Frankreich
35-Stunden-Woche wackelt

Die deutsche Firma Bosch hat in Frankreich einen brisanten Streit um die Arbeitszeit angeschoben. Der Elektronikkonzern denkt darüber nach, statt 35 Stunden wie in Frankreich üblich wieder eine 40-Stunden-Woche einzuführen.

PARIS. Weitere Unternehmen planen ähnliche Schritte. Die Gewerkschaften warnen vor einer Aushöhlung der gesetzlichen Arbeitszeit von 35 Stunden und fordern zum Widerstand gegen „Erpressungsversuche“ der Unternehmen auf.

„Wir wollen in der Automobilzulieferindustrie wettbewerbsfähig bleiben und Entlassungen vermeiden“, argumentiert Guy Maugis, Präsident von Bosch Frankreich, die Tochter mit dem drittgrößten Umsatz der Bosch-Gruppe. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium, es müsse mit den Gewerkschaften auf Betriebsebene verhandelt werden. Offenbar will das Unternehmen eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich durchsetzen. Bosch beschäftigt in Frankreich 10 400 Angestellte in 21 Werken.

Auch der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) hat bereits angekündigt, in Frankreich eine Arbeitszeitverlängerung durchzusetzen. Das Management sei bereit, auf einen Teil der geplanten Entlassungen zu verzichten, wenn sie die 35-Stunden-Woche neu verhandeln können. Jetzt müssen die Gewerkschaften über den Vorschlag entscheiden.

Die 35-Stunden-Woche ist in Frankreich ein hochexplosives Thema. Die Ankündigungen von HP und Bosch stießen sofort auf heftigen Widerstand. „Das ist Erpressung“, sagte Bernard Van Craeynest, Präsident der CFE-CGC. Die Gewerkschaft CGT sprach von einer „Provokation“ und wies auf die gestiegenen Gewinn- und Umsatzzahlen der Gruppe hin. Sie rief die Mitarbeiter der französischen Bosch-Werke zum Widerstand auf.

Die Generalsekretärin der kommunistischen Partei PCF, Marie-George Buffet, schloss sich der Kritik an: „Wie weit soll das gehen. Werden wir zur 45-Stunden-Woche zurückkehren?“ Auch der ehemalige Sozialistenchef Henri Emmanuelli warf Bosch „Erpressung“ vor. Die sozialistische Opposition forderte die Regierung in einem Kommuniqué auf, „dafür zu sorgen, dass das Arbeitsrecht respektiert wird“. Ein Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit dürfe nicht auf Kosten der sozialen Rechte der Arbeiter gehen.

Dagegen verwiesen die Arbeitgeber auf Möglichkeiten, die Arbeitszeit mit Hilfe betrieblicher Abkommen anzuheben. Laurence Parisot, Präsidentin des Arbeitgeber-Verbandes Medef, betonte, dass ihr Verband die legale Arbeitszeit nie in Frage gestellt habe. Alle wichtigen Fälle sollten zwischen den Gewerkschaften und den Verantwortlichen in den Unternehmen direkt verhandelt werden. „Wir müssen flexibel bleiben“, sagte Parisot.

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