François Hollande
„Kein Stabipakt ohne Wachstumsprogramm"

Die Franzosen lieben den Sozialisten François Hollande mehr als ihren Präsidenten Sarkozy. Er könnte nach der Wahl der neue starke Mann an Deutschlands Seite sein. Die Achse Paris-Berlin muss dann einiges aushalten.
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Handelsblatt: Monsieur Hollande, Sie wollen den Franzosen ihr Selbstvertrauen zurückgeben. Aber warum sollten sie Ihnen vertrauen?
François Hollande: Seit fast einem Jahr habe ich mein Projekt beharrlich und transparent entwickelt. Ich habe Kurs gehalten, präzise die Kosten beziffert, die Einsparungen und die Investitionen, die nötig sind, um Frankreich zu sanieren. Ich glaube, die Franzosen werden mir ihr Vertrauen schenken, weil mein Programm glaubwürdig ist.

Was ist Ihre Botschaft?

Ich will Frankreich auf gerechte Weise sanieren und aufrichten. Dafür sind solide öffentliche Finanzen und Steuergerechtigkeit ebenso nötig wie die Förderung des Wirtschaftswachstums und der Beschäftigung durch ein ehrgeiziges Programm für Frankreich und Europa. Dazu gehören auch ein zukunftsfähiges Bildungssystem und die Vorbereitung der Energiewende.

Die Deutschen fragen sich, ob Sie ein Partner bei der Stärkung der Euro-Zone wären - oder eher das Engagement Frankreichs schwächen würden.

In den vergangenen fünf Jahren hat die französische Regierung ihre europäischen Verpflichtungen nicht eingehalten. Ich stehe dafür ein, im nächsten Jahr das Staatsdefizit auf drei Prozent zu senken und 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.

Warum wollen Sie dann den Fiskalvertrag neu verhandeln?

Nur eine Strategie für Wachstum kann Europa aus der Misere bringen. Alle EU-Länder, sogar Deutschland, leiden unter mangelnder wirtschaftlicher Dynamik. Weil wir uns nicht abstimmen, gibt es keine gemeinsame Initiative zur Belebung. Eine stärkere Disziplin bei den nationalen Budgets ist notwendig - aber zugleich dürfen wir nicht sparen um des Sparens willen. Ich will den Vertrag deshalb ergänzen durch Maßnahmen, die Wachstum und Beschäftigung begünstigen.

Da reicht doch ein Zusatz - warum wollen Sie alles neu verhandeln?

Ich will die europäischen Verhandlungen fortsetzen mit dem Ziel, sehr schnell konkrete Fortschritte zu erreichen: "Project-Bonds" für europäische Investitionen, zusätzliche Darlehen der Europäischen Investitionsbank für industrielle Vorhaben, Energie und Infrastruktur. Wir müssen auch darüber diskutieren, wie die Europäische Zentralbank stärker eingreifen kann, um die Spekulation gegen die Staatsfinanzen zu bremsen.

Kommentare zu " François Hollande: „Kein Stabipakt ohne Wachstumsprogramm""

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  • Vollkommen richtig!

    Zitat:"Falls ich gewählt werde, führt mich mein erster Besuch nach Deutschland. Dann werden Frau Merkel und ich uns treffen."

    Was will er bei uns? Wird er nicht in seinem Land gebraucht, das er sanieren will?

    Abgesehen davon, Frankarm bekommt von Deutschland jährlich mehrere Milliarden Euro Agrarhilfe gezahlt und das seit Jahrzehnten. Und jetzt will der Schmarotzer noch mehr Geld.

    Untere der französischer Flagge mit einem atombetriebenen Flugzeugträger Angriffskriege führen und bei Deutschland die Bettelhand aufhalten.

    Einfach nur Gewohnheits-Schmarotzer ohne Ehre.

    Aber bald wollen die PIGS+Frankarm den illegalen ESM installieren, um so viel zu klauen wie sie wollen!

  • Bazooka
    habe ich vorhin auch gelesen.
    Wenn jetzt schon die Lagarde das sagt, muß ja was dran sein. Wir der Merkel und ihren Eurofanatikern nicht schmecken
    Aber ich hoffe, der Zusammenbruch kommt und er kommt schnell und wir kehren zu unseren Währungen zurück und machen einen Neuanfang
    Denn so kann es ja nicht weitergehen
    Der Euro war eine absolut kriminelle Tat von Kohl und seinen Mitstreitern, Genscher und Waigl, er hat uns nichts Gutes gebracht

  • Ich bin gespannt, wie die Sozialdemokraten in Partei und Medien in Deutschland mit der Politik Hollandes umgehen werden -
    irgendwann wird selbst dem hartgesottensten Keynesianer dämmern, dass diese Politik nicht aufgeht - und spätestens, wenn es bei der großen Umverteilung an die eigenen Pfründe, nämlich an das mühsam Ersparte und mühsam Umverteilte in Deutschland geht, werden auch die Sozialdemokraten in allen Parteien und Medien aufwachen:
    auf diese große Selbstdrehung um die eigene Achse bin ich sehr gespannt.

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