Frankreich
Hollande nimmt Kampf mit Front National auf

In einer der Hochburgen der Front National zeigt sich der Sozialist Hollande zuversichtlich: „Wir werden gewinnen.“
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ParisFrancois Hollande will die Wähler der rechtsextremen Front National nicht der Rechten überlassen. Zwei Tage nach dem ersten Wahlgang, bei dem er vor Sarkozy lag, aber die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen mit rund 18 Prozent der Stimmen einen ebenso überraschenden wie beängstigenden Erfolg erreicht hat, macht er sich auf in eine der FN-Hochburgen: Nach Hirson, einen verlassenen Flecken in der nordfranzösischen Picardie unweit der belgischen Grenze. Hier wurde die Front-Kandidatin Marine Le Pen am vergangenen Wochenende Zweite hinter ihm.

Ihr Ergebnis war in diesem Städtchen mit seinen geduckten Häusern noch höher als die Arbeitslosigkeit, die bei 23 Prozent liegt. Viel Industrie gab es hier nie. Aber zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde ein großes Eisenbahn-Ausbesserungswerk gebaut, das vielen Arbeit gab. Es existiert schon lange nicht mehr. Später siedelte der große Auto-Zulieferer Valéo sich an, doch der wollte die Fabrik Ende der 90er-Jahre schließen. Nun wird sie von AML Systems betrieben, ein Unternehmen, das selber mal zu Valéo gehörte und hier jetzt rund 300 Leute beschäftigt. Die regionale Verwaltung hat viel Geld in das Werk geschossen, das Reinigungssysteme für Scheinwerfer herstellt. In diesem Jahr sollen zehn neue Mitarbeiter eingestellt werden – ein Riesenerfolg in einer Region, wo die Nachrichten sonst meist von Werksschließungen und -verlagerungen handeln.

Deshalb hat Hollande es ausgesucht: Es soll ein Symbol sein dafür, dass auch unter schwierigen Bedingungen Jobs erhalten werden können, wenn der Staat mithilft. Es ist ein Auftritt, wie Gerd Schröder sie häufig zelebriert hat – mit wechselndem Erfolg für die Beglückten.

Hollande macht seine kurze Reise von der Pariser Gare du Nord in den Norden zum Ereignis. Es geht ihm um maximale mediale Abdeckung. Der kurze Ausflug von Paris aus soll als ein wichtiges Statement überkommen: Er kämpft um die Wähler der FN. Zahlreiche Kamerateams begleiten ihn im Zug. Kurz vor der Endstation steigt er beim Zwischenhalt auf einem winzigen Bahnhof kurz aus, um eine Gruppe von rund zwanzig jubelnden Anhängern zu begrüßen: „Francois – président, Francois – président“ skandieren die Hollande-Freunde, die von der Unmasse der Kameraleute schier zerquetscht werden.   

Wenig Volk, aber gute Bilder. In Laon, der Endstation des Zuges, gibt er beim Aussteigen eine kurze Erklärung ab – diesmal sind überhaupt keine Wähler da, sondern nur die Kameras. Er geht auf die FN-Wähler ein: Das seien „Stimmen der Wut und der Verzweiflung“. Er habe das verstanden und wolle den Franzosen wieder Zuversicht geben. Auf dem Bahnhof begrüßt er jeden mit Handschlag, den er auflesen kann – sogar die Polizisten am Ausgang, die für alle Fälle hierhin beordert wurden.

Kommentare zu " Frankreich: Hollande nimmt Kampf mit Front National auf"

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  • " le Grande Nation " ,diese gibt es schon lange nicht mehr.
    Nur die etablierten Parteien und deren Politiker haben dies
    noch nicht begriffen.Die Probleme, die Frankreich hat, sind seit Jahrzehnten die selben.Staatsverschuldung,Arbeitslosigkeit usw.sind in Frankreich immer vorhanden gewesen.
    Früher hat die Nationalbank eben mal ein paar Milliarden Franc gedruckt um damit Arbeitsbeschaffungsmassnahmen zu finanzieren.Besonders immer dann, wenn Wahlen anstanden,
    wurden auf Staatskosten die Leute in Frührente geschickt um so die Arbeitslosenstatistik zu kaschieren.
    Das Problem Frankreich von gestern, ist das Problem Frankreich von heute.Seit Jahrzenten hat Frankreich keinen ausgeglichenen Haushalt,selbst laufende Renten und Pensionen werden seit 30 Jahren auf Kredit finanziert.
    Auch ein Hollande, wird daran nichts ändern.Seine Ankündigungen an die Franzosen,dass sie nicht sparen müssen,die Rentenanpassung von 60 auf 62 Jahren wieder zurückzunehmen ,Wachstum generieren mit weiteren Schulden und wie auch immer.Hollande wird,falls er Präsident in Frankreich werden soll, schnell von den Realitäten eingeholt werden.Zu glauben, dass seine Versprechungen gehalten werden können, eine Illusion.
    Frankreich ist chronisch Pleite, mehr als Spanien,Italien oder die anderen PICKS.
    Hollande versucht jetzt die Wähler der Rechten Le Penn Wähler für sich zu gewinnen, absolut lächerlich.Diese scheuen die Sozialisten wie der Teufel das Weihwasser.
    Auch wenn, in der Öffentlichkeit versucht wird,Le Penn Wähler als Unterschicht,Arbeiter und natürlich ungebildete
    Menschen hinzustellen,entspricht dies eben nicht der Realität.Die Mehrheit der Le Penn Anhänger sind die selbständigen Handwerker,Mittelständler u.natürlich auch Arbeiter und Arbeitslose. Aber es sind keine dummen Leute.
    Die Le Penn Wähler und der FN wissen genau was sie wollen.
    Und, sie sprechen dies auch sehr deutlich aus, in Worten die verstanden werden.Kein geeiere mit floskeln und intellektuellen ambivalensen.

  • ....da haben Sie leider recht! 100% agreed.

  • Wer Politik auf Kosten der Arbeitnehmer macht, wird immer verlieren. Menschen müssen sich mit ihrer Arbeit identfizieren, davon leben können, ebenfalls mit ihrer Nationalität. Wenn die Politik zur reinen Interessenvertretung des Kapitals verkommt, gibts eben Rutsche nach rechts. War schon immer so, und das in jedem Land. Wenn schon Wachstum, muß der für alle da sein, irgendjemand muß doch die schönen Apples bezahlen können, oder?
    Oder frei nach Henry Ford, meine Arbeiter müssen soviel verdienen, das sie sich meine Autos leisten können.
    Es wird Zeit für Sichtweisen des Kapitals und der Politik, die mehr mit dem Menschen zu tun haben, Geld kann man nicht essen.
    Rechtspopulismus hat hier seine Chancen, und wird diese auch nutzen, egal in welchem Land.

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