Frankreich
Hollande in Not

Frankreichs Sozialistenchef François Hollande befindet sich seit dem Wahlabend am gestrigen Sonntag in einer höchst unkomfortablen Lage: Dass ihn seine Lebensgefährtin, die gescheiterte Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, verließ, weil er sich einer anderen zugewandt habe, kann Hollande wohl noch verschmerzen - doch jetzt trachtet sie ihm nach dem Partei-Thron.

PARIS. Ségolène Royal hat Schluss gemacht: „Ich habe Francois gebeten, auszuziehen (…) . Ich wünsche ihm viel Glück“, verkündete sie am Montagmorgen im Radio. Ihr langjähriger Lebensgefährte François Hollande, Vater ihrer vier Kinder, bestätigte die Trennung in einer knappen Pressemitteilung.

Damit ist nun offiziell, was auf den politischen Fluren in Paris sowieso jeder wusste: Privat läuft schon lange nichts mehr zwischen der ehemaligen sozialistischen Präsidentschaftskandidatin und dem sozialistischen Parteivorsitzenden. Nur aus wahltaktischen Gründen blieben Royal und Hollande zusammen. Nun sind die Wahlen für die Sozialisten endgültig verloren, und die Zeit für die Wahrheit ist gekommen.

Die Sozialistische Partei spielt die Trennung als „Privatangelegenheit“ herunter, doch für die Franzosen ist sie ein Politikum. Denn im langen Präsidentschaftswahlkampf hat das Paar Royal-Hollande immer wieder Beziehungskrise und politische Rivalität auf heillose Weise vermischt. „In der Politik gibt es keinen Platz für zwei“, lautet ein Schlüsselsatz von Francois Hollande. Der Parteichef habe den erstaunlichen Aufstieg seiner Gefährtin zur Präsidentschaftskandidatin nie ertragen, geschweige denn unterstützt, schreiben zwei Reporterinnen der Tageszeitung „Le Monde“ in dem vor wenigen Wochen erschienenen Bestseller „La femme fatale“.

In der heißen Wahlkampfphase widersprachen sich die Kandidatin und der Parteivositzende mehr als einmal in aller Öffentlichkeit. Als Hollande im Frühjahr eine höhere Einkommensteuer ankündigte, ging Royal auf Distanz. Hollande wiederum stoppte seine Gefährtin, als sie vor der Parlamentswahl ein Bündnis mit der neuen Zentrumspartei von Francois Bayrou ansteuerte. Längst hat der sozialistische Rosenkrieg die ganze Partei erfasst und in zwei Lager gespalten.

Der Öffentlichkeit blieb das nicht verborgen. Im Januar tönte Royal-Sprecher Arnaud Montebourg im Fernsehen, seine Kandidatin habe „ nur einen Fehler: Ihren Lebensgefährten“. Das royalistische Beziehungstheater geht manchem Genossen inzwischen gewaltig auf die Nerven. Er habe „genug davon“, dass sich seine ganze Partei immer nur „um das Leben eines Paars drehe“, beschwerte sich der sozialistische Abgeordnete Manuel Valls noch vor wenigen Tagen.

Dass die Partei jetzt mit dem offiziellen Ende der Beziehung Royal-Hollande zur Ruhe kommt, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Royal zieht jetzt in den offenen Kampf. Sie will Hollande den Parteivorsitz abjagen, und zwar schon vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit im Jahr 2008. Die Frau hat mit ihrem Ex noch eine Rechnung offen. Die Partei wird es merken.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%