Frankreich: „France-Soir“-Chef entlassen

Frankreich
„France-Soir“-Chef entlassen

Weil er die umstrittenen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten nachgedruckt hat, ist der Chefredakteur der französischen Zeitung France-Soir seinen Job los: Sein Verleger Raymond Lakah - ein Ägypter - hat ihn vor die Tür gesetzt.

HB PARIS. Lakah nannte die Entlassung von Jacques Lefranc ein deutliches Zeichen, dass die Überzeugungen aller Menschen geachtet würden. Lakah entschuldigte sich zudem „bei der Gemeinschaft der Muslime und allen Menschen, die wegen dieser Veröffentlichung schockiert oder empört“ seien.

Ungeachtet dessen verfasste die Redaktion für die Donnerstagsausgabe des Blatts einen Kommentar, in dem sie sich mit der ablehnenden Reaktion aus der muslimischen Welt auf den Nachdruck der Karikaturen beschäftigt. Unter der Schlagzeile „Voltaire hilf, sie sind verrückt geworden!“ ist da zu lesen: „Könnte man sich eine Gesellschaft vorstellen, die sich an die Verbote aller Kulte hielt? Wo bliebe die Gedankenfreiheit, die Freiheit der Rede oder auch nur des Kommens und Gehens? Solche Gesellschaften kennen wir zur Genüge. Zum Beispiel der Iran der Mullahs. Gestern war es das Frankreich der Inquisition, der Bücherverbrennungen und der Bartholomäusnacht. ...“

„France Soir“ hatte am Mittwoch alle zwölf Mohammed-Karikaturen von „Jyllands-Posten“ nachgedruckt, um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen. „Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren“, hieß es auf der Titelseite. Man könne von den Karikaturen halten, was man wolle, sie seien weder rassistisch gemeint, noch setzten sie eine Gemeinschaft herab. Die deutsche „Welt“ druckte eine der Karikaturen auf der Titelseite nach.

Dänemark fürchtet wegen des Nachdrucks der Zeichnungen, dass sich die Boykottaktionen in der islamischen Welt ausweiten. Außenminister Per Stig Møller sagte, damit werde die Aufmerksamkeit auch in Länder getragen, aus denen bisher keine Proteste gegen die zuerst in Dänemark veröffentlichten Zeichnungen gekommen seien. Møller bezog sich damit vor allem auf Algerien und andere nordafrikanische Länder. Bisher hatte es Boykottaktionen vor allem in der gesamten Golfregion gegeben. Saudi-Arabien und Kuwait haben auch ihre Botschafter aus Kopenhagen abgezogen.

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