Flüchtlingskrise erreicht Kroatien
Zu Fuß in die EU

Die Grenze zu Ungarn ist dicht, nun suchen sich Flüchtlinge einen anderen Weg in die EU: über Kroatien. Das Land fühlt sich gut vorbereitet – mit einem „Notfallplan“. Ganz anders als Tschechien.
  • 174

WienNachdem Ungarn seine Grenze zu Serbien geschlossen hat und den illegalen Grenzübertritt mit mehrjährigen Haftstrafen ahndet, suchen viele Flüchtlinge den Umweg über Kroatien nach Österreich und Deutschland. Augenzeugen in Serbien berichten, dass sich Migranten in Richtung Kroatien auf den Weg machen würden. Außerdem würden Flüchtlinge mit Bussen an die serbisch-kroatische Grenze gebracht, heißt es in Belgrad.

Einige Flüchtlinge machten sich auch individuell mit Taxen auf den Weg in die serbische Grenzstadt Sid, um dann zu Fuß in das EU-Land Kroatien zu gelangen. Nach von der Regierung nicht bestätigten Berichten sind bereits die ersten Migranten in Kroatien eingetroffen und werden dort von den Behörden registriert.

Die Regierung in Zagreb ist auf den Ansturm der Migranten nach eigenen Angaben ausreichend vorbereitet. Der kroatische Innenminister Ranko Ostojic sagte, Zagreb sei mit einem „Notfallplan im Fall des Zutritts von Tausenden von Flüchtlingen” vorbereit. Genaue Angaben, wie dieser Notfallplan aussieht, machte der 53-jährige Minister nicht. Kroatien leidet seit sieben Jahren unter einer Rezession. Im Frühjahr stehen Parlamentswahlen an.

An der Grenze zu Ungarn protestiert unterdessen eine große Gruppe von Flüchtlingen mit einem Hungerstreik gegen das aus ihrer Sicht unmenschliche Grenzregime der ungarischen Regierung unter ihren rechtspopulistischen Premier Viktor Orbán. Über die Anzahl der sich in Hungerstreik befindlichen Migranten gibt es unterschiedliche Angaben. Es sollen bis zu 2000 Flüchtlinge sein.

Tschechien lehnt trotz der Bitten aus Berlin und Wien feste Flüchtlingsquoten strikt ab. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka fürchtet, dass feste Quoten innerhalb der EU eine Sogwirkung auslösen würden. Die tschechische Bevölkerung lehnt die Aufnahme von Migranten aus Syrien oder den Irak mit sehr großer Mehrheit ab. „Wir waren in den 40 Jahren hinter dem Eisernen Vorhang nicht daran gewöhnt, mit Fremden zusammenzuleben“, sagte der tschechische Außenminister Lubomir Zaorálek zur Begründung.

In der tschechischen Bevölkerung gibt es nach Medienberichten sogar eine Hysterie gegen Flüchtlinge. Die Polizei in dem EU-Land berichtet über panische Anrufe von Bürgern. Bislang gibt es in Tschechien so gut wie keine Flüchtlinge. Von Sonntag bis Dienstagabend waren es nicht einmal 100 Migranten, welche die Grenze von Österreich in die Tschechische Republik überschritten hatten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Flüchtlingskrise erreicht Kroatien: Zu Fuß in die EU"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Und niemand kann Merkel vorschreiben wie viel Leute - ein allg. Begriff - sie aufnehmen darf und was das für uns kostet..

    Nach oben alles offen.

  • in Syrien ist Krieg nicht Bürgerkrieg
    die USA, Saudi-Arabien und Israel werfen dort Bomben ab.

  • warum sollte Kroatien die registrieren?

    1. ist Kroatien kein EU-Land
    2. kommen aus Kroatien immer noch kroatische Migranten zu uns. Die sind sicherlich nicht registriert im eigenen Land.

    wo leben Sie?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%