Förderländer
Gasexporteure wollen Kooperation vertiefen

Die großen Gasförderländer wollen ihre Beziehungen vertiefen und sich gegen einen Verfall des Gaspreises absichern. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte schon vor einiger Zeit die Idee einer Gas-Opec in den Raum geworfen. Das Konzept stößt allerdings bei vielen auf Skepsis.

tom/juf/mbr/str MOSKAU. Das Forum Gas exportierender Staaten (GECF), eine Gruppe von 16 Förderländern, will im April in Katar über bessere Kooperationsformen beraten. Russland, größter Gasförderer der Welt, wird eine hochrangige Delegation schicken – darunter Energieminister Wiktor Christenko und Gazprom-Chef Alexej Miller.

Äußerungen des Energieministers Katars, Abdullah bin Hamad al Attiyah nährten Spekulationen, die fünf größten Förderländer Russland, Iran, Venezuela, Katar und Algerien könnten sich zu einem der Opec ähnlichen Kartell zusammenschließen. Katar werde das Treffen abwarten um dann über eine Koordinierung der Gaspolitik mit anderen Ländern zu entscheiden, sagte al Attiayh. Solche Pläne seien „interessant“, hatte Putin zuletzt im Februar gesagt. Auch Iran macht sich dafür stark.

Walerij Jasew, Vorsitzender des russischen Gasverbandes und des Energieausschusses der Duma, propagiert ein solches Kartell seit langem. Eine Internationale Allianz der nicht-privatwirtschaftlich organisierten Gasproduzenten – kurz „Mango“ – soll ein Forum schaffen, mit dessen Hilfe die Produzenten ihre Lieferpreise koordinieren können.

„Ein Gaspreis-Kartell kann es heute gar nicht geben“, sagt dagegen Roland Götz, Energieexperte bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Der Gaspreis werde nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern ist in über 20 bis 30 Jahre laufende Verträgen an Indizes gekoppelt, die den Weltmarkt-Ölpreis wiedergeben. Damit sei den Gaslieferanten der Preis als strategisches Instrument entzogen. Algeriens Energieminister Chakib Khelil sieht grundsätzlich keinen Ansatz für ein Kartell. Indirekt steuere die Opec ja über die Ölpreisbindung auch den Gaspreis. Man könne über eine Kooperation aber im Rahmen der Doha-Runde diskutieren.

Vor allem Russlands Gazprom hat seine Förderung zu 90 Prozent in langfristigen Verträgen verkauft. „Die Unternehmen der Förderländer wünschen Absatzsicherheit“, sagt Götz. Erdgasfelder werden in der Regel erst erschlossen, wenn der Absatz der gesamten Förderung bereits langfristig gesichert ist.

Ein Kartell mache nur Sinn, wenn das bestehende System verändert werde. Etwa der Aufschwung von Flüssiggas (LNG) könnte den Markt modifizieren. Auch Deutschland setzt mit dem LNG-Hafen in Wilhelmshaven auf diese Technik. Zudem drängen Verbraucherverbände darauf, Gas vom Ölpreis abzukoppeln. Russland wolle sich für den Tag wappnen, an dem ein neuer Gasmarkt entstehe, heißt es in russischen Industriekreisen. Die Diskussion um die „Gas-Opec“ sei daher eine politische Demonstration, glaubt auch SWP-Experte Götz.

Zudem sei ein Produzenten-Oligopol längst Realität, heißt es in deutschen Branchenkreisen. Man habe es mit wenigen Produzenten zu tun, die wie Gazprom ihre internationalen Aktivitäten ausweiteten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos betrachtet die Entwicklung mit großer Skepsis. „Ich würde das für falsch halten, wenn man versucht, solche Kartelle aufzubauen“, hatte er kürzlich gesagt. In Regierungskreisen hieß es, die Gefahr der Kartellbildung auf der Gaserzeugerseite sei nicht besonders hoch. Russland habe es gar nicht nötig, mit anderen Lieferanten Kompromisse zu schließen.

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