Forderung nach liberalem Handel
Bankchefs warnen vor wirtschaftlichen Risiken

Deutlicher als Finanzminister und Notenbankgouverneure warnten die Chefs international führender Banken auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank vor den Gefahren weltwirtschaftlicher Rückschläge. Die Finanzkonzerne legten in Washington einen Katalog von Forderungen an Finanz- und Geldpolitiker vor.

WASHINGTON. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann macht „wachsende ökonomische Unsicherheiten mit weit reichenden Abwärtsrisiken in den globalen Wirtschaftsaussichten“ aus. Ackermann ist Vorsitzender der Großbankenvereinigung Institute of International Finance (IIF), der 340 weltweit tätige Finanzkonzerne angehören. Die in Washington versammelten Finanzminister und Notenbankgouverneure rief er zu „stärkerer politischer Führung und zu entschlossenem Handeln“ auf.

Von den USA fordern die Banken größere Anstrengungen zur Reduzierung ihrer hohen Fiskaldefizite. Europa muss nach Ansicht der Institute durch rigorose Reformen die strukturellen Rigiditäten in den Volkswirtschaften aufbrechen. Japan müsse weitere Reformen zur Revitalisierung seiner Wirtschaft und zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums unternehmen. Asien müsse mehr zur Flexibilisierung seiner Wechselkurse und zur Stärkung der Binnennachfrage tun. Von allen Regierungen verlangen die Bankchefs resolutes Handeln zur Liberalisierung des Welthandels.

Cees Maas, Finanzvorstand der niederländischen ING Group, stellte die Strategie der USA in Frage, China zu größeren Liberalisierungsschritten bei den Wechselkursen zu zwingen. Großschuldner wie die USA sollten erst einmal im eigenen Haus für Ordnung sorgen, bevor man den Großgläubiger China unter Druck setzt, sagte er. Es dürfe nicht übersehen werden, „dass selbst größere Wechselkursänderungen nur einen moderaten Beitrag zum Abbau der bestehenden großen Ungleichgewichte leisten“.

Nach Ansicht des Chefs der Citibank, William Rhodes, haben nicht nur Banker allen Grund, sich über Öl- und Energiepreise, Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen und über ein mögliches Platzen des Immobilienbooms in den USA zu sorgen. Rhodes kommen die viel zu niedrigen Risikoaufschläge auf den Anleihemärkten nach eigener Aussage unheimlich vor. Das gelte nicht nur für Schwellenländer (Emerging Markets), sondern auch für Kreditnehmer in den entwickelten Kapitalmärkten. Als Ursache für die neuen Tiefstände der Risikomargen sieht er die globale Liquiditätsschwemme, historisch niedrige Zinsen und die Jagd nach Renditen.

Dass die Risikoaufschläge für Emerging-Market-Anleihen so stark zurückgegangen seien, hätte gute Gründe, sagte der Chef der größten Bank Brasiliens, Banco Itaú, Roberto Setubal. „Aufstrebende Volkswirtschaften haben hohe Währungsreserven angesammelt, sie haben ihre Auslandsverschuldung meist deutlich abgebaut und durch Abwertungen ihrer Währungen sowie durch flexible Wechselkurse ihre internationale Wettbewerbsposition verbessern können“, sagte er. Das spiegele sich auch in niedrigeren Risikoaufschlägen an den Anleihemärkten wider.

Die Ökonomen des IIF rechnen mit einem Netto-Kapitalzufluss in die wichtigen aufstrebenden Volkswirtschaften von 345 Mrd. Dollar in diesem Jahr. Damit übersteigen die privaten Zuflüsse das bisherige Rekordniveau aus dem Jahre 1996 von 323 Mrd. Dollar. Für das kommende Jahr rechnen sie mit Kapitalzuflüssen von 300 Mrd. Dollar.

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