Flüchtlingswelle
Bahnhöfe in Budapest werden zu Flüchtlingslagern

Immer mehr Flüchtlinge strömen in Ungarn ein. Doch die Regierung ignoriert sie schlichtweg. An den Bahnhöfen in Budapest spielen sich daher skurrile Szenen ab. Neben Pendlern gehen die Flüchtlinge ihrem Alltag nach.
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BudapestIn Europas Flüchtlingskrise ist Ungarn einer der Transitstaaten auf der gefährlichen Balkanroute. Die Bahnhöfe in der Hauptstadt Budapest haben sich zum Teil in provisorische Lager verwandelt. Großfamilien aus Syrien oder Afghanistan ruhen sich auf ausgebreiteten Betttüchern von ihrer gefährlichen Reise aus, die durch das östliche EU-Land weiterführen soll bis nach Deutschland oder Schweden. Babygeschrei ist allgegenwärtig.

„Es erscheint unwirklich“, sagt Csaba Havasi, ein Budapester Pendler, als er an der östlichen Station Keleti an hunderten Flüchtlingen vorbeiläuft. Kleider hängen zum Trocknen an Treppengeländern. Die Gestrandeten rufen lautstark nach Wasser, medizinischer Hilfe. Die Organisation Migration Aid, die sich über Sozialnetzwerke organisiert, hilft wo sie kann.

Manchmal verteilen die Ehrenamtlichen Clown-Kostüme oder Kreide, damit die Kinder aufs Straßenpflaster malen können. „Verzweifelte Babys zu sehen das bricht mir das Herz“, sagt Judit Moser, eine 60-Jährige, während sie Windeln und Spielzeug ablädt. „Als Oma kann ich mir nicht vorstellen, wie verzweifelt die Eltern sein müssen, um so eine lange Reise zu unternehmen. Wir müssen ihnen helfen.“

Die Stadtverwaltung hat ein paar Duschen und Toiletten bereitgestellt und einige Bahnhofsabschnitte zu „Transitzonen“ erklärt. „Etwas Hilfe ist besser als gar keine“, sagt ein freiwilliger Helfer, der seinen Namen nicht nennen will. Allerdings reiche das Angebot der Stadt bei weitem nicht. Die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Victor Orban tue aber überhaupt nichts – außer die Flüchtlinge zu schikanieren.

Seit dem Zweiten Weltkrieg waren in Europa nicht so viele Flüchtlinge unterwegs wie in diesem Sommer. Sie kommen aus Afrika, Asien oder dem Mittleren Osten zuerst in Italien oder in Griechenland an. Von Griechenland begeben sich die meisten auf die sogenannte westliche Balkanroute: Durch Mazedonien, Serbien und Ungarn und von dort in weiter westlich gelegene EU-Länder. Alleine am Mittwoch wurden mehr als 3200 Neuankömmlinge gezählt, die es über die serbische Grenze geschafft hatten, bevor diese ab Montag mit einer Barriere und Stacheldraht dichtgemacht wird.

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Budapests Bürgermeister will das Problem loswerden

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