Frank Stronach
Der Beppe Grillo aus Österreich

Der Magna-Gründer könnte das tradierte Parteiensystem Österreichs durcheinanderwirbeln. Ein Viertel aller Bürger wollen ihn mindestens als Minister haben. Ob dafür Chancen bestehen, wird sich schon sehr bald zeigen.
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Österreich droht im Herbst bei den nächsten regulären Parlamentswahlen eine ähnliche Pattsituation wie Italien. Und ebenfalls wie in Italien sorgt ein politischer Newcomer für große Aufregung im traditionellen Parteiengefüge: Frank Stronach, der Gründer des österreichisch-kanadischen Automobilzulieferers Magna. Mit 81 Jahren und nach dem Ende seiner Karriere als Unternehmer will Stronach in seiner Heimat Österreich auch den großen politischen Wandel einleiten.

Das neue „Team Stronach“ kommt nach aktuellen Umfrageergebnissen auf einen Stimmenanteil zwischen zehn und fünfzehn Prozent. Nach Angaben des Wiener Meinungsforschungsinstituts OGM wünschen sich 25 Prozent der Österreicher eine Regierungsbeteiligung von Frank Stronach, mindestens als Minister.

Wie Beppe Grillo in Italien tritt auch Frank Stronach als Newcomer an, der gegen das traditionelle Parteien-Establishment wettert. Der Magna-Gründer gibt sich zudem europa-kritisch und plädiert für einen Austritt Österreichs aus der Euro-Zone. „Verwenden wir unser Geld für unsere Pensionisten statt für Banken, Spekulanten und Pleitestaaten im Süden“, verkündet Stronach bei seinen Wahlkampf-Auftritten. Bei einer traditionell eher europa-skeptischen Bevölkerung fallen solche Slogans schnell auf fruchtbaren Boden.

Das „Team Stronach“ ist vor allem eine Bedrohung für die Große Koalition in Wien. Rote und Schwarze, SPÖ und ÖVP, regieren seit Jahren ziemlich unangefochten in Österreich und prägen ganz entscheidend die Gestalt des Landes. Der wirtschaftliche Erfolg Österreichs mit höheren Wachstumsraten als in Deutschland basiert auch auf der politischen Stabilität, ein Ergebnis der klaren Regierungskonstellation in Wien.

Diese Stabilität ist aber durch den Newcomer Frank Stronach in Gefahr geraten. Vor allem Wähler der konservativen ÖVP könnten zur Partei des Magna-Gründers wechseln, weil sie sich von Stronach eine hohe Wirtschaftskompetenz versprechen. Zudem verlieren die beiden großen Volksparteien SPÖ und ÖVP kontinuierlich an Zustimmung. Deshalb ist es durchaus möglich, dass es nach den Wahlen nicht mehr für eine Mehrheit der beiden großen Koalitionsparteien im Wiener Parlament reicht und dass es künftig ein vergleichsweise instabiles Dreier-Bündnis geben wird. Der Ausgang der Wahlen in Österreich ist völlig offen, da auch noch die Grünen und die rechtspopulistische FPÖ ins neue Parlament einziehen werden und bei der Regierungsbildung ein Wörtchen mitreden könnten.

Wie in Deutschland steht in den kommenden Monaten eine Reihe von wichtigen Landtagswahlen an. In Kärnten und in Niederösterreich, das Bundesland, das Wien umgibt, wird schon am kommenden Sonntag ein neues Landesparlament gewählt. Diese Wahlen auf Landesebene sind ein wichtiger Testlauf für die nationale Entscheidung im Herbst. Ganz Österreich blickt gespannt darauf, ob Frank Stronach schon in Kärnten und in Niederösterreich das alte Parteiensystem aufbrechen wird.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Frank Stronach: Der Beppe Grillo aus Österreich"

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  • @ Ingenius

    Zitat : Einen Anfang könnte ja vielleicht Schraube-Würth machen, aber eigentlich fallen mir noch viel mehr Namen ein.

    Da schliesse ich mich voll an. Ich glaube auch , dass es in den Wirtschaftsetagen auch schon lange gärt, nur trauen die sich noch nicht so richtig aus der Deckung....aber es wird kommen ! Habe auch schon mal vom Linde-Reitzle was gehört, es wird da mehrere geben.
    Mit den Lügen ( vor allem der verlogenen Journalisten, der gekauften Billigschreiber ) kann es doch nicht ewig weiter gehen..?!!

  • Was im östlichem Reich geschieht würde mir auch in Deutschland gefallen. Frank Stronach hat als Unternehmer bewiesen, dass er ein Diamant ist, klar, wenn es sein muss hart, doch auch sozial und vor allem erfolgreich. Warum probiert dergleichen niemand in Deutschland? Anstatt so viel Geld in häufig langweilige Stiftungen zu stecken könnten doch auch mal ein paar Unternehmer auf den Trichter kommen eine WSU zu gründen, eine WIRTSCHAFTLICH SOZIALE UNION um damit ein bisschen mehr Schwung und vor allem Erfahrung und Fachwissen in den Laden zu bringen. Gestandene Unternehmer könnte man auch nicht so einfach durch Spenden und Beraterverträge verbiegen wie z.B. die Gelb/Blauen.
    Einen Anfang könnte ja vielleicht Schraube-Würth machen, aber eigentlich fallen mir noch viel mehr Namen ein.

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