Folgen des MH17-Absturzes
Putin gegen Abbott

Judoka gegen Iron-Man: Diplomatische Feinheiten sind Australiens Regierungschef Abbott fremd. Nach dem Absturz von MH17 stellte er Russland wie kein anderer an den Pranger. Putin sieht hingegen die Schuld bei der Ukraine.
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BangkokTony Abbott ist für seine markigen Sprüche bekannt. Der australische Regierungschef lässt Zorn stets freimütig in seinen blaugrauen Augen funkeln. Der Hobby-Extremsportler mit einigen Iron-Man-Rennen hinter sich ist gerne schroff. Diese Woche will er sich Wladimir Putin zur Brust nehmen - weil Russland zu wenig tue, um den Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 aufzuklären. Auf seine Forderungen nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten reagierte der Kreml erst zurückhaltend: Nichts sei geplant.

Doch dann verkündete Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow, Abbott bekomme seinen Termin an diesem Dienstag in Peking beim Asien-Pazifik-Gipfel (Apec). Der gerade vom US-Magazin „Forbes“ zum zweiten Mal in Folge zum „mächtigsten Menschen der Welt“ gekürte Kremlchef scheut keine Konfrontation. Zudem will der frühere Geheimdienstchef wohl rasch wissen, was Abbott gegen ihn vorzubringen hat - bevor er Gast ist in Australien.

Putin reist an diesem Wochenende (15. und 16. November) zum Gipfel der 20 führenden Industrienationen (G20) ins australische Brisbane. Und er dürfte sich dort nicht vorführen lassen wollen, zumal Abbott ihn wegen des Ukraine-Konflikts sogar zeitweilig ausladen wollte.

„I will shirtfront him“ - kündigte Abbott kühn an. Das lässt sich kaum übersetzen. Es handelt sich um einen Slangbegriff aus dem rauen Football-Spiel mit australischen Regeln und bedeutet so viel wie jemanden aggressiv und frontal anzurempeln. In Putin hätte er einen formidablen Gegner: der Kremlchef trägt den schwarzen Judo-Gürtel und zeigt sich gern mal mit freiem Oberkörper als Naturbursche auf dem Pferd. Und wie Abbott ist auch Putin nicht auf den Mund gefallen.

MH17 geht den Australiern so nahe, weil an Bord 38 Landsleute und dort lebende Ausländer waren. MH17 startete am 17. Juli in Amsterdam und war auf dem Weg nach Kuala Lumpur in Malaysia, mit Anschlussflügen nach Australien. 298 Menschen starben, als das Flugzeug über der Ukraine mutmaßlich abgeschossen wurde.

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  • Dann sollten die Australier aber unbedingt darauf bestehen, dass endlich die Funksprüche veröffentlicht werden! Da werden so einige sehr alt aussehen. Die Russen übrigens nicht!

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