Fossile Energieträger
Schweden will weg vom Öl

Die schwedische Regierung plant, bis 2020 ohne fossile Energieträger auszukommen. Unterstützung für das neue Energiekonzept erhält die Regierung von Natur- und Umweltschützern; Experten haben Zweifel.

STOCKHOLM. Liebevoll umarmt Schwedens Regierungschef Göran Persson eine riesige Kiefer. „Wir müssen mehr aus unseren Wäldern herausholen“, sagt der Sozialdemokrat und posiert ein weiteres Mal mit dem Baum für die Fotografen. Im September wird in Schweden über ein neues Parlament abgestimmt, und einige Monate vor den Wahlen versucht Persson, die Agenda zu bestimmen. Ein „grünes Volksheim“ wünsche er sich. Und Schweden müsse bis 2020 vom Öl unabhängig werden.

Persson berief eigens eine Öl-Kommission ein, die mit Wirtschaftsgrößen wie dem Volvo-Chef Leif Johansson besetzt ist und einen Handlungsplan ausarbeiten soll. Und die für Energiefragen zuständige Ministerin Mona Sahlin stellte bereits ein Programm vor, das Schweden zum ersten Land auf der Welt machen soll, das ganz ohne Öl auskommt: Demnach werden Autos künftig mit Bioethanol betankt, der Stromverbrauch soll durch effektivere Techniken gesenkt werden.

Ganz so spektakulär, wie sich der Vorsatz zunächst anhört, ist er aber nicht: Der Anteil fossiler Brennstoffe an Schwedens Energiemix liegt derzeit bei knapp über 35 Prozent. Damit steht das Land schon heute besser da als viele andere Staaten Europas. In Deutschland macht der Anteil fossiler Brennstoffe knapp unter 50 Prozent aus.

Unterstützung für das neue Energiekonzept erhält die Regierung von Natur- und Umweltschützern: „Erneuerbare Energieträger wie Biomasse in Kombination mit einer effektiveren Energieanwendung können die gesamte Kernenergie und einen Großteil der fossilen Brennstoffe bis 2020 ersetzen“, sagt Svante Axelsson, Generalsekretär des Schwedischen Naturschutzbundes.

Allerdings hat Schweden bei der effektiveren Nutzung der Energie noch mächtigen Nachholbedarf: Nahezu ein Fünftel aller Einfamilienhäuser wird noch immer durch einfache Elektro-Radiatoren geheizt. Der durchschnittliche Stromverbrauch für Einfamilienhäuser liegt mit mehr als 20 000 KWh im Europavergleich an der Spitze. In Deutschland kommt ein Einfamilienhausbesitzer gerade einmal auf ein Drittel.

Trotz der Bemühungen der Politik, die Ölabhängigkeit weiter zu senken und etwa staatliche Zuschüsse für die Installation von Sonnenkollektoren zu gewähren, wird die Regierung nach einhelliger Ansicht von Experten aber ihr hehres Ziel verfehlen. „Wir sollten mehr in Forschung und Entwicklung investieren und weniger staatlich steuern“, fordert Stefan Fölster, Chefökonom des Schwedischen Wirtschaftsverbandes.

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