Flüchtlingskrise
Verfolgt, vertrieben, geflüchtet

Die globale Flüchtlingskrise verschärft sich: Mehr als 63 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Das ist ein historischer Höchststand. Die Uno appelliert an die Politik, die Ursachen zu bekämpfen.
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GenfDie globale Flüchtlingskrise hat sich noch einmal verschärft. Rund 65,3 Millionen Menschen befanden sich Ende 2015 auf der Flucht vor Unterdrückung, Gewalt und Krieg. Niemals zuvor haben die Vereinten Nationen eine höhere Zahl an Menschen erfasst, die ihrer Heimat den Rücken kehren mussten. Anlässlich des Weltflüchtlingstages am Montag den 20. Juni prangerte die Uno diesen traurigen Rekord an. „Wir sehen uns der größten Flüchtlings- und Vertriebenenkrise unserer Zeit ausgesetzt“, warnte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in dem neuen Bericht des Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Bezogen auf die Weltbevölkerung befand sich Ende 2015 ein Mensch von 113 Menschen auf der Flucht.
Der Grund für die dramatische Entwicklung: Die vielen Konflikte wie in Syrien, die ganze Regionen erschüttern, zwingen immer mehr Männer, Frauen und Kinder dazu, Sicherheit fernab ihrer Wohnorte zu suchen.
Angesichts des ausufernden Leidens richtete der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, einen dringenden Appell an die Regierungen. Die Politiker müssen das Ausbrechen neuer Konflikte verhindern und die laufenden Waffengänge beenden. Es liege im „kollektiven menschlichen Interesse“ die Fluchtursachen entschlossen zu bekämpfen.

Doch ob der Appell seine Wirkung erzielt, ist fraglich. Schon Grandis Vorgänger als Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, rief die Mächtigen ohne Unterlass dazu auf, die Waffen zum Schweigen zu bringen – ohne Erfolg.
Die Zahl der Menschen auf der Flucht zeigt seit Jahren einen nur einen Trend: Nach oben. Im Jahr 2011 zählten die Vereinten Nationen weltweit noch 42,5 Millionen geflohene Menschen. Ende 2014 befanden sich schon 59,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht.
Vor allem der 2011 begonnene Konflikt in Syrien prägt die Statistik des Leidens. Insgesamt verließen bis Ende 2015 laut UNHCR-Schätzungen 11,7 Millionen Syrer ihre Heimatorte, um Gewalt und Terror zu entkommen. Sie schafften es über die Grenze Syriens oder sie irren als Binnenflüchtlinge in ihrem zerrissenen Land umher.

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Trauriger Rekord in Kolumbien

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  • Wie auch immer, wir müssen die Afrikaner und diese Regierung loswerden.

  • Die Hauptursache für die rasante Zunahme des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer ist die Ausweitung der Rettungsmaßnahmen durch alle möglichen selbsternannten und auch offiziellen Flüchtlingsrettergemeinschaften. Mit deren Hilfe können die Schlepperorganisationen auch noch Werbung für eine ungefährliche Überfahrt ins gelobte Schlaraffenland publizieren und vermarkten.
    Die Politik müsste als Allererstes eigene Hilfstransporte einstellen und zusätzlich die Aktionen privater Gutmenschenvereine als kriminelle Schleppertätigkeit verbieten und polizeilich verfolgen.

  • Wie man beim BAMF nachlesen kann, ist die Flucht vor Gewalt (einschließlich Krieg und Bürgerkrieg) eben kein Grund als Flüchtling anerkannt zu werden. Komisch, aber ist so! Unterdrückung ist dann so eine Frage... was ist Unterdrückung? Im syrischen Bürgerkrieg ist es die Dominanz einiger weniger (Stämme) gegenüber den anderen. Man könnte es aber auch so formulieren: die anderen Stämme wollen sich nicht integrieren. Was erwarten wir jetzt gleich nochmal von den syrischen Flüchtlingen? (die sich nicht anderen Arabern unterordnen wollten...)

    Äh noch was: Fluchtursachen bekämpfen?! Ist diese UN in ihrem aktuellen Zustand auch schon ein Fluchtgrund? Nur zur Erinnerung: nach WK II wurde festgelegt, dass es international keinen Völkermord mehr geben dürfe und die Gemeinschaft dagegen vorgehen müsse. Darum wird immer, wenn kein Interesse oder schlicht keine Truppen da sind... das Thema eben anders benannt (darum kann man schon etwas verstehen, wenn Herr Erdogan sich gerade aufregt...).

    Wenn dann noch Frau Käsmann mitmischt, dann betet man für diejenigen, die vom Mord betroffen sind und wünscht ihnen viel Glück. Sollte es jemand bis vor die eigene Haustür schaffen, dann macht man einen Hype... und ist Teil einer Vertreibungs-Maschinerie... aber Hauptsache wir sind die Guten! :-)

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