Frankfkreichs Ex-Staatschef
Speedy Sarkozy will schon wieder bombardieren

Nach drei Monaten Zurückhaltung meldet sich der französische Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy in der Politik zurück - und fordert gleich einen Militärschlag gegen Syrien. Ganz so, als säße er noch im Elysée-Palast.
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ParisDrei Monate lang hat er Ruhe gegeben, nun hält er es nicht mehr aus: Frankreichs im Mai abgewählter Staatspräsident Nicolas Sarkozy meldet sich mit einem Vorstoß zu Syrien in der Politik zurück. In einem Kommuniqué, das von Abdelbasset Sieda, einem der Führer der syrischen Opposition mit unterzeichnet ist, fordert Sarkozy ein "rasches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft, um Massaker in Syrien zu verhindern." Es gebe eine gleiche Lage wie in Libyen im vergangenen Jahr. Im Klartext: Frankreich soll einen Militärschlag gegen Syrien starten.

Als säße er noch im Elysée-Palast, ließ Sarkozy verlautbaren, er habe "40 Minuten mit Sieda telefoniert, dabei gab es eine vollständige Übereinstimmung." Doch Sarko ist nicht mehr Präsident, er ist seit drei Monaten im Dauerurlaub. Derzeit radelt er von der Sommerresidenz seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy in Südfrankreich aus jeden Tag in die Berge. Er hat nur noch ein Amt: Mitglied des Verfassungsrates. Das erlegt ihm Zurückhaltung in allen politischen Fragen auf. Doch Zurückhaltung und Sarkozy, das ist ein Widerspruch in sich.

Seine Anhänger hofften seit Wochen auf ein starkes Wort ihres gescheiterten Führers, der keinen geborenen Nachfolger hinterlassen hat. Seine Partei UMP zerfleischt sich gerade in einem Kampf um die Führung. Bei den Funktionären beliebt ist Generalsekretär Jean-François Copé, doch bei den Wählern kommt Ex-Premier François Fillon wesentlich besser an: 70 bis 80 Prozent ziehen ihn Copé vor. Doch Fillons Ansehen hat einen ordentlichen Dämpfer erhalten: Vergangene Woche wurde bekannt, dass er sich bei einer Fahrt mit dem Motorroller das Bein brach, als er auf dem Anwesen von Fiat-Chef Luca Cordero di Montezemolo auf Capri urlaubte. Diese Art von Schnorrer-Urlauben auf den Yachten oder Luxusanwesen von Milliardären hat Sarkozys Image völlig ruiniert.

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  • Déjà vu
    Gefragt ob in Nordafrika dem arabischen Frühling ein europäischer Herbst folgen wird würde ich sagen: Es wird eher ein Neokolonialismus der Europäer und die kapitalistische Okkupation der USA im Sinne alter Herzlscher Groß-Israel-Ambitionen des USA-Partners Israel.

  • Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Nix da. Indolenz statt Menschlichkeit? Raffgier und Profilneurosen? Wie krank muß man eigentlich sein, um auf noch mehr Zivilisten bomben zu wollen. Und dass der syrische Oppositionsführer mit Speedy einer Meinung ist, gibt mir besonders zu denken. Pauvre Grand Nation! Und auch das französische Volk wird nicht gefragt. Folgt dem arabischen Frühling ein europäischer Herbst?

  • Deutschland sollte sich in dieser Frage mit Russland und China abstimmen. Die Allierten machen zu 0% deutsche Interessenpolitik. Wieso sollten wir denen immer hinterherlaufen? Abgesehen davon wollen sie ohnehin Krieg, ganz egal wie schlimm das System in Syrien ist. Es geht denen nur um Macht über Syrien (grenzt an Israel).

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