Flüchtlingskrise
Menschenschmuggel – Einträglicher als Drogenhandel

Jede Woche schnappt die deutsche Polizei Dutzende Schleuser auf den Autobahnen. Doch an die Hintermänner kommen die Behörden nur schwer heran. Denn das Flüchtlingsdrama ist ein Milliardengeschäft.
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PassauEs ist eine barocke Bilderbuchstadt an der Grenze zu Österreich. Rund 5000 Amerikaner, Engländer oder Japaner besuchen täglich das historische Passau um sich an seinen dicken Gemäuern, reich verzierter Kirchen und der idyllischen Flusslandschaft zu erfreuen. Von einem ähnlich großen Strom von Besuchern aus ganz anderen Ländern bekommen die meisten von ihnen nichts mit: Tausende erschöpfte Menschen aus Syrien, Kosovo oder Afghanistan landen derzeit Tag für Tag am Zusammenfluss von Donau und Inn.

Hunderte Polizisten nehmen diese Ankömmlinge im hinteren Teil des Bahnhofs in Empfang, oder greifen sie an Brücken und auf der Autobahn auf, erfassen ihre Daten und stecken sie in Busse. Es sind Flüchtlinge. Sie haben oft mehr für ihre Reise bezahlt, als die Gäste der eleganten Kreuzfahrtschiffe am Kai der Donau.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Die Menschen aus Vorderasien oder Afrika haben sich internationalen Banden anvertraut, nur um nach Deutschland zu kommen. Im Internet, an Basaren und Häfen wurden sie gelockt. Für die Bosse der Schlepperbanden ist es ein Milliardengeschäft mit Zentren in Istanbul, Rom, Budapest oder Tripolis. Für ihre Kunden ist es die teuerste und gefährlichste Reise ihres Lebens. Ein Trip voller Strapazen, Ausgang ungewiss.

Ankunft eines neuen Zugs voller Flüchtlinge aus Salzburg: Der Syrier Ahmad Harba aus der Nähe von Aleppo hat 3.500 Dollar für seine Reise bezahlt. Waqar Ahmad, ebenfalls aus Syrien, hat seinen Schleusern vorab 5.000 Dollar gegeben. Dazu kamen noch einmal 1.000 Euro für das Boot von der Türkei nach Griechenland. Es war ein Ruderboot. Er musste die gefährliche Strecke selber rudern, zweieinhalb Stunden lang.

Übersetzer Mohamed Daod aus dem Irak wiederum hat seriös auftretenden Werbern 13.000 Dollar gegeben, für den Flug von der Türkei nach Europa und ein Visum. „Es gab weder Flug noch Visum“, sagt er. Er und viele andere mussten drei Tage und drei Nächte marschieren, durch steiles Gebirge, ohne jede Betreuung. Die Syrerin Aysha Aliga musste für sich Mann und Tochter 3000 Dollar für eine Mittelmeer-Fahrt in Motorboot bezahlen. Es war sieben Meter lang, 38 Erwachsene und 18 Kinder waren darin.

Jeder hier hat eine solche Geschichte. Alle haben sie ihr letztes Geld zusammengekratzt. „Mit dem Menschenschmuggel wird rund um Europa heute mehr verdient als im Drogengeschäft“, sagt Ermittler und Polizeisprecher Stephan Wittenzellner von der Bundespolizei in München.

Kommentare zu " Flüchtlingskrise: Menschenschmuggel – Einträglicher als Drogenhandel"

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  • @Mike möller
    Was hat denn die Aufforderung beim Thema zu bleiben mit Zensur zu tun?
    Was hat denn ihr Pech in einem sozialistischen System aufgewachsen zu sein mit den Schleppern im Betricht zu tun?
    Wer sagt andere Meinung = Knast?
    Wer hat irgend etwas über die EZB Eröffnung geschrieben außer Sie selbst?
    Antidemokratisch ist noch lange nicht dann, nur wenn Verwirrte sich nicht durchsetzen können!

    Ich bitte darüber nachzudenken und idealerweise zu den richtigen Ergebnissen zu kommen.

  • Wenn die Nachbarländer ihre Glaubensbrüder im Bürgerkrieg krepieren lassen, dann muss es doch einen Grund geben. Der Islam ist doch die Religion des Friedens.
    Warum muss dann ein ungläubiges Land helfen??? Und warum sind die guten gläubigen Moslems nicht mit dem Spatz in der Hand zufrieden und bleiben in der Türkei?

  • öhm - was hat Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?

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