Flüchtlingspolitik
Orbán plant Grenzzaun zu Rumänien

Ungarn hat bereits einen gut gesicherten Zaun an der Grenze zu Serbien. Jetzt plant Ministerpräsident Orbán auch Absperrungen an der Grenze zu Rumänien – fürchtet er doch einen Flüchtlingsansturm über das Schwarze Meer.
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WienUngarn bereitet sich auf einen Flüchtlingsansturm über das Schwarze Meer und Rumänien nach Mitteleuropa vor. Wie der ungarische Regierungssprecher Zoltan Kovacs in Wien bestätigte, prüfe sein Land den Bau eines Zaunes zum EU-Nachbarn Rumänien. „Wir sind bereit einen Zaun an der Grenze zu Rumänien zu bauen“, sagte der Vertraute des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. „Den Bau an den wichtigsten Stellen der Grenze zu Rumänien können wir innerhalb weniger Monate durchführen.“

Der Grenzstreifen zu dem Karpatenland sei bereits von Bäumen und Büschen befreit worden und die Polizeikräfte vor Ort aufgestockt. „Wir haben die Grenze zu Rumänien gesäubert“, betonte Kovacs. Ein ungarischer Diplomat bezeichnete den Bau eines Grenzzauns unterdessen als „Tragödie“.

Ungarn hat bereits einen schwer gesicherten Zaun an der Grenze zu Serbien errichtet. Allerdings ist die Grenze zum Nachbarn im Südosten mehr als doppelt so lang wie die zum Balkanland Serbien. Die komplette Schließung der Grenze zu Rumänien würde daher mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Auslöser ist die neue Flüchtlingsroute von der Türkei über das Schwarze Meer nach Rumänien. Erst in der vergangenen Woche gab es im Schwarzen Meer eine Flüchtlingstragödie. Beim Untergang eines Bootes starben 21 Menschen. Neun Flüchtlinge werden vermisst. Nach Behördenangaben in Rumänien kamen die meisten Migranten aus dem Bürgerkriegsland Irak und wollten über Rumänien in die EU einreisen.

Die zuletzt gestiegene Zahl von Migranten in Richtung Rumänien lässt in Ungarn die Alarmglocken läuten. „Der Zaun ist eine Möglichkeit mit der Situation fertig werden“, sagte Kovacs, der seit Jahren die umstrittene Flüchtlingspolitik der nationalkonservativen Regierungspartei Fidesz verteidigt. Er erinnerte an den Bau des Zaunes zu Serbien, der die Flüchtlingsroute von Griechenland über den Balkan quasi zum Erliegen gebracht hätte.

Der Orbán-Vertraute zeigte bei seinem Auftritt in Wien keinerlei Kompromissbereitschaft in Sachen EU-Flüchtlingsplan: „Unter dem Deckmantel einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik werden wir um einen Teil der eigenen Souveränität gebracht.“ Ungarn war zusammen mit der Slowakei kürzlich mit einer Klage gegen den Flüchtlingsplan vor dem Europäischen Gerichtshof gescheitert. Während der slowakische Premier Robert Fico ankündigte, das Urteil der Luxemburger Richter zu akzeptieren, lehnt sein ungarischer Amtskollege Orbán eine Umsetzung ab. 

Die EU-Kommission hat Budapest bereits mit Sanktionen gedroht. Doch Budapest ist unnachgiebig. „Wir werden alles gegen diese Entscheidung tun, selbst wenn sie rechtlich bindend ist“, kündigte Regierungssprecher Kovacs an. Zuletzt schlug Justizminister Heiko Maas (SPD) vor, Ungarn die milliardenschweren EU-Gelder zu kürzen, wenn das Land in der Flüchtlingskrise auf Konfrontationskurs bleibt. „Wir müssen den Druck auf die Länder erhöhen, die glauben, sich über geltendes Recht hinwegsetzen zu können. Wenn Recht missachtet wird, muss das sanktioniert werden“, sagte Maas.

Mit seiner sturen Haltung isoliert sich Ungarn zusehends in Europa. Ohnehin drohen die Interessen innerhalb der Viségrad-Staaten auseinanderzudriften. Dem Quartett gehören neben Ungarn und Polen auch die Slowakei und Tschechien an. Zuletzt versuchte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron bei seiner Osteuropa-Reise die Viségrad-Gruppe zu spalten. In Warschau und Budapest wurde aufmerksam registriert, dass Macron Polen und Ungarn bei seinem Trip durch Europa links liegen ließ und sich nur mit den Staatschefs von Tschechien und der Slowakei traf.

Ende Oktober stehen in Tschechien Wahlen an. Dem liberal-populistischen Pro-Europäer Andrej Babis werden die größten Chancen auf einen Sieg eingeräumt. „Wir sehen den Versuch, die Visegrad-Staaten zu spalten“, bekannte Ungarns Regierungssprecher Kovacs offen.

Die Regierung in Ungarn reagiert bereits. Sie setzt künftig auf Kooperationen mit verschiedenen Nachbarn wie Österreich. In der Alpenrepublik wird am 15. Oktober eine neue Regierung gewählt. Demoskopen sagen dem 31-jährigen Außenminister und ÖVP-Chef Sebastian Kurz den Wahlsieg voraus. Kurz hat traditionell einen guten Draht nach Budapest. In der Flüchtlingspolitik gibt es zwischen Orbán und ihm eine Reihe von Interessensübereinstimmungen, die nach einem Machtwechsel zu einem deutlich engeren Verhältnis zwischen Wien und Budapest führen könnten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • nicht funktionieren. Und Merkel profitiert noch vom Handeln anderer, wirklicher Politiker. Da haben wir uns was zurechtgewählt. Ich wünsche diesen fehlgeleiteten Wählern Erleuchtung und gute Besserung.

  • So ein gestandener und vorausschauensfähiger Staatschef würde uns auch gut zu Gesicht stehen. Da liegen Welten zwischen Herrn Orban und unseren allesschleifenlassenden "Staatslenkern". Wenn Herr Orban nicht das Loch zugemacht hätte, würde es hier noch erbärmlicher aussehen. So kann Humanität und Mildtätigkeit nic

  • Nach dem Abgang von Frau Dr. Merkel wäre der Weg frei für einen deutschen Kanzler Marke Orban, Putin oder Trump. Mutti tschüs........

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