghanistan das Gerücht gestreut, Deutschland werde über die Zahl 800.000 hinaus keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen; die Folge seine eine massenhafte plötzliche Ausreise.

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