Folgen der Islam-Äußerung
Stoiber geht Türkei wegen Papst-Kritik an

Während Papst Benedikt XVI. die jüngste Kritik an seiner Person entschärft und seinen tiefen Respekt für den Islam betont, ist Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber voll auf Konfrontationskurs mit der Türkei. Der CDU-Politiker fordert sogar einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen.

dpa / kin DÜSSELDORF. Benedikt XVI. unterstrich bei der Generalaudienz das gemeinsame Eintreten von Christen und Muslimen für Frieden und Gerechtigkeit. „Ich habe tiefen Respekt für die Religionen und besonders für die Muslime, mit denen wir einen einzigen Gott anbeten und für die Ziele der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit zusammenarbeiten“, sagte er vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Seine umstrittene Rede in Regensburg sei missverstanden worden, erklärte der deutsche Papst. Benedikt hatte bei seiner Bayernreise einen christlichen Kaiser aus dem Mittelalter mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lasse.

Dagegen attackierte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber die Türkei wegen der jüngsten Kritik am Papst und verlangte sogar einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen: „Die Türkei ist nicht Europa und gehört nicht nach Europa.“ Stoiber sagte, Spitzenpolitiker des EU-Beitrittskandidaten Türkei hätten aggressiv auf den Papst reagiert. Aus diesen Angriffen spreche eine große geistige und kulturelle Distanz zur europäischen Werteordnung. Der CSU-Chef warf dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan „eine unglaubliche Reaktion“ vor, weil dieser eine Entschuldigung vom Papst verlangt hatte.

Zuvor hatte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, erstmals öffentlich zu den Äußerungen Benedikts ausführlich Stellung bezogen. Dem Papst sei es keineswegs darum gegangen, „der Vernünftigkeit des christlichen Glaubens die fehlende Vernünftigkeit anderer Religionen – namentlich des Islams – entgegenzusetzen“, sagte Lehmann in Berlin in einem Vortrag mit dem Titel „Chancen und Grenzen des Dialogs zwischen den ,abrahamitischen Religionen".

Das Thema sei nicht dem Islam gewidmet gewesen, sondern einem Problem, das den Theologen Joseph Ratzinger seit Beginn seiner akademischen Lehrtätigkeit 1959 beschäftigt, nämlich dem Verhältnis von Glaube und Vernunft, erläuterte der Kardinal in einem eigens seiner Rede beigegebenen Exkurs.

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