Flüchtlingskrise
Schweden setzt einen Notruf ab

Kein EU-Land nimmt relativ gesehen so viele Asylbewerber auf wie Schweden. Doch nun sieht das Land die Grenzen des Machbaren erreicht. Stockholm will von der EU-weiten Absprache profitieren – und Flüchtlinge weiterverteilen.

BrüsselAuch Schweden verlangt nun von anderen EU-Staaten die Aufnahme bereits eingereister Flüchtlinge. Nachdem bereits Griechenland und Italien durch die europaweite Verteilung entlastet werden, hat nun auch Schweden in Brüssel einen entsprechenden Antrag gestellt. Das bestätigte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Schweden sei das erste Land, das dies – neben den beiden Mittelmeerstaaten – getan habe. „Die schwedische Regierung hat die EU-Kommission über ihrem Wunsch informiert, bei der Verteilung berücksichtigt zu werden“, teilte die EU-Behörde mit. Der Antrag sei am Donnerstag eingegangen und werde geprüft.

Ende September hatten sich die EU-Länder gegen den Widerstand von vier mittel- und osteuropäischen Staaten auf die Verteilung von insgesamt 160.000 Migranten innerhalb von zwei Jahren geeinigt. Dabei geht es um Flüchtlinge, die vor allem in Griechenland und Italien angekommen sind. Da Ungarn, das ebenfalls entlastet werden sollte, dies ablehnte, ist noch ein Kontingent von 54.000 Personen frei. Davon können andere überlastete Länder – wie Schweden oder etwa auch Deutschland – profitieren. „Ob wir das tun, ist eine andere Frage“, hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach dem EU-Beschluss gesagt.

In der Praxis läuft die Umverteilung aber nur sehr schleppend an. Nach neuen Zahlen der EU-Kommission wurden bislang lediglich 136 von geplanten 160.000 Migranten umverteilt. Schweden übernahm davon 38 aus Italien. Schweden nimmt relativ gesehen von allen EU-Ländern die meisten Asylbewerber auf und hat zunehmend Schwierigkeiten bei der Integration. EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte jüngst bei seinem Besuch das Land gelobt: „Schweden sticht heraus in Europa. Dass bis zu 190.000 Asylbewerber in ein Land mit 10 Millionen Einwohner kommen können, ist ein Beweis für die Großzügigkeit und Solidarität, die in Schweden und seiner Bevölkerung vorherrschen.“ Tusk versprach, sich für eine Entlastung Schwedens einzusetzen.

Der schwedische Migrationsminister Morgan Johansson hatte vor einigen Tagen erklärt, Schweden könne Flüchtlingen keine Unterkunft mehr garantieren. Neuankömmlinge müssten nach Dänemark oder Deutschland zurückkehren oder sich selbst eine Unterkunft suchen. „Wir haben die Grenze des Machbaren erreicht“, sagte der Minister.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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