Forschungspolitik
Obama setzt auf Stammzellenforschung

Wende in der US-Forschungspolitik: Präsident Barack Obama hat die Beschränkungen bei der Finanzierung embryonaler Stammzellenforschung in den USA aufgehoben. Er setzte mit einer präsidialen Verordnung die Politik seines Vorgängers George W. Bush außer Kraft. Scharfe Kritik kam von den Konservativen.

HB WASHINGTON. US-Präsident Barack Obama ermöglicht eine umfassende staatlich unterstützte Forschung an embryonalen Stammzellen in den Vereinigten Staaten. Er hob am Montag von seinem Vorgänger George W. Bush verfügte Beschränkungen auf, wonach die Förderung der Forschung auf Stammzell-Linien begrenzt war, die vor August 2001 entstanden. Mit seiner Entscheidung ende „eine falsche Wahl zwischen vernünftiger Wissenschaft und moralischen Werten“, erklärte Obama und rief den Kongress auf, die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Obama hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, die Entscheidung Bushs vom 9. August 2001 zu revidieren. Die Beschränkungen hätten den Wissenschaftlern „Handschellen angelegt“ und ihre Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. Er unterstützt die Forschung, um damit Fortschritte etwa im Kampf gegen Alzheimer zu erzielen. Die Mehrheit der Amerikaner sei der Meinung, „dass wir diese Forschung fortsetzen sollten“, erklärte Obama am Montag. Sie biete großartige Möglichkeiten, „und mit ordnungsgemäßen Richtlinien und strenger Aufsicht können Gefahren vermieden werden“.

Seine Regierung werde niemals das Klonen von Menschen erlauben, betonte der Präsident. „Das ist gefährlich, zutiefst falsch, und hat keinen Platz in unserer Gesellschaft oder in irgendeiner Gesellschaft.“ Die Freigabe von Bundesmitteln und damit Steuergeldern für die Stammzellenforschung trifft auf Zustimmung über die Parteigrenzen hinweg. Zu den prominentesten Befürwortern zählt die frühere First Lady Nancy Reagan. Ihr Mann, der 2004 gestorbene ehemalige Präsident Ronald Reagan, litt an Alzheimer.

Dagegen hatten sich Abtreibungsgegner vehement für die von Bush verhängten Beschränkungen eingesetzt. Bei ihnen stößt Obamas Entscheidung auf scharfe Kritik. „Steuerzahlen sollten nicht die Rechnung für Experimente zahlen müssen, die die Zerstörung menschlichen Lebens fordern“, erklärte ein Sprecher des konservativen Rats für Familienforschung am Wochenende. Angesichts der Fortschritte in der Forschung mit adulten Stammzellen sei Obamas Entscheidung besonders betrüblich.

Mit der Unterzeichnung der neuen Verordnung machte Obama außerdem deutlich, dass sich seine Regierung im Bereich von Forschung und Wissenschaft nicht von politischen Ideologien leiten lassen werde. Dies sei bei Bush so gewesen, kritisierte Obama. Seine Verordnung stelle dagegen sicher, „dass wissenschaftliche Daten niemals verfälscht oder verborgen werden, um einer politischen Agenda zu dienen, und dass wir wissenschaftliche Entscheidung auf der Grundlage von Fakten treffen, nicht aufgrund einer Ideologie“.

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