Flüchtlingspolitik
Cameron baut an der Festung Großbritannien

Einst war Großbritannien ein sicherer Hafen für Verfolgte aus aller Welt. Jetzt kämpft das Land gegen den neuen Flüchtlingsstrom. Statt über Integration wird darüber gesprochen, wie sich ihre Einreise verhindern lässt.
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LondonDer britische Premier wählt harte Worte: „Großbritannien wird kein sicherer Zufluchtshafen für Flüchtlinge“, sagte David Cameron. Es ist ein Versprechen an die Briten, und eine Warnung an die Migranten, die in Calais zu Hunderten versuchten und versuchen, die Frachtanlagen des Kanaltunnels zu stürmen oder in den Tunnel zu gelangen. Heute kommt das Nationale Sicherheitskabinett zusammen.

Als Cameron dann noch von „Schwärmen von Menschen“ sprach, die auf der Suche nach einem besseren leben über das Mittelmeer nach Europa kamen, trat er eine nationale Debatte los. Flüchtlingsverbände und Labour-Politiker kritisierten seine „unverantwortliche, entmenschlichende Sprache“. Sogar Ukip-Chef Nigel Farage distanzierte sich – allerdings, weil er seinem Premier nicht glaub. „Cameron will hart klingen. Ob er es wirklich meint, ist eine ganz andere Frage.“

Aber wie immer die Rhetorik, bei den Briten konzentriert sich die Debatte in Öffentlichkeit und Politik nicht auf die Integration und Aufnahme der Flüchtlinge, die vom Mittelmeer nach Norden strömen, sondern darauf, wie man sie an der Einreise nach Großbritannien hindern kann. In Calais warten 5000 Flüchtlinge auf eine Chance, den Sprung über den Kanal zu schaffen. In der Nacht zu Freitag versuchten erneut Hunderte die Flucht, die französische Polizei kesselte sie ein.

Es ist, als ob sich die Flüchtlingskrise Europas hier in Bildern des Elends, der Verzweiflung und einer Polizeigewalt konzentriert, die der Lage nicht mehr Herr ist. Aber hier am Kanal verläuft auch eine innereuropäische Grenze, was den Umgang mit diesem Thema angeht. Viele der Flüchtlinge haben Erlaubnisscheine für den Schengenraum, die aber in Großbritannien nicht gelten.

Großbritannien weigert sich konstant, an einem gemeinsamen europäischen Quotensystem für Flüchtlinge oder einer gemeinsamen europäischen Migrations- und Asylpolitik teilzunehmen. Von 2,2 Millionen Syrern, die 2013 aus ihrem Land geflohen sind, haben nur 1648 in Großbritannien Asyl beantragt.

„Die Antwort auf das Problem liegt in Afrika“, sagt Innenministerin Theresa May zur Migrantenkrise von Calais. Britische Politiker und Medien weigern sich, von „Flüchtlingen“ zu sprechen. Man spricht von „Migranten“ und sieht in ihnen vorwiegend Opfer von illegalen Schleppern und Menschenschmugglern. Mit ihrem französischen Amtskollegen vereinbarte May gerade ein noch bessere Zusammenarbeit im Kampf gegen die „kriminellen Banden“.

Freunde macht sich Großbritannien in der EU mit dieser Haltung nicht. Professor Iain Begg von der London School of Economics hält es in einem Bericht für einen schwedischen Think Tank sogar für möglich, dass die Briten aus der EU „hinausgeworfen“ werden und nennt als einen Grund die Wut des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi.

Kommentare zu " Flüchtlingspolitik : Cameron baut an der Festung Großbritannien"

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  • Sie spielen sicherlich auf die Zeit vor 80 Jahren an.

    Das ist ja wohl kaum vergleichbar. Wer mitgemacht hat, brauchte nichts zu befürchten. Und flüchten mussten vielleicht 1 Mio Leute in 200 andere Länder.

    Heute wollen 6 Mrd Menschen aus 200 Ländern in ca 5 Länder.
    1. Platz Schweden
    2. Platz Deutschland
    3. ....

    Und ich denke nicht, dass die 6 Mrd Menschen in deren Ländern so hart rangenommen werden wie die Leute, die einst in Deutschland verfolgt wurden.

    Durch Menschen wie Sie haben wir wieder ein 70 Jahre davor, wobei wir erst gerade ein 70 Jahre danach hatten.
    Blenden Sie einfach weiter alle Probleme aus.

    Gruß
    Dirk

  • "Da versteht man dass die Engländer sagen, irgendwann ist schluss, denn die Flüchtlinge bringen ja auch Religion und Lebensauffassung mit, die kein bisschen englisch sind und wie ich sah war nichts von Anpassung festzustellen."
    Die meisten Deutschen sagen das wahrscheinlich auf DE bezogen auch, zumindestens die Leute, die das Problem tagtäglich vor ihrer Haustür und in ihrem Leben sehen, aber man hat hier eben bisher leider nicht dementsprechend gewählt! ):

  • Die Engländer haben schon jede Menge Ausländer aufgenommen. Vor kurzem war ich in einer mittelenglischen Stadt und kam dort in ein Stadtviertel, wo ich mir wie in Indien vorkam.
    Ein kompletter Stadtteil der früher voll englisch war, ist jetzt wie ich erfuhr pakistanisch, mitten in England und aus den Restaurants die es dort hat, kam der Geruch von Curry und nicht von Fisch und Chips.
    Da versteht man dass die Engländer sagen, irgendwann ist schluss, denn die Flüchtlinge bringen ja auch Religion und Lebensauffassung mit, die kein bisschen englisch sind und wie ich sah war nichts von Anpassung festzustellen.

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