Frankreich-Besuch
Paris und Berlin proben neuen Anlauf

Als erste deutsche Kanzlerin wird Angela Merkel heute an den französischen Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs teilnehmen. Doch beim dritten Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy innerhalb weniger Tage, wird es nicht nur um Symbolik gehen.
  • 0

PARIS/BERLIN. Beide wollen auch über eine noch engere Zusammenarbeit der Nachbarländer reden. Dabei geht es um mögliche gemeinsame Projekte in Wissenschaft, Industrie und Diplomatie. Konkretes soll der deutsch-französische Ministerrat im Januar beschließen.

Derzeit arbeiten die Experten beider Regierungen an einer ganzen Reihe von Vorhaben. Dazu gehört etwa eine intensivere Kooperation im Rüstungsbereich. Dies könnte die Entwicklung neuer Ausrüstung - etwa eines Transporthubschraubers - oder den Einsatz der deutsch-französischen Brigade betreffen. Bereits 2008 war eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die die gemeinsame Entwicklung von Elektromotoren für Autos untersuchen sollte. Auf der Liste steht aber auch die Idee gemeinsamer Botschaften im Ausland.

Wie weit die Vorstellungen einer engeren Zusammenarbeit vor allem in Paris mittlerweile reichen, machte der französische Europa-Staatssekretär Pierre Lellouche deutlich. Vergangene Woche brachte er einen deutsch-französischen Minister ins Gespräch, der in beiden Kabinetten sitzt. In Berlin stieß der Vorschlag auf freundliches, aber zurückhaltendes Interesse. Denn mittlerweile schwant wohl auch Lellouche, dass es ernste Probleme mit der Souveränität geben könnte, sollte ein deutscher Vertreter im französischen Kabinett sitzen. Dennoch spekulieren die Medien über mögliche Kandidaten wie Jack Lang, den früheren Kulturminister von Ex-Präsident François Mitterrand. Lang hat gerade seine Sommerferien in Berlin verbracht, um einen Intensivkurs in Deutsch zu belegen.

Merkel und Sarkozy hatten bereits bei ihrem Treffen am 29. Oktober in Paris über eine engere Zusammenarbeit beider Länder diskutiert. Dabei treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Sarkozy möchte unbedingt eine privilegierte Partnerschaft mit dem großen Nachbarn, um Frankreichs Einfluss in der EU zu sichern. Die Kanzlerin wiederum hat ihre früheren Vorbehalte gegen eine zu enge Abstimmung mit Paris aufgegeben. Mittlerweile treffen sich beide regelmäßig vor jedem EU-Gipfel.

Seite 1:

Paris und Berlin proben neuen Anlauf

Seite 2:

Kommentare zu " Frankreich-Besuch: Paris und Berlin proben neuen Anlauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%