Forderung nach mehr Zentrifugen
Iran provoziert im Atomstreit mit Aufrüstungsplänen

Wie viele Zentrifugen benötigt der Iran für zivile Atomkraftnutzung? In dieser Frage sind sich Iran und dem Rest der Welt uneins. Nun verärgert das religiöse Oberhaupt des Landes die internationale Gemeinschaft.
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TeheranIm Atomstreit mit dem Westen will der Iran die Anreicherung von Uran beschleunigen und geht damit wieder auf Konfrontationskurs. Die Zahl der Zentrifugen müsse verzehnfacht werden, sagte das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei in einer am Montagabend im Internet veröffentlichten Mitteilung. Das Ziel müsse nicht sofort erreicht werden. Letztendlich führe aber kein Weg daran vorbei, sagte Chamenei, der in Atomfragen der Islamischen Republik das letzte Wort hat. Derzeit hat der Iran mehr als 19.000 Zentrifugen, davon sind etwa 10.000 in Betrieb. „Unsere Experten sagen, dass wir 190.000 Zentrifugen benötigen“, erklärte Chamenei. Der Westen fordert dagegen eine Verringerung der Bestände, damit der Iran nicht die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe erlangt.

Die Möglichkeiten zur Uran-Anreicherung gehören zu den Hauptstreitpunkten in den Atomverhandlungen zwischen dem Iran und der sogenannten Sechsergruppe. Ein iranischer Diplomat hatte kürzlich erklärt, sein Land strebe 50.000 Zentrifugen an und werde davon auch nicht abrücken. Dagegen hält der Westen für zivile Zwecke einige Tausend Geräte für ausreichend.

Die Unterhändler von Iran, USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und China haben sich zum Ziel gesetzt, bis Ende nächster Woche eine Einigung zu erzielen. Allerdings hat der Iran angesichts des schwierigen Verlaufs der Verhandlungen in Wien schon eine Verlängerung der Frist um bis zu sechs Monaten ins Gespräch gebracht. Ein westlicher Diplomat sagte nach Chameneis Äußerungen: „Wir sind noch weit entfernt von einer Einigung.“ Nach Einschätzung des US-Nuklearexperte Mark Fitzpatrick macht die Erklärung des geistlichen Oberhaupts deutlich, dass die iranischen Unterhändler nur wenig Spielraum in den Kernfragen zum Atomprogramm haben.

Der Iran steht seit Jahren im Verdacht, nach Atomwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist dies zurück. Die Zentrifugen sind dabei nicht der einzige Stolperstein auf dem Weg zu einem Abkommen. Ein anderes Problem sind Irans Raketen, die Sprengköpfe über eine große Distanz transportieren können. Die USA wollen sie in den Atomvertrag einbeziehen, der Iran lehnt dies ab. Andere Streitpunkte sind die Laufzeit des geplanten Abkommens, der Zeitplan für die Einstellung der Sanktionen gegen den Iran und die Zukunft eines iranischen Forschungsreaktors, der Plutonium produzieren kann.

Der Iran hatte sich im November mit den sechs Ländern auf eine vorläufige Vereinbarung verständigt und sein Atomprogramm eingeschränkt. Im Gegenzug wurden Sanktionen etwas gelockert. Damit sollte Zeit für weitere Verhandlungen gewonnen werden, um bis zum 20. Juli eine umfassende Einigung zu erzielen. Sollten die Gespräche scheitern, stiege die Gefahr eines israelischen Luftangriffes auf iranische Atomanlagen und eines Konflikts in der gesamten Region.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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