Folgen der Finanzkrise
IWF-Chef Strauss-Kahn schlägt Aktionsplan vor

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat einen neuen Aktionsplan der Industrieländer gegen die Finanzkrise vorgeschlagen. Zu den Kernbestandteilen gehören eine "explizite staatliche Garantie" der Bankverbindlichkeiten, der Aufkauf toxischer Hypothekenpapiere, eine staatliche Kapitalhilfe für die Banken und eine bessere Kooperation beim Krisenmanagement der betroffenen Länder auf globaler Ebene.

WASHINGTON. Strauss-Kahn deutete damit den gemeinsamen Nenner an, auf den sich die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) bei ihrem Krisengipfel in Washington einigen sollten. "Wir müssen uns beeilen", sagte der IWF-Chef mit Blick auf den Ausverkauf an den Weltbörsen.

Zuvor hatte bereits Bundesfinanzminister Peer Steinbrück seine Entschlossenheit unterstrichen, neue Maßnahmen gegen die Finanzkrise zu ergreifen und war dabei in eine ähnliche Richtung wie Strauss-Kahn marschiert. Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass die G7-Länder sich am Rettungspaket der britischen Regierung orientieren werden.

Großbritannien hatte Mitte der Woche ein 250 Mrd. Pfund großes Rettungspaket mit drei Bestandteilen geschnürt. Auch den Briten geht es um eine Rekapitalisierung der Banken, umfassende Liquiditätshilfen und eine staatliche Garantie neuer Bankverbindlichkeiten. "Wir müssen praktisch den gesamten Interbanken-Markt staatlich garantieren", sagte Strauss-Kahn. Allerdings unter strenger Aufsicht und nur für eine begrenzte Zeit.

Der IWF-Chef drängte vor allem die europäischen Länder, jetzt stärker zusammenzuarbeiten. "Nur dann werden wir Erfolg haben", sagte der Franzose auf einer Veranstaltung des Peterson-Instituts for International Economics in Washington. Nach Schätzungen des IWF haben die internationalen Banken erst die Hälfte ihrer Verluste aus der Kreditkrise realisiert. Die Fonds hat den Gesamtverlust auf bis zu 1,4 Billionen Dollar beziffert. "Noch im Frühjahr sind wir für unsere pessimistischen Prognosen kritisiert worden. Jetzt stellt sich heraus, dass wir zu optimistisch waren", sagte Strauss-Kahn.

Der frühere französische Finanzminister forderte die Regierungen zugleich auf, erste Lehren aus der Kreditkrise zu ziehen. Neben einer verstärkten Fi-nanzaufsicht sprach er sich für "mehr Flexibilität" bei der Bewertung illiquider Wertpapiere aus. "Europäische Finanzinstitute sollten den gleichen Handlungsspielraum haben wie die amerikanischen", sagte der Politiker. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass Finanzhäuser künftig mit dem Kredithebel (Leverage) verantwortungsvoller umgehen. Das gelte sowohl für Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds als auch für den gesamten Prozess der Verbriefung (Securitization).

Strauss-Kahn räumte ein, dass durch das akute Krisenmanagement die konjunkturellen Gefahren für die "reale" Weltwirtschaft überdeckt würden. Er setzt weiterhin darauf, dass im nächsten Jahr der wichtigste Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft aus den Schwellenländern kommen wird. Einige Entwicklungs- und Schwellenländern würden jedoch in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Der IWF stehe bereit, diesen Nationen finanziell beizuspringen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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