Frachter aufgehalten
Israel entdeckt Waffenschmuggel

Ein Spezialkommando der israelischen Kriegsmarine hat ein Schiff mit hunderten Tonnen Waffen und Munition für die pro-iranische Hisbollah im Libanon abgefangen. Es handelt sich um einen deutschen Frachter. Die Reederei will von der Ladung nichts gewusst haben.
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HB JERUSALEM. Der Frachter gehört der Reederei Gerd Bartels aus Neu Wulmstorf vor den Toren Hamburgs. Auf dem Schiff waren laut dem stellvertretenden israelischen Marinekommandeur Konteradmiral Roni Ben-Jehuda „hunderte Tonnen“ Waffen“ versteckt. Die Ladung soll den israelischen Angaben zufolge aus dem Iran stammen und für die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon bestimmt gewesen sein. Die „Francop“ wurde in die israelische Hafenstadt Aschdod gebracht, wo einige Container entladen wurden. Sie sei als Hilfstransporter getarnt gewesen und unter der Flagge Antiguas gefahren, hieß es. Der Kapitän sei ein Pole. Die Besatzung habe von der geheimen Fracht aber offenbar nichts gewusst.

Dies bekräftigte auch die Reederei Bartels. Der Schiffseigner verwies darauf, dass der Frachter seit etwa zwei Monaten unter Zeitcharter für das Frachtunternehmen UFS fahre. Unter einem Zeitchartervertrag stellt die Reederei dem Zeitcharterer das Schiff mit seiner Ladekapazität zur Verfügung, während der Zeitcharterer alle mit der Buchung der Ladung zusammenhängenden Aufgaben in eigener Verantwortung wahrnimmt, erläuterte die Reederei in ihrer Mitteilung. Es dürfe aber keine Ladung transportiert werden, die im Widerspruch zu Uno-Resolutionen stehe. Der Inhalt der zu ladenden Container werde gegenüber der Reederei nicht deklariert. Die Reederei betonte, dass weder sie noch der Kapitän zu irgendeinem Zeitpunkt von Waffen an Bord des Schiffes gewusst hätten.

Israel warf dem Iran einen Verstoß gegen Resolutionen des Weltsicherheitsrats vor, die den Export von Waffen untersagten. Teheran wies die Angaben zurück. „Der Bericht stimmt nicht. Das Schiff war von Syrien in den Iran unterwegs, an Bord sind syrische Waren, aber keine Waffen“, sagte der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki nach Angaben staatlicher Medien in Teheran.

Nach israelischen Armeeangaben hatte die „Francop“ 40 Container mit jeweils bis zu 300 Tonnen Waffen und Munition an Bord, darunter auch Raketen vom Typ Katjuscha. Das Militärgerät sei als zivile Fracht getarnt gewesen. Das Schiff wurde in der Nacht zum Mittwoch rund 160 Kilometer vor der Küste Israels in der Nähe Zyperns aufgebracht und in den Hafen von Aschdod dirigiert.

Der Frachter war nach israelischen Angaben vom ägyptischen Damietta unterwegs zum syrischen Hafen Latakia. Von dort habe die Waffenlieferung im Wert von Millionen von US-Dollar über Land in den Libanon gebracht werden sollen. Die Ladung sei zunächst von Bandar-Abbas im Iran über den Suez-Kanal nach Damietta verschifft und dort auf die „Francop“ gebracht worden.

Die Waffen seien in Containern hinter weißen Säcken mit Agrarzeugnissen versteckt gewesen, hieß es aus Israel weiter. Der polnische Kapitän habe keinerlei Widerstand geleistet. Das israelische Fernsehen zeigte später Bilder von der Hafenanlage in Aschdod, auf denen hunderte Kisten mit Waffen, darunter Raketen, Handgranaten und Panzerabwehrgeschosse, zu sehen waren.

Die Hisbollah hatte Israel in der Vergangenheit vom Südlibanon aus immer wieder mit Raketen angegriffen. Israel wirft dem Iran und Syrien vor, die verbündete Hisbollah entgegen allen Uno-Resolutionen nach dem Libanon-Krieg vom Sommer 2006 wiederbewaffnet zu haben. Israelische Fernsehsender berichteten, das Schiff sei nach Hinweisen von Geheimdiensten seit Tagen beobachtet worden.

Nach Angaben der Reederei ist der Frachter mittlerweile wieder freigegeben worden. Die „Francop“ habe am Mittwochabend gegen 20 Uhr den israelischen Hafen Aschdod in Richtung Limassol verlassen, teilte die Hamburger Reederei Bartels in einer E-Mail mit.

Kommentare zu " Frachter aufgehalten: Israel entdeckt Waffenschmuggel"

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  • @ Tom (1)

    „warum haben die israelis nicht gleich das boot versenkt ?“

    boot ist gut, das ist ein Containerfrachter, wir befinden uns nicht im uneingeschränkten Seekrieg und der Kapitän dieses Schiffes hatte keine Ahnung, was sich in den fraglichen Containern befindet.
    Das Aufbringen des Frachters und die beschlagnahme der Container ist das Ergebnis geheimdienstlicher Tätigkeit. Hätte israel der Frachter versenkt, hätte es keinen beweis führen können.

  • warum haben die israelis nicht gleich das boot versenkt ?
    das ist offensichtlich ein angriff auf die inner sicherheit israels, das hätte ein versenken des schiffes gerechtfertigt !!!

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