Flutkatastrophe in Südost-Asien
Zahl von 3 200 Vermissten zurückgewiesen

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg hat in Berlin Medienspekulationen, wonach in Südostasien 3 200 Deutsche vermisst würden, als „unverantwortlich“ gegenüber Angehörigen zurückgewiesen. Der stellvertretende Leiter des Krisenstabs, Staatssekretär Klaus Scharioth, bekräftigte jedoch, die Zahl der vermissten deutschen Touristen liege nach wie vor bei „sehr deutlich“ über 1 000 Menschen.

HB BERLIN/NEU DELHI/JAKARTA/COLOMBO. Nach Angaben Scharioths wurden bisher 60 tote deutsche Touristen identifiziert - 46 davon in Thailand und 14 in Sri Lanka. Dazu kommen rund 300 Verletzte. Die Differenz zwischen den beiden Zahlen komme unter anderem durch doppelte Hinweise auf Urlauber zustande, erklärte Scharioth. Zudem hätten sich zahlreiche Rückkehrer inzwischen gemeldet. Er betonte, die Bundesregierung habe sich von Anfang an nur über belastbare und verifizierbare Zahlen geäußert. Eine Liste mit Namen der Opfer und Vermissten wird nach Angaben des Auswärtigen Amts nicht veröffentlicht. Ein Termin für eine nationale Trauerfeier stünde noch nicht fest.

Das Innenministerium entsendet derweil weitere zwölf Experten des Bundeskriminalamts (BKA) zur Identifizierung von Opfern nach Thailand. Sie sollten noch am Montag abreisen. Bislang arbeiten 32 deutsche Identifizierungsexperten in Thailand und fünf in Sri Lanka. Auf der thailändischen Urlauberinsel Phuket ist die Hoffnung, vermisste deutsche Urlauber noch lebend zu finden, weitgehend geschwunden. Es werde in entlegenen Gebieten Thailands immer noch nach Vermissten gesucht. „Den Spezialisten des Bundeskriminalamts wird es mithilfe von DNA-Analysen und Zahnbestand gelingen, eine eindeutige Identifizierung vornehmen zu können“, sagte der Asien-Beauftragte des Auswärtigen Amts, Peter Christian Hauswedell. „Die meisten sterblichen Überreste sind ganz erhalten.“

Gut eine Woche nach der Flutwelle in Asien ist die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer erneut dramatisch gestiegen. Nach Angaben des indonesischen Gesundheitsministerium vom Montag kamen auf der besonders schwer getroffenen Insel Sumatra mehr als 94 000 Menschen ums Leben. Das sind 14 000 mehr als zunächst bekannt. Die Vereinten Nationen befürchten, dass bei der Katastrophe rund um den Indischen Ozean möglicherweise insgesamt deutlich mehr als 165 000 Menschen getötet wurden. Derweil lief die internationale Hilfe auf Hochtouren, die inzwischen auch abgelegenere Krisengebiete erreichte.

Doch trotz aller Anstrengungen warten noch immer Zehntausende auf Hilfe. Die Helfer benötigen unter anderem mehr Hubschrauber, um Hilfsgüter in abgelegene Gebiete bringen zu können. Die UN richteten eine Luftbrücke für die am härtesten betroffene indonesische Insel Sumatra ein. Es werde noch etwa drei Tage dauern, bis alle der rund 700 000 von der Flut Betroffenen in Sri Lanka mit Nahrungsmitteln und sauberem Wasser versorgt werden können, erklärte der UN- Nothilfekoordinator Jan Egeland am Sonntag in New York.

In Indonesien fehlen Fahrzeuge

Noch deutlich mehr Zeit werde vergehen, bis die internationale Hilfe tatsächlich alle der rund eine Million Notleidenden in Indonesien erreiche, sagte Egeland. Hinzu kommen Probleme bei der Koordinierung von Hilfslieferungen. In Südindien stapeln sich stellenweise alte Kleidung und verdorbenes Essen entlang von Straßen, wie die Zeitung „Hindustan Times“ am Montag berichtete. Freiwilligen- Organisationen im ganzen Land hätten in Eile gebrauchte Kleidung und gekochtes Essen in Dörfer gebracht. Doch das sei nicht das, was jetzt gebraucht werde. Dringender benötigt seien unter anderem mehr mobile Toiletten, Reis, Vitamine, Matratzen und Decken.

In Indonesien räumte Sozialminister Alwi Shihab ein, dass der Mangel an Fahrzeugen die Hilfsarbeiten noch immer behindere. „Das ist die Realität an Ort und Stelle. Der Transport hängt zum großen Teil vom Militär und der Unterstützung durch andere Länder ab.“ Helfer befürchten unterdessen ein weiteres Ansteigen der Opferzahlen an der Westküste der Katastrophenprovinz Aceh. Dort habe möglicherweise wenige als die Hälfte der rund 50 000 Einwohner überlebt.

Viele Betroffene in Aceh können weiter nur aus der Luft unterstützt werden. Vom Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ aus werden seit Samstag Betroffene über US-Hubschrauber versorgt.

In der besonders schwer Stadt Galle in Sri Lanka werden unterdessen die ersten 200 US-Soldaten zur Katastrophenhilfe erwartet. Eine Sprecherin des US-Militärs auf Hawaii sagte am Sonntag (Ortszeit), eine genaue Ankunftszeit stehe noch nicht fest. Gemessen an der Einwohnerzahl von 20 Mill. ist Sri Lanka das am schwersten von der Naturkatastrophe betroffene Land. Nach jüngsten Regierungsangaben wurden 29 473 Menschen bei den verheerenden Flutwellen getötet, 5 040 Menschen werden vermisst.

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