Frankreich feiert Ende des 1. Weltkriegs Der Ring des Erinnerns

Vor 96 Jahren endete eines der größten Gemetzel der Menschheit. Das Gedenken an den ersten Weltkrieg hat in Frankreich – im Gegensatz zu Deutschland – einen hohen Stellenwert. Und die Grande Nation zeigt wirklich Größe.
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Ein französischer General vor dem Ring des Erinnerns, Frankreichs Gedenkstätte für die Toten des 1. Weltkriegs. Quelle: Reuters

Ein französischer General vor dem Ring des Erinnerns, Frankreichs Gedenkstätte für die Toten des 1. Weltkriegs.

(Foto: Reuters)

ParisKein Pomp, keine Menschenmassen. Mit einer fast intimen Feier haben die Vertreter von mehr als 20 Nationen, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren, in Notre Dame de Lorette im Norden Frankreichs eine Gedenkstätte eingeweiht. Am 11. November vor 96 Jahren endete die Schlächterei, der allein in der unmittelbaren Umgebung der Gedenkstätte 580.000 Soldaten zum Opfer fielen. In Frankreich und Großbritannien ist der 11. November ein wichtiger Feiertag, in Deutschland nicht.

Das Memorial besteht aus einem Ring mit 75 Meter Durchmesser, der in einem labilen Gleichgewicht ruht, nur auf einer Seite fest im Boden verankert. Im Inneren sind wie auf Buchseiten in alphabetischer Reihenfolge die Namen aller bekannten Gefallenen verzeichnet, ohne Nennung der Nation. Der erste ist der eines Soldaten aus Nepal, der für die britische Armee kämpfte – das Gemetzel, das die europäischen Mächte veranstalteten, war tatsächlich ein globales.

Viele Tote wurden so verstümmelt, dass ihre Leichname nie gefunden wurden. „Sie, die im Krieg Feinde waren, ruhen nun gemeinsam in der Erde, als wären sie Angehörige derselben Familie“, sagte der oft kritisierte Staatspräsident Franҫois Hollande, der eine bemerkenswert gute Rede ohne nationalistische Akzente hielt.

„Der Ring des Gedenkens ist so labil wie der Frieden, auch der ist nie gesichert, er braucht Vorkämpfer, die sich für ihn einsetzen“, sagte Hollande. „Immer, wenn der Nationalismus wieder hochkommt, wenn die Ideologien des Hasses laut werden, wenn Trennendes betont wird, müssen wir uns an das Inferno des Sommers 1914 erinnern und daran, wohin es die Menschheit geführt hat“, mahnte der Präsident und folgerte: „Das Gedenken dient nicht der Vergangenheit, sondern der Gegenwart und der Zukunft.“

Ausdrücklich erinnerte Hollande an die Soldaten, die als Deserteure oder angebliche Defätisten erschossen wurden, weil sie sich für ein Ende des Wahnsinns einsetzten. Zur Feier angereist war auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die auf Französisch sprach und wie Hollande darauf hinwies, dass die Exzesse des Nationalismus die Bedeutung der europäischen Einigung deutlich machten.

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4 Kommentare zu "Frankreich feiert Ende des 1. Weltkriegs: Der Ring des Erinnerns"

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  • @Herr wulff baer: Nationalismus hilft hier nicht weiter. Deutschland ist nicht der Zahlmeister Europa´s, sondern profitiert sehr stark von der EU. Oder wohin gehen die meisten Exporte nochmal?
    Desweiteren hat die "deutsche Bestie" den 1. WK nicht alleine zu verantworten, dass sollte doch mittlerweile bekannt sein. Eine Mitschuld, klar, aber Frankreich, Russland, Großbritannien, Serbien und vor allem Österreich-Ungarn sind auch mitschuldig.
    Man sollte daraus lernen, für die Zukunft daraus lernen!

  • Wenn ich Franzose oder Engländer wäre, deren Länder von den deutschen Bestien 2mal innerhalb 100 Jahren verwüstet wurden und Millionen von Menschen abgeschlachtet wurden, würde ich jedem deutschen Touristen über 70 Jahren in den Allerwertesten treten.

    Aber die Deutschen haben sich ein Nationen-Karma damit geschaffen, indem sie heute dank ihrer Polinieten Helmut und Erika Deutschland zum Zahlmeister Europas geworden sind.

  • Anerkennung für diesen ehrlichen und wahrhaften Artikel!

  • Nicht nur in Frankreich hat das Erinnern einen hohen Stellenwert - auch beispielsweise im UK und den Commonwealth-Staaten:
    So wurde der Tod des letzten britischen Veterans des 1. Weltkrieges immerhin medial gewürdigt:
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/australien-letzter-soldat-des-ersten-weltkriegs-gestorben-1635940.html
    Der letzte deutsche Teilnehmer des 1. Weltkrieges wurde dagegen ohne irgendeine öffentliche Anteilnahme verscharrt. Selbst bei den Verbänden, die die "Erinnerung wachhalten" vorgeben, wie etwa VdK oder der Kriegsgräberfürsorge, habe ich darüber nichts gelesen.
    So geht unser Land also jenseits aller politischen Sonntagsreden tatsächlich mit seinen ehemaligen Soldaten um.
    Deshalb habe ich es auch schon immer mit Wolfgang Borchert gehalten:
    "Du Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!"
    In jungen Jahren in meinem Zivildienst hatte ich das große Glück, mit etlichen ehemaligen Kriegsteilnehmern reden zu können. KEIN EINZIGER von denen wollte jemals wieder Krieg.
    Im Moment stirbt gerade die Generation der Teilnehmer des 2. Weltkrieges weg und damit die mahnenden und warnenden Menschen.
    Das ist umso bedeutender, als wir gerade aktuell in zahlreichen Medien wieder eine widerliche Kriegshetze erleben...

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