Flüchtlingskrise, die nächste
Afghanistan wird das neue Syrien

„Bad Kundus“ gibt es schon lange nicht mehr. Die Bundeswehr hat die afghanische Stadt längst verlassen – jetzt rücken die Terrororganisation IS und die Taliban vor. Nun droht die nächste Flüchtlingswelle.
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Tel AvivIn Afghanistan droht eine Wiederholung des irakischen und syrischen Dramas. Die Armee ist selbst mit Hilfe von Außen zu schwach, um die Islamisten zurückzudrängen. Mit der Ausdünnung westlicher Hilfe entsteht ein Vakuum, in das Islamisten vorstoßen. Der Erfolg der Taliban in der strategisch wichtigen Stadt Kundus ist ein Warnzeichen dafür, dass Afghanistan für den Kampf gegen den Taliban zu schwach ist.

Gleichzeitig wird in Kabul registriert, dass auch Ableger des Islamischen Staates auf der afghanischen Kampfbühne an Stärke zulegen. Bereits soll er laut einem Bericht der Uno in 25 der 34 Provinzen Afghanistans aktiv sein; zudem würden mehrere Dutzend IS-Berater Dschihadisten unterstützen, die sich von den Taliban getrennt haben.

Die Konsequenzen für die Bürger sind verheerend: Es droht ein Drei-Fronten-Krieg. 80 Prozent des Landes werden von afghanischen Regierungskreisen derzeit als unsicher bezeichnet. Immer mehr Afghanen schließen sich dem Flüchtlingsstrom an. Derzeit sollen pro Monat 100.000 Afghanen ihre Heimat verlassen. In diesem Jahr seien bisher rund 70.000 Afghanen in Europa angekommen, sagte der Chef der Afghanistan-Mission der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Richard Danziger, der „Welt am Sonntag“.

Kundus ist zwar der bisher spektakulärste Erfolg des Taliban in Afghanistan. Doch das Vorrücken der Islamisten kann seit Monaten beobachtet werden. Die Taliban und andere Dschihadisten-Gruppen haben den Sommer hindurch teils mit spektakulären Angriffe auf größere Bevölkerungszentren und US-Stützpunkte gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist.

Der jüngste Erfolg des Taliban verschiebt nicht nur das militärische, sondern auch das politische Gleichgewicht. Für Präsident Ashraf Ghani, der seit genau einem Jahr im Amt ist, ist das Vorrücken des Taliban ein empfindlicher Rückschlag. Sein kürzlich gewählter Widersacher, Taliban-Anführer Mullah Achtar Mansour, kann den Erfolg hingegen zur Festigung seiner Machtposition innerhalb des Taliban benützen. Die Ernennung Mansours, der erst im Juli zum Nachfolger von Mullah Omar ernannt worden ist, war umstritten. Omars Anhänger hatten sich für einen seiner Söhne stark gemacht.

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Kommentare zu " Flüchtlingskrise, die nächste: Afghanistan wird das neue Syrien"

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  • @ Hirsepp

    Sie haben so Recht!

    nur unsere lieben, guten Grün-Sozen wollen das nicht wahr haben.

  • Die Trennung zwischen rechts und rechtsradikal geht in Frankreich verloren

    nicht nur dort...

  • @Frau Steer

    Gabriel - geboren 59 ist für die 68er zu jung. Merkel hat davon sicherlich auch nix mitbekommen in der DDR. v.d.Leyen geboren 58 auch zu jung für die 68er.

    Aber wissen Sie was die drei und viele andere Politiker verbindet?

    Alle wuchsen bereits in Beamten-Haushalten auf. OK Merkel als Pfarrerstochter wohl nicht, aber Sorgen bezüglich eines Einkommens dürften im Elternhaus auch nie vorhanden gewesen sein. Die Kirche zahlt pünktlich wie der Staat.

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