Frankreich/Deutschland
Warum Sarkozy mit den Nachbarn flirtet

Nicolas Sarkozy hat Deutschland zum ökonomischen Vorbild für Frankreich erklärt. Damit will der französische Staatspräsident aber nicht nur eigenen Reformen zum Durchbruch verhelfen. Er verfolgt noch andere Zwecke.
  • 20

Deutschland und Frankreich, das ist eine große Erfolgsgeschichte. So oder so ähnlich lautet die Botschaft, die von diesem deutsch-französischen Ministerrat in Paris ausgehen soll. Wie wichtig Deutschland für Frankreich, speziell für Staatsminister Nicolas Sarkozy geworden ist, wird schon daran deutlich, dass es bei dem Treffen mit Merkel und den Ministern beider Länder vor allem um Wahlkampf ging - und zwar um Wahlkampfhilfe der Deutschen für Sarkozy.

Dabei soll Deutschland dem zu Hause unter Druck stehenden Staatspräsidenten vor allem als ökonomisches Vorbild diesen soll, was Sarkozy erneut bekräftigte. Sarkozy sagte, Aufgabe eines französischen Präsidenten sei, sich weltweit an den Ländern zu orientieren, die gut funktionieren, und nicht an jenen, die nicht funktionieren. „Wir sind nicht neidisch. Wir wollen Deutschland nacheifern“, betonte Sarkozy. Merkel sei auch immer bemüht gewesen, rote Linien Frankreichs anzuerkennen. Sarkozy bekannte: „Ich hege Bewunderung für Frau Merkel.“ Die Kanzlerin leite und lenke Deutschland gut.

Interaktive Infografik

Deutschland und Frankreich im Vergleich

2011


Wobei Frankreichs Staatspräsident Deutschlands echte oder vermeintliche Vorzüge mehr zu schätzen scheint als die meisten Bundesbürger: Von der Finanzierung des Sozialstaats über die Stärke des Mittelstands bis zur Berufsausbildung stellt er seinen Landsleuten die Bundesrepublik als Vorbild hin. Allerdings ist die seit Wochen unablässige bekundete Bewunderung weniger selbstlos, als es den Anschein hat.

Sarkozy verfolgt zwei Ziele damit: Zum einen will er als Reformer erscheinen, der nicht etwa kalte neoliberale Pläne verfolgt, sondern das eigene Land stärker dem „rheinischen Kapitalismus“ anpassen will, was sowohl soziale Gerechtigkeit wie wirtschaftliche Effizienz verheiße. Statt umständlich zu argumentieren, muss er nur mit dem Finger über die Grenze verweisen – er versucht, sich Glaubwürdigkeit zu leihen, weil sein Kredit bei den Franzosen nicht mehr sonderlich hoch ist.

Zugleich will er sich aber auch als der privilegierte Gesprächspartner von Angela Merkel in Szene setzten. Das soll den Herausforderer Francois Hollande in eine niedere Liga verweisen, in er sich Bewerber ohne staatsmännisches Format tummeln, denen der wichtige Partner Deutschland die kalte Schulter zeigt.

Kommentare zu " Frankreich/Deutschland: Warum Sarkozy mit den Nachbarn flirtet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ps: ich vergass das "Oder" nach dem "Entweder"

    ... oder er kann einfach auswandern. Für besonder "völkisch" angehauchte empfiehlt sich da gerade Ungarn.

  • @ichdochwieder

    Jetzt mal ehrlich

    "Solche charakterlose Politiker hat Europa schon lange nicht mehr gehabt!"

    Also, ich habe Franz Josef Strauß, Filbinger, Barschel und Konsorten überlebt - und nicht so weinerlich herumgejammert. Aus was für einem Wolkenkuckuksheim kommen denn solche Vorstellungen wie die, daß eine Regierung tun soll, was "das Volk" will - einmal davon abgesehen, daß ich immer noch keine Ahnung habe, was das sein soll "das Volk" - ich kenne nur "die Gesellschaft", das ist ein ziemlich wilder Haufen, in dem es drei Fantastilliarden unterschiedlicher Vorstellungen davon gibt, wie's weiter gehen soll.

    Und da ist nun einmal die Aufgabe einer Regierung, das zu tun, was _sie_ für richtig hält. Das kann, darf und _muss_ sie, sie ist durch eine Wahl legitimiert und wem das nicht passt, der kann entweder das nächste Mal eine andere Partei wählen (sorry, aber ich hab _die_ auf jeden Fall _nicht_ gewählt, die die hier so rumplärren aber sehr wohl).

    Bestes Beispiel: Gerhard Schröder, den ich eigentlich für einen feigen Versager halte, hat _gegen_ das Volk HartzIV durchgesetzt, wurde abgewählt - und wird jetzt von Merkozy als Heiliger geadelt. Der muss sich doch freggd lachen.

    Also, bitte mal den RealitySensor einschalten. Regierungen sind nicht dafür da, das zu tun, was "das Volk" will.

    Aber ansonsten: Zustimmung. Das Personal war nie so öde wie heuer. Aber - immerhin - es scheint an der Aufgabe zu wachsen.

  • @hardy,
    Ich aber nicht, es wird mir übel wenn ich die beide nur sehe.
    Solche charakterlose Politiker hat Europa schon lange nicht mehr gehabt!
    Leider wie es scheint , und das ist wirklich besorgniserregend, es gibt keine bessere, weder in Deutschland noch in Frankreich.
    Also werden wir mit dieser Mediokrität oder Mittelmäßigkeit noch eine Weile leben müssen.
    Wir werden sowieso seit langem schon vom Geldadel regiert. Die Medien diesem vollkommen ergeben, weil am Tropfen hängend und über die Werbeeinnahmen von diesem abhängig, helfen nach Kräften damit das Schauspiel vom Volk geduldet wird. Und ich ersticke!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%