Folterprozess im Irak
Anhörung von US-Soldaten hat begonnen

Die Anhörung von drei US-Soldaten im Folter-Skandal hat am Montag vor einem US-Militärgericht in Bagdad begonnen. Ihnen werden Misshandlungen irakischer Gefangener im Gefängnis Abu Ghraib vorgeworfen. Einer der Verteidiger will US-Präsident Bush und Verteidigungminster Rumsfeld in den Zeugenstand rufen.

HB BAGDAD. Bei der Anhörung, die voraussichtlich mehrere Tage dauern wird, sollen alle ausstehenden Fragen vor Beginn des Prozesses geklärt werden. Den drei Angeklagten - Charles Graner, Ivan Frederick und Javal Davis - wird vorgeworfen, an den Misshandlungen beteiligt gewesen zu sein, die auf Fotos festgehalten wurden und weltweit Empörung ausgelöst hatten.

Zudem hatte der Skandal die US-Regierung stark unter Druck gebracht. Der Anwalt von Davis kündigte an, US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in den Zeugenstand rufen zu wollen. US-Militärrichter James Pohl gab dem Antrag eines Verteidigers statt, den US-Kommandeur für den Nahen Osten, John Abizaid, und den Oberkommandieren der US-geführten Streitkräfte im Irak, Ricardo Sanchez, in dem Verfahren zu befragen.

Der Verteidiger Davis', Paul Bergrin, warf US-Präsident Bush vor, die Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen umgangen zu haben. „Bush hat in einer Rede den Krieg gegen den Terror ausgerufen und gesagt, die Genfer Konvention werde nicht mehr angewandt“, sagte Bergrin vor Journalisten. Davis sei täglich dazu angehalten worden, irakische Gefangene „weich zu machen“, um Informationen für den Geheimdienst abzuschöpfen.

US-Soldat Graner droht lange Haftstrafe

US-Soldat Graner sieht sich mit den schwersten Anschuldigungen konfrontiert. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 24 Jahren und sechs Monaten, sollte er von dem Militärgericht verurteilt werden. Er soll das Foto geschossen haben, auf dem die ebenfalls angeklagte US-Soldatin Lynndie England einen Gefangenen an einer Art Hundeleine führt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, im November neben nackten Gefangenen, die einen Haufen bilden mussten, für ein Foto posiert zu haben. Im Mai hatte es im Folter-Skandal ein erstes Urteil gegeben: US-Soldat Jeremy Sivits wurde zu einem Jahr Haft verurteilt; er hatte sich zuvor schuldig bekannt. Insgesamt geht das US-Militär gegen sieben Soldaten vor.

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