Folgen der Wirtschaftskrise
Mexiko steckt in der Krise fest

Schrumpfende Wirtschaft, wachsende Armut und ein außer Kontrolle geratener Drogenkrieg - Mexiko, die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas, gehört zu den weltweit am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffenen Nationen. Experten kritisieren die einseitige Ausrichtung auf die USA und hausgemachte Probleme.

MEXIKO-STADT. Als Präsident Felipe Calderón vergangene Woche seinen jährlichen Rechenschaftsbericht ablegte, versuchte er gar nicht erst, Mexikos Situation schön zu reden. "Die Bürger sind nicht zufrieden", sagte er angesichts steigender Armut und Arbeitslosigkeit, drastisch einbrechenden Wirtschaftswachstums und der Macht der Organisierten Kriminalität. "Ich bin der Erste, der zugibt, dass das Erreichte zu wenig ist und wir weit von dem Mexiko entfernt sind, das wir gerne hätten." Noch kurz nach seinem Amtsantritt hatte Calderón Mexiko bis 2050 auf dem Weg zu den fünf größten Wirtschaftsnationen gesehen.

Das größte spanischsprachige Land der Welt treffen die Folgen der Wirtschaftskrise hart. Die große Abhängigkeit von den USA - Mexiko exportiert 21 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) dorthin - und strukturelle Defizite haben Mexiko einen tiefen Einbruch beschert. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 10,3 Prozent. Zum Jahresende wird sich das Minus auf 7,2 Prozent zum Vorjahr einpendeln, wie Volkswirte in einer Umfrage der Zentralbank sagten. Dazu tragen hauptsächlich der Einbruch in Schlüsselsektoren wie der Automobilindustrie und dem Tourismus bei.

Damit zieht die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas die ganze Region in Mitleidenschaft. In keinem anderen Land schrumpft die Wirtschaft so stark. "Wir erleben nicht nur die schlimmste Krise seit 60 Jahren, sondern gravierender ist, dass Mexiko auch weltweit zu den am härtesten getroffenen Staaten gehört", sagt Rodolfo Navarrete, Chefvolkswirt beim Investmenthaus Vector.

Die Auswirkungen sind nicht nur im BIP-Einbruch zu beobachten. Die Arbeitslosigkeit stieg in den vergangenen zwölf Monaten von 3,5 auf 5,2 Prozent. 2,8 Millionen Menschen waren im Juli ohne Job. Die Auslandsüberweisungen, zweitwichtigste Devisenquelle des Landes, werden dieses Jahr um 16 Prozent auf 21,11 Mrd. Dollar sinken. Die Folge: Die Armut steigt. Nach Angaben der Weltbank hat sich die Zahl der Mexikaner, die weniger als vier Dollar am Tag zur Verfügung haben, zwischen 2006 und 2009 um zehn Millionen erhöht.

Seite 1:

Mexiko steckt in der Krise fest

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%