Flüchtlingslager in Calais
Die Räumung des „Dschungels“ hat begonnen

Die Räumung des Flüchtlingslagers in Calais ist am Montagmorgen angelaufen. Kurz zuvor kam es im sogenannten „Dschungel“ wieder zu Krawallen. Die Polizei feuerte mit Tränengas auf die Migranten.
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CalaisIm nordfranzösischen Calais ist die Registrierung der Migranten aus dem wilden Flüchtlingscamp angelaufen. „Das ist ein wichtiger Tag. Der Staat macht eine beträchtliche Anstrengung“, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums Pierre-Henri Brandet. Vor dem Registrierzentrum in der Nähe des „Dschungel“ genannten Camps warteten mehrere hundert Menschen.

Sie sollen dort befragt werden, bevor sie auf ganz Frankreich verteilt werden. Ein Asylverfahren findet dort noch nicht statt. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Großraum Paris und Korsika.

In der Nacht war es dem Sprecher zufolge zu einigen Zusammenstößen gekommen. Polizisten feuerten Tränengasgranaten an einer Umgehungsstraße des Hafens und im Lager ab, wo sie dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber standen. Eine der Tränengasgranaten landete in einem Müllcontainer, der dadurch in Brand geriet.

Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte es Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und Polizisten gegeben. Schon seit Monaten gibt es rund um das Flüchtlingslager Auseinandersetzungen, etwa wenn Flüchtlinge im Hafen von Calais versuchen, Lastwagen zu stoppen, um als blinde Passagiere Großbritannien zu gelangen.

Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte Brandet. „Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.“ Seit langem arbeiteten die Behörden mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen. Es sei nicht geplant, die Zelt- und Hüttensiedlung, in der zuletzt etwa 6500 Menschen illegal lebten, noch am Montag einzureißen.

Behörden: 7500 Aufnahmeplätze stehen zur Verfügung

Von Behördenseite wurde zuvot eingeräumt, dass die Auflösung der Hütten- und Zeltstadt vor den Toren von Calais risikoreich ist. „Es wird am Montag sehr viele Menschen geben. Die Flüchtlinge denken, dass es nicht genug Platz gibt“, sagte die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio. Der Eindruck sei jedoch nicht richtig, denn 7500 Aufnahmeplätze stünden zur Verfügung.

Buccio sagte, die Flüchtlinge seien rechtzeitig informiert worden. Sie setzt darauf, dass sich die Menschen freiwillig in einer neu eingerichteten Halle bei der Einwanderungsbehörde melden. Sie könnten dann zwischen zwei Regionen in Frankreich wählen. „Wir werden diese Menschen aufnehmen“, sagte sie. Sie berichtete aber auch von beunruhigten Flüchtlingen: Diese hätten Unbekannte im Lager gesehen, die versucht hätten, Bewohner zu „beeinflussen“. Die Bewohner hätten um Schutz gebeten.

Die französischen Behörden wollten das Lager schon seit geraumer Zeit auflösen. Hilfsorganisationen versuchten dies mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am Dienstag grünes Licht für die Räumung. Betroffen sind Schätzungen zufolge 6000 bis 8000 Bewohner. Fast 200 minderjährige Flüchtlinge wurden vor der Räumung nach Großbritannien gebracht.

Christian Salomé, Chef der Hilfsorganisation „Auberge des migrants“, sagte, etwa 2000 Flüchtlinge wollten nicht den von der französischen Regierung vorgesehenen Weg gehen. „Einige werden sich in der Umgebung von Calais verstecken. Es droht dort eine Verfolgungsjagd“, sagte Salomé der Zeitung „Journal de Dimanche“.

Er sei zwar für die Schließung des „Dschungels“, doch für Neuankommende müsse es weiter eine Aufnahmeeinrichtung in der Hafenstadt am Ärmelkanal geben, forderte Salomé in der Zeitung „Nord Littoral“.

Die britische Ärztin Lynne Jones sagte der Deutschen Presse-Agentur, erst in der Nacht sei eine fünfköpfige Familie aus Syrien angekommen. Auf die Frage, ob sie die Auflösung begrüße, sagte sie: „Ich bin für eine gute Lösung für die Migranten.“ Dazu müsse unter anderem Großbritannien mehr tun.

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„Sie müssen uns zwingen zu gehen“

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  • HIer sieht man wer die wahren Spalter in Europa sind. Es sind die Radikalen vom Kommunistischen,Sozialistischen Flügel. Die Antifa und andere Radikalen Gruppierungen des Linken Flügel die mit den illegalen Einwanderern zu Gewalt, Drohungen aufrufen und die auch nicht vor Mord und Vergewaltigungen halt machen.

    In Deutschland ist es die Antifa die mit den illegalen Einwanderer gegen Recht und Ordnung verstoßen und somit Feinde des Deutschen Volkes und somit ganz Europa sind. Freiheit, Toleranz, Recht und Ordnung sind für die Internationale Linke (Antifa usw.) nichts wert. Die wollen nur eines Chaos, Gewalt und Krieg.

  • Faszinierend ist dass man diese illegale Siedlung besiedelt von illegalen Einwanderern solange geduldet hat. Man stelle sich vor ich würde einfach ein Haus dahin stellen wo ich Lust habe.

    Ich nehme an der Grund liegt in linken Lobbies die ähnlich destruktiv agieren wie ihre Deutschen Pendants.

  • auf der zum Thema gehörenden Bilderstrecke das Übliche:

    zu sehen sind ausnahmslos junge Männer.

    Wo sind die schutzbedürftigen Frauen und Kinder, über die im Zusammenhang mit der "Flüchtlingskrise" immer herzergreifend berichtet wird?

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