Folgen des GAU
Deutsche Diplomaten wollen nicht nach Japan

Die deutsche Botschaft in Tokio kämpft mit den Folgen der nuklearen Katastrophe: Aus Angst vor gesundheitlichen Risiken verweigerten mehrere Diplomaten den Gang nach Japan, zehn Stellen sind offen.
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TokioDie deutsche Botschaft in Tokio hat offenbar Schwierigkeiten, wegen Angst vor Radioaktivität reguläre Mitarbeiter zu bekommen. Wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfahren hat, sind zehn Stellen noch nicht regulär nachbesetzt worden, sondern werden lediglich durch Abordnungen, die im Zeitraum von Wochen bis zu einem Jahr liegen, betrieben. Mehrere Diplomaten sollen sich geweigert haben, aus Furcht vor gesundheitlichen Risiken in das noch immer mit einer Nuklearkatastrophe kämpfende Land zu gehen.

Unter anderem ist die Stelle des Wirtschaftsgesandten noch offen. Das Auswärtige Amt äußerte sich auf Nachfrage nicht zum Thema Radioaktivität, sondern ließ lediglich durch einen Ministeriumssprecher verlauten, dass „die Mitarbeiterzahl mit personalwirtschaftlichen Mitteln wie kurzfristigen Entsendungen und Einstellungen neuer Mitarbeiter durch die Botschaft auf den Vorkrisenstand angehoben worden“ sei.

Worauf das Auswärtige Amt geflissentlich nicht einging: Während die Botschaft in Japan selbst auf ihrer Website den Großraum Tokio als zurzeit radioaktiv unbedenklich einstuft, sollen sich gleichzeitig zwei bis drei Diplomaten, die auf der regulären Versetzungsliste stehen und Familie haben, aus Sorge vor Radioaktivität erfolgreich gegen die Versetzung gewehrt haben. Sie wurden nicht zum Stellenwechsel verpflichtet, obwohl Diplomaten mit Abschluss ihrer Dienstverträge gleichzeitig eine Erklärung unterschreiben, ohne Ausnahme auch in Krisengebiete jeglicher Art zu gehen.  

Das Auswärtige Amt hat damit seinen Diplomaten offenbar etwas erspart, was es Mitarbeitern deutscher Unternehmen indirekt zumutet. Denn Flugbegleiter der Lufthansa etwa haben in ihren Verträgen eine Klausel, nur dann in Länder nicht fliegen zu müssen, wenn für diese eine Reisewarnung besteht. Das Auswärtige Amt hat die Warnungen für den Großraum Tokio jedoch schon vor Monaten aufgehoben. „Aus radiologischer Sicht ist ein Aufenthalt im Großraum Tokyo/Yokohama derzeit unbedenklich. Eine Verschlechterung der radiologischen Situation ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen“, heißt es auf der Homepage der Botschaft.

Kommentare zu " Folgen des GAU: Deutsche Diplomaten wollen nicht nach Japan"

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  • Aber Leiharbeiter sollen ohne ausreichenden Schutz in Kernkraftwerken arbeiten.Das sind mir die richtigen,sie gehen auf jeden Fall nicht mit Strahlenden Beispiel voran

  • war ab 23.Maerz drei Wochen in Tokyo und seitsem zweimal. Sehe keinen Grund, eine Versetzung nach Japan abzulehnen. Man sollte diese Diplomaten fristlos entlassen. Und die Gelegenheit nutzen, den Personalbestand der Botschaft zu halbieren. Benoetigt wird im wesentlichen die unterbesetze Konsularabteilung.

    Rainer

  • Unsere tapferen "Beamten" - in guten Zeiten sich durchfüttern lassen und in schlechten Zeiten den Dienst Antritt verweigern.
    Man könnte ja die offenen 10!! Positionen mit Arbeitslosen besetzen. Da finden sich bestimmt sofort Hartz 4 Bezieher die Geld gegen Gesundheit tauschen.

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