Forschung
China will Deutschland ausstechen

China ist Deutschland nicht nur als Exportnation auf den Fersen – bis 2020 will das Reich der Mitte auch bei Forschung und Entwicklung deutsches Niveau erreichen. Unternehmensverbände warnen bereits vor der innovationspolitischen Bedrohung aus Fernost.

BERLIN. China hat 2006 erstmals mehr Geld für Innovationen ausgegeben als Japan und doppelt so viel wie Deutschland. Unternehmensverbände wie der DIHK warnen bereits vor der innovationspolitischen Bedrohung aus Fernost.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) versucht die Wogen zu glätten: Die Furcht, „deutsche Hochtechnologieunternehmen würden schon bald von chinesischen Konkurrenten verdrängt, ist nicht berechtigt“ verwies sein Ministerium auf eine eigens beim Münchner Ifo-Institut in Auftrag gegebene Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. In absehbarer Zeit werde China jedenfalls nicht zur „Wissensfabrik der Welt“, meinen die Münchner Ökonomen. Weit vorn rangiere das Schwellenland schon heute allerdings in der Biotechnologie. Weder in der roten Gentechnik, also jener in der Medizin, noch in der grünen, also der Agrar-Gentechnik, gebe es dort Restriktionen. Ähnliches gelte für die Nukleartechnologie – China plane immerhin mehr als 60 neue Reaktoren.

Um den Vorsprung insgesamt zu verteidigen, empfiehlt Ifo der Bundesregierung, international stärker darauf zu drängen, dass China seine mittlerweile „guten Gesetze“ zum Urheberschutz auch anwendet. Daneben gelte es, deutsche oder europäische Normen in China zu verbreiten, und dort nicht die USA mit ihren Standards zum Zuge kommen zu lassen. Auch bei Forschungskooperationen müsse man stärker darauf achten, dass beide Seiten profitierten.

Lernen könne Deutschland von den Chinesen bei der Forschungsförderung: Peking fördert Forschung und Entwicklung der Unternehmen neuerdings mit massiven Steuervorteilen. Im Vergleich zur gezielten Förderung von Forschungsprojekten sei dieser Weg einfach und effektiv, so das Ifo-Institut.

Auch die Autoren des jüngsten Berichts zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands für die Bundesregierung empfehlen dringend Steuervorteile für forschende Unternehmen. Dieses Instrument führten immer mehr Industriestaaten ein. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) will mit dem Finanzminister bis 2009 ein Konzept vorlegen.

Das Europäische Patentamt hat für 2006 einen starken Anstieg der Anmeldungen aus China, Japan und Korea gemeldet. Noch kommen diese laut Ifo aber vorwiegend aus chinesische Unternehmen mit ausländischer Beteiligung.

Als größtes Hindernis für Chinas Innovationen sieht das Ifo-Institut den Umstand, dass diese vor allem staatsgetrieben sind. Nur jedes vierte der mittleren und großen Unternehmen habe eine eigenen Entwicklungsabteilung. In Deutschland seien es gut zwei Drittel. Auch die 340 000 Ingenieure, die China jährlich ausbildet, seien es noch nicht gewohnt, selbstständig nach neuen Lösungen zu suchen, so Ifo. Diese Herausforderung „ist aber in der chinesischen Bildungspolitik erkannt“, sagte unlängst Richard Hausmann, CEO von Siemens China.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%