Flüchtlingskrise
Bootsunglücke fordern mehr als 100 Menschenleben

Erneut geraten Flüchtlinge im Mittelmeer in Seenot: Vor der griechischen Insel Kreta kentert ein überfülltes Flüchtlingsboot mit 700 Migranten. Auch vor der libyschen Küste gibt es ein Schiffsunglück – mit vielen Toten.

AthenVor der griechischen Insel Kreta ist ein Flüchtlingsboot in Seenot geraten. Mehrere hundert Menschen hätten am Freitagmorgen bisher gerettet werden können, teilte die griechische Küstenwache mit. Es wird vermutet, dass es viele Toten geben wird. Auf dem Flüchtlingsboot waren offenbar mindestens 700 Menschen. Das Schiff wurde am Freitag etwa 75 Seemeilen südlich von Kreta in internationalen Gewässern geortet.

Vier Schiffe, die sich in der Nähe befanden, halfen bei der Rettungsaktion. Zudem waren den Angaben zufolge zwei Boote der griechischen Küstenwache und zwei Helikopter auf dem Weg zum Unglücksort. Weitere Angaben gab es zunächst nicht.

Bei einem weitern Schiffsunglück im Mittelmeer sind mehr als 100 Flüchtlinge ums Leben gekommen. 104 Leichen seien vor der libyschen Küste nahe der Stadt Swara geborgen worden, sagte ein Sprecher der libyschen Marine am Freitag. Das leere Schiff sei am Donnerstag gefunden worden und könnte möglicherweise bereits am Mittwoch gesunken sein.

Vor Kreta gehen Offiziere der Küstenwache gingen davon aus, dass das Flüchtlingsboot aus Ägypten unterwegs nach Italien war. Die kurze, aber gefährliche Überfahrt von der türkischen Küste Richtung griechischer Inseln in der Ostägäis war die bisher bevorzugte Route für Flüchtlinge und Migranten, um weiter nach Westeuropa zu gelangen. Seit Schließung der Balkanroute im März versuchen Menschen nun wieder verstärkt, von der nordafrikanischen Küste Richtung Europa überzusetzen.

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr hunderte Menschen ums Leben.

Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute versuchten zuletzt aber weniger Flüchtlinge, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen.

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmaßliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten. Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei in See gestochen.

Die Küstenwache äußerte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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