Frankreich
Ein Junggeselle im Elysée?

Die französische Sphinx hat einen Namen: Cécilia Sarkozy. Seit Monaten gibt die Ehefrau von Staatspräsident Nicolas Sarkozy dem Volk Rätsel auf. Bleibt sie oder bleibt sie nicht? Die Antwort auf diese immer wieder gestellte Frage glauben informierte Kreise in der französische Hauptstadt jetzt zu kennen.

PARIS. Cécilia geht. Die Première Dame lasse sich scheiden, heißt es auf den Internetseiten mehrerer Medien. Der Elysée-Palast dementiert das nicht. Präsidenten-Sprecher David Martinon sind zu dem heiklen Thema nur zwei Worte zu entlocken: „Kein Kommentar“.

Die Eheprobleme im Elysée-Palast sind in Paris seit langem ein offenes Geheimnis, zumal sich das Paar 2005 schon einmal getrennt hatte. Damals war Cécilia zu ihrem neuen Freund nach New York gezogen. Als sie Monate später wieder zurückkehrte, war Wahlkampf in Frankreich und Sarkozy inszenierte die Versöhnung mit seiner Frau sorgfältig in den Medien. Schon damals glaubte nicht jeder an die zur Schau getragene eheliche Harmonie.

Seit Sarkozys triumphalen Wahlsieg am 6. Mai häufen sich die Anzeichen dafür, dass die präsidiale Ehe definitiv nicht mehr zu retten ist. Den Franzosen fällt auf, dass die Gattin des Präsidentin ihren repräsentativen Pflichten nicht nachkommt. Seit fast einem Monat hat Cécilia Sarkozy keinen einzigen offiziellen Termin wahrgenommen. Beim Shoppen auf der vornehmen Pariser Modemeile Avenue Montaigne wurde sie hingegen noch am vergangenen Wochenende gesichtet.

Die Abwesenheit der First Lady sticht vor allem bei internationalen Begegnungen ins Auge. Cécilia reiste beim G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni vorzeitig ab und zum Picknick mit der US-Präsidenten-Familie Bush im August erschien sie erst gar nicht. Auch bei Sarkozys Besuch in Sofia vor drei Wochen fehlte sie, obwohl sie in Bulgarien seit ihrem Einsatz für die aus libyscher Haft befreiten Krankenschwestern wie eine Heldin verehrt wird.

Beim ersten Staatsbesuch des neuen französischen Präsidenten nächste Woche in Marokko wird Cécilia Sarkozy ebenfalls nicht dabei sein und das verwundert die französischen Medien ganz besonders. Bei Staatsbesuchen sei die Teilnahme der Präsidentengattin doch protokollarisch vorgeschrieben, fragt eine Journalistin bei der wöchentlichen Pressekonferenz im Elysée. „Das Protokoll schreibt gar nichts vor“, raunzt Sprecher Martinon zurück.

Im Amtssitz des Staatschefs liegen die Nerven blank. Dass ein amtierender Präsident Junggeselle wird, hat es in der Geschichte der fünften Republik noch nie gegeben. Insofern sind die politischen Auswirkungen ziemlich schwer einzuschätzen. Umfragen zufolge hat die Popularität des Präsidenten zwar nichts mit seinem Familienstand zu tun.

Doch anscheinend vertraut Sarkozy den Demoskopen nicht uneingeschränkt. Elysée-Generalsekretär Claude Guéant soll Nachforschungen angestellt haben über ähnliche Fälle in anderen Ländern. Bekannt sind in der jüngeren Geschichte nur zwei: 1989 ließ sich der griechische Premier Andreas Papandreou scheiden und 2003 trennte sich der schwedische Ministerpräsident Goran Persson von seiner Frau. Doch in anderen Ländern herrschen andere Sitten. In Schweden trennten sich die Perssons weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. In Frankreich aber ist die Ehekrise der Sarkozys Gesprächsthema Nummer eins.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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