Flüchtlingskrise
So elend wie Idomeni

Das Elendslager Idomeni an der griechisch-mazendonischen Grenze wird Dienstag geräumt. Doch auch in anderen Flüchtlingslagern hausen Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Wie in Horgos, zwischen Serbien und Ungarn.

HorgosIn einem Zeltlager an der serbisch-ungarischen Grenze warten Dutzende Flüchtlinge auf eine Chance, trotz der jüngsten Grenzschließungen in die Europäische Union zu gelangen. Die Migranten, darunter kleine Kinder, harren in den Zelten auf einem müllübersäten Feld am ungarischen Grenzzaun bei Horgos aus und trotzten in dieser Woche Regen und kalten Nächten. „Alles, was die Menschen wollen, ist, diese Grenze zu überqueren“, sagt der 17-jährige Mohammed Idris aus Afghanistan.

Laut Mitarbeitern von Hilfsorganisationen lassen die ungarischen Behörden täglich kleine Gruppen bis etwa 20 Personen ins Land, überwiegend Familien mit kleinen Kindern. Doch es kommen jeden Tag einige Dutzend Menschen neu hinzu, und es wird erwartet, dass ihre Zahl bei besserem Wetter noch zunimmt. Daher wächst die Sorge über die humanitäre Lage in dem provisorischen Camp.

Die Verhältnisse dort sind denkbar schlecht: Es gibt weder Toiletten noch Duschen. Nahrungsmittel, Getränke und saubere Kleidung erhalten die Flüchtlinge nur von Hilfsorganisationen. Manche Frauen waschen Kleider am einzigen Wasserhahn des Lagers, andere entfachen Feuer, um sich zu wärmen. Als ein Lieferwagen mit Decken, Schuhen und Socken ankommt, stehen die Flüchtlinge Schlange. Einige Kinder tragen im Nieselregen Schuhe ohne Socken. In den Zelten essen die Menschen Mahlzeiten aus Plastikpackungen, die die Helfer verteilt haben.

„Die Situation ist ziemlich unmenschlich. Sie haben keine Sanitäreinrichtungen, sie nutzen den Wald als Toilette“, sagt Zsolt Balla vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR. „Da es bald Sommer wird, führt das leicht zu Infektionen.“

Die meisten Menschen in diesem Lager und einem weiteren, kleineren an der serbisch-ungarischen Grenze seien nach der Schließung der sogenannten Balkanroute Anfang März in der Region eingetroffen, sagt Balla. Er bezeichnet den Übergang nach Ungarn als „den legalen Weg in die EU“, doch zugleich sei diese Route sehr problematisch. „Die Zahlen ändern sich täglich“, erklärt Balla. Das UNHCR setze sich dafür ein, Familien und besonders Schutzbedürftigen Vorrang zu gewähren. „Viele allein reisende Männer warten länger als Familien.“

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