Forderung der OECD: Krise soll sozial abgefedert werden

Forderung der OECD
Krise soll sozial abgefedert werden

Die OECD warnt vor Kürzungen an der falschen Stelle: Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise müssten nachhaltig bekämpft werden. Vor allem Geringverdiener hätten Einkommensverluste hinnehmen müssen.
  • 3

ParisDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor den langfristigen sozialen Folgen der andauernden Wirtschafts- und Finanzkrise gewarnt. Die Staaten müssten mehr für die soziale Abfederung der Krise tun, forderte die in Paris ansässige Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Pauschale Kürzungen von Sozialleistungen - etwa beim Kinder- oder Wohngeld - müssten vermieden werden.

"Kurzfristige Einsparungen an den falschen Stellen" könnten den Staaten langfristig teuer zu stehen kommen, warnte die OECD in ihrem Bericht "Gesellschaft auf einen Blick - Die Krise und ihre Auswirkungen". Sozialausgaben etwa für Gesundheit, Bildung und den Arbeitsmarkt müssten so gestaltet werden, dass sie die Folgen der Krise vor allem für die Schwächsten abmildern. Besonders betroffen seien heute jene, die bereits vor Ausbruch der Krise im Jahre 2008 am wenigsten vom Wachstum profitiert hätten.

Selbst ein Wirtschaftsaufschwung werde nicht ausreichen, um den am härtesten Betroffenen "wieder auf die Füße zu helfen", warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Die Regierungen müssten daher wirksamere sozialpolitische Maßnahmen ergreifen, um für künftige Krisen gewappnet zu sein. Allerdings dürften sie auch keine Reformen verschieben "nur weil der Druck kurzfristig leicht nachlässt".

In den Krisenländern Griechenland, Irland und Spanien hat sich nach der Erhebung der OECD die Zahl der Menschen verdoppelt, die in einem Haushalt ohne Arbeitseinkommen leben. Zudem hätten seit Ausbruch der Krise in vielen OECD-Ländern Geringverdiener die größten Einkommensverluste hinnehmen müssen. Besonders hart seien in dieser Hinsicht Estland, Italien, Griechenland, Irland und Spanien betroffen. Der Anteil der Menschen, die angaben, nicht immer genug Geld für ausreichende Nahrungsmittel zu haben, stieg im OECD-Durchschnitt um zwei Punkte auf 13,2 Prozent.

Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen im internationalen Vergleich dagegen gut da: Die Arbeitslosenquote liegt laut OECD-Studie in diesen drei Ländern bei etwa der Hälfte des OECD-Durchschnitts von derzeit 9,1 Prozent. Auch sind die Sozialausgaben in den drei Ländern seit Beginn der Krise gestiegen. In Deutschland und Österreich lägen diese deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 21,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stellt die Organisation fest, der 34 Industrienationen angehören.

Besorgt zeigt sich die OECD hingegen über die weiterhin sinkende Geburtenrate in Deutschland, die nunmehr bei statistisch 1,36 Kinder pro Frau liege. Schon heute kämen in Deutschland auf jede Person über 65 Jahre kaum drei Einwohner im erwerbsfähigen Alter, 2050 würden es nur noch halb so viele sein. Einzig in Japan sei das Verhältnis zwischen Erwerbsfähigen und Rentnern noch ungünstiger.

Die OECD geht davon aus, dass die Sozialausgaben nach einem vorübergehenden Anstieg in den ersten Krisenjahren nun in vielen Staaten unter den Druck der Haushaltskonsolidierung geraten. Die Organisation fordert die Regierungen auf, "pauschale Einschnitte" zu vermeiden. Unter ihnen würden vor allem die Bedürftigsten leiden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Forderung der OECD: Krise soll sozial abgefedert werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich hoffe der Ukraine bleibt eine Aufspaltung durch die "EU in Brüssel" und Russland auf der anderen Seiter erspart. Man hat ja das Beispiel Polens, wo Hitler und Stalin einen Vertrag schlossen, wie sie das Land "aufteilten", ich denke sowas sollte sich nicht wiederholen.

    Dass Frau Merkel bereit ist mit Hilfe von Extremisten eine Regierung stürzen zu lassen im Auftrage von Expansionsplänen der "EU in Brüssel" finde ich zutiefst beschämend. Abscheulich sogar. Staaten fressende EU. Merkel in primitiver Dienerschaft.

    Je mehr die Menschen sich entscheiden müssen "scharf an der eigenen Identität vorbei" zur Einen oder anderen Seite zu gehören, je mehr ist die Spannung vor Ort da und damit Hass und Kriegsgefahr.

    Für mich ist die "EU in Brüssel" der Verbrecher, weil sie die Menschen lockt sich ihr zu verschreiben wie "Goethes Faust sich Luzifer verschrieben hatte" um alle seine Wünsche erfüllt zu bekommen.

    Aber die Kehrseite ist, dass "EU in Brüssel" dann das Volk frisst, seine Souveränität, seine Freiheit. Der letzte Volks-Beschluss ist die Ratifizierung des "EU in Brüssel-Vertrages" .. dann wird es Nacht !!

    Die "EU in Brüssel" ist eine schleichende Besatzung Europas - und wenn das so weitergeht, muss Russland Europa noch einmal befreien, wie 1945 schon einmal geschehen.

  • Wie es aussieht, musste El Erian im Auftrage der Allianz (Herr Schäuble) MASSIV bankrotte Staatsanleihen in sein Depot aufnehmen (Süd-Europa), wo Deutschland jetzt fleissige "ewige Zinsen" zu zahlen hat.

    Aber wann kommt der Schuldenschnitt und PIMCO macht MASSIV Verluste dadurch, Mr. Bill Gross ?? Deutschland die Finanz-Mülltonne mit "ewiger Schuld".

  • Die Krise in Südeuropa geht nun schon einge Jahre. Krise nur für die Bürger, die Banken um GoldmanSachs machen fette Gewinne!
    Nun, da in Griechenland Menschen in den Krankenhäusern sterben, weil kein Geld mehr da ist, nach vielen Jahren Krise kommt man drauf, die Krise sozial abzufedern.

    Etwa spät, diese Heuchelei. Erbärmlich!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%