François Fillon unter Druck
„Ich habe das Gesetz nicht gebrochen“

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon steht wegen der Debatte um eine Beschäftigung seiner Ehefrau auf Parlamentskosten unter Druck. Nun bläst er zum Gegenangriff: Er habe sich nichts vorzuwerfen.
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Paris Der massiv unter Druck stehende französische Präsidentschaftskandidat François Fillon versucht das Ruder herumzureißen. Fast zwei Wochen nach Beginn der Debatte um die Beschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten äußerte sich der Konservative am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz in seiner Wahlkampfzentrale.

Im Umfeld des 62-Jährigen war die Rede von einem „Gegenangriff“ des Kandidaten gewesen. So räumte Fillon bei der Pressekonferenz zwar ein, dass seine Ehefrau Penelope auf Parlamentskosten beschäftigt worden sei. Doch gleichzeitig sagte Fillon: „Ich habe das Gesetz nicht gebrochen, ich habe mir juristisch nichts vorzuwerfen.“ Vielmehr sieht er sich als Opfer einer Hetzkampagne: „Ich bin das Opfer eines Angriffs von nie da gewesener Heftigkeit. Ich bin von den Medien gelyncht worden.“

Lange Zeit hatte Fillon als Favorit für die Präsidentenwahl im April und Mai gegolten. Doch jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen seine Frau Penelope sowie seine Kinder Charles und Marie. Die Voruntersuchung geht dem Verdacht nach, dass Penelope Fillon und deren Kinder von dem langjährigen Spitzenpolitiker auf Kosten der Steuerzahler im Parlament beschäftigt wurden, ohne dafür zu arbeiten. Am Montag kamen neue Vorwürfe hinzu: Laut „Le Monde“ soll der Ex-Premier gestanden haben, dass sein 2007 vom Senat als Assistent bezahlter Sohn Charles in Wirklichkeit für die damalige Wahlkampagne von Nicolas Sarkozy gearbeitet habe. Das wäre Missbrauch öffentlicher Gelder.

Vorwürfe, denen Fillon nun versucht, offensiv entgegenzutreten. „Ich verstehe die Fragen und das Bedürfnis, dass ich die Dinge kläre“, sagte er. Mit seiner Familie zusammenzuarbeiten sei eine Praxis gewesen, die von den Franzosen anerkannt war – es heute aber nicht mehr ist. Dass seine Frau in einem Fernsehinterview sagte, niemals die Assistentin ihres Mannes gewesen zu sein, habe ebenfalls keine Aussagekraft. „Im Interview hat sie auf Englisch gesagt, sie sei  nie meine Assistentin? Ja, sie war nie meine Untergeordnete, hat immer gleichberechtigt mit mir gearbeitet“, sagte Fillon.

Seine Frau habe seinen  Kalender geführt, Briefe geantwortet, seine Reden im Departement Sarthe vorbereitet und Jobbewerbungen weitergeleitet. Ihre Arbeit sei demnach für ihn als Abgeordneten unverzichtbar gewesen – und legal. Selbiges gelte für die Arbeit seiner Kinder. Allerdings musste Fillon eingestehen, am 26. Januar im Fernsehen die Unwahrheit gesagt zu haben: „ Ja, meine Antworten waren unpräzise. Ja, meine Frau ist ab 1988 bezahlt worden, nicht erst ab 1997.“

An seiner Kandidatur will Fillon trotzdem festhalten, auch wenn er laut einer Umfrage zufolge die Stichwahl um das höchste Staatsamt nicht erreichen wird, nachdem er lange als klarer Favorit gegolten hatte. „Umfragen werden mich nicht dazu bringen, von meiner Entscheidung abzugehen, nichts kann mich dazu bringen, auf meine Kandidatur zu verzichten“, sagte Fillon. Damit scheinen auch die Spekulationen über einen möglichen „Plan B“ der Konservativen obsolet.

Dabei war immer wieder der Name Alain Juppé gefallen. Der Bürgermeister von Bordeaux hatte die Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur des bürgerlichen Lagers gegen Fillon verloren und seit Bekanntwerden der Vorwürfe mehrfach betont, dass er nicht als Ersatz bereitstehe. „NEIN heißt für mich NEIN“, schrieb Juppé auf Twitter, und sprach von „Gerüchten ohne Grundlage“. Er rief dazu auf, François Fillon zuzuhören, „unserem Kandidaten“.

Dieser nutzte die Pressekonferenz auch noch für eine Kampfansage an Marie Le Pen: „Ich bin der einzige Kandidat, der Frankreich wieder stärken kann. Die echte Gefahr wäre, das Land dieser Familie der Extremen Rechten anzuvertrauen, die mittlerweile unberührbar ist.“

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Gegenkandidaten zu Marie Le Pen machen sich unwählbar. Was könnte es schöneres geben?

    Von Thomas Hanke war hier übrigens am Wochenende ein Artikel zu Le Pen zu lesen, der für diese Seite von ganz überraschender Sachlichkeit und hohem Informationsgehalt geprägt war. Früher wäre das normal gewesen, heute fällt es einem sofort auf.

  • Alles was Fillon tat war richtig.

    Und Schweine sind lila und können fliegen.

  • Asterix, Obelix und Fillon, der Merktnix.

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